Islamischer Staat hält weiter Gebiete in Nordostsyriens größter Stadt

Die brutalen Gefechte in der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz al-Hasakah im Nordosten Syriens zwischen dem Islamischen Staat und den lokalen Sicherheitskräften der kurdisch-arabischen „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) mit amerikanischer Unterstützung dauern inzwischen fast eine Woche an, seitdem IS-Kämpfer einen groß angelegten und erfolgreichen Gefängnisausbruch im Süden von al-Hasakah gestartet haben. Weiterhin verschanzen sich versprengte IS-Anhänger und Insassen in verschiedenen Teilen des Ortes, insbesondere werden noch Teile des al-Sina-Gefängnisses von den Dschihadisten gehalten. Auch wenn eine Flucht aus Nordostsyrien nicht erfolgreich war ist es eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass die Terrormiliz weiterhin in Syrien aktiv und nicht besiegt ist. Die Türkei nutzte die Gunst der Stunde und bombardierte einen Konvoi in der Umgebung der Stadt.

Es war wohl für alle involvierten Fraktionen eine Überraschung, welche Folgen ein „einfacher“ Ausbruchversuch des Islamischen Staates haben würde, welcher sowohl innerhalb, als auch außerhalb des Gefängnis geplant und koordiniert wurde. Zunächst behaupteten Militärkreise des SDF, den Angriff auf das Gefängnis erfolgreich abgewehrt zu haben, bereits in der darauffolgenden Nacht verdichteten sich hingegen die Hinweise auf schwere Gefechte in verschiedenen Teilen von al-Hasakah. Während ein Teil der Insassen erfolgreich wieder gefangen genommen werden konnte, verbarrikadierten sich anderswo einzelne Exklaven des Islamischen Staates.

Diese konnten Stück für Stück eliminiert oder zur Kapitulation gezwungen werden, vor allem da man mit amerikanischer Unterstützung vermehrt schweren Kriegsgerät herangebracht werden, darunter einige der wenigen Kampfpanzer und selbst konstruierten Truppentransporter der kurdisch-arabischen Allianz. Die USA bieten in erster Linie mit ihren Kampfjets und Helikoptern Luftunterstützung, sind mit einigen Panzern aber auch auf dem Boden aktiv und es wäre wenig überraschend, sollten sie in der Planung des Gegenangriffes nicht involviert sein. Die andere beteiligte Außenmacht ist die Türkei, die am Sonntag einen Militärkonvoi vor den Toren al-Hasakahs attackierte, welcher wahrscheinlich auf dem Weg zum Schlachtfeld war. Dabei starben mindestens zwei SDF-Kämpfer. Insgesamt sollen die Todeszahlen im dreistelligen Bereich liegen, während auf Seiten des Milizenbündnisses 30 Mitglieder und beim Islamischen Staat über 130 getötet wurden, die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich höher.

Trotz dieser Verluste kann man diese Entwicklungen als großen Erfolg für die Dschihadisten verbuchen. Mithilfe dem Einsatz von zwei Selbstmordattentätern und bis zu 80 Islamisten konnten sie einen erfolgreichen Gefängnisausbruch durchführen, während die SDF mit der Situation überfordert scheint. Die inoffizielle Nachrichtenagentur des Islamischen Staates AMAQ veröffentlichte auf ihren Propagandakanälen mehrere Bilder und Videos, den Ausbruch von innen her zeigen, was für eine enge Zusammenarbeit zwischen Insassen und und dem „Rest-IS“ spricht. Diese Medien zeigen zudem, welch Massaker an den unbewaffneten Gefängniswärtern verübt wurde, mindestens 20 Mitarbeiter fielen dem Aufstand zum Opfer. Zudem kontrollieren sie weiterhin einen Teil des Gefängnisses und gegenüberliegende Wohnblöcke, die sie wohl bis zum Märtyrertod verteidigen werden, ein weiterer Propagandaerfolg. Die erneuten Gefangenen werden stattdessen wohl ihre Hoffnung einfach auf den nächsten Gefängnisausbruch setzen.

Die Lage innerhalb der Gefängnisse und den Gefangenenlagern ist seit der Eroberung sämtlicher IS-Territorien äußerst kritisch, da das Gefängnissystem für eine derart hohe Menge an Insassen nicht geschaffen ist. Hinzu kommen noch etliche umfunktionierte Flüchtlingslager, die insbesondere von den ebenso radikalen Familienmitglieder der Dschihadisten bevölkert werden, die aufgrund der anomischen Bedingungen innerhalb dieser Camps relativ autonom über sich selbst herrschen können und dementsprechend auch immer wieder Anschläge oder Ausbruchversuche verüben. Ein wichtiger Faktor dabei sind die internationalen Anhänger, insbesondere im Westen aber auch Zentralasien, dessen Regierungen einen Rückholaktion ihrer Staatsbürger ablehnen.

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