Huthi-Rebellen vor den Toren Maribs

In Jemen kommt es nach dem Zusammenbruch der Waffenruhe weiterhin zu intensiven Gefechten zwischen den schiitisch-zaidischen Houthi-Rebellen, offiziell unter dem Titel „Ansar Allah“ bekannt, und der jemenitischen Exilregierung unter Mansour Hadi. Insbesondere die letzte, noch von Regierungskräften beherrschte Stadt im Norden des Landes ist derzeit schwer umkämpft, nachdem die Houthis vor mehreren Monaten eine Offensive auf den Ort Marib gestartet haben, welche als das Zugangstor zu den Öl- und Gasressourcen des Jemens gilt und damit als kriegsentscheidend erachtet wird. Trotz schweren Widerstandes können die Houthis mit der Unterstützung lokaler Stammeskräfte langsam vorrücken, wodurch sie nur sieben bis neun Kilometer von den ersten Gebäuden der Stadt getrennt sind. Die Houthis kontrollieren bereits erste Flüchtlingslager in der Umgebung von Marib, welche früher als die letzte Stabilitätsoase im Land galt.

Die Houthi-Rebellen konnten mit der Unterstützung ihrer modernen Raketen- und Drohnensysteme am westlichen Frontabschnitt von Marib weiter vorrücken und dabei mehrere Hügel und Gebirgsketten einnehmen, die die Region so sehr prägen und die Gefechte auf beiden Seiten mühselig machen. Tagelang gibt es Kämpfe um einen einzelnen Berg, die Ansar Allah meistens für sich entscheiden können. Zuletzt konnten sie Jabal al-Khashar einnehmen, was etwa acht Kilometer entfernt liegt und die weiter südlich gelegene Straße überblickt. An dieser entlang befindet sich ein improvisiertes Flüchtlingslager al-Suwayda, welches Austragungsort brutaler Gefechte war. Die Houthis selber haben das Lager noch nicht betreten, da weiterhin Armeeeinheiten vor Ort präsent sind. Ein Großteil der Flüchtlinge sind bereits Richtung Marib geflohen, wo sie weiterhin in Lebensgefahr schweben und neben mangelnder Versorgung, Hygiene etc. auch ständigen Raketenangriffen ausgesetzt sind.

An anderen Frontabschnitten in Marib ist der Vorstoß jedoch wesentlich erlahmt, im Süden gibt es kaum noch Meldungen von Gefechten, während die Exilregierung weiter nördlich die Exklave um Asdas erfolgreich verteidigen kann. Trotz der schwächer werdenden Intensität und der Luftunterstützung Saudi-Arabiens für die Exilregierung ist es nach derzeitigem Stand am wahrscheinlichsten, dass die Houthi-Rebellen in den kommenden Wochen Marib und die damit verbundene Umgebung erobern könnten. Bis zu diesem Zeitpunkt wird es aber weiterhin zu brutalen Gefechten zwischen verschiedenen Stämmen und Gruppierungen kommen, die um die Vorherrschaft in der Region buhlen.

Marib kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, besonders im jemenitischen Konflikt nahm er eine besondere Rolle ein. Denn eigentlich besitzt die Stad lediglich 20.000 Einwohner. Diese Bevölkerungszahl konnte sich aber in Folge des Krieges vervielfachen, einigen Schätzungen zufolge halten sich zwei Millionen Flüchtlinge in der Provinz auf. Grund hierfür ist die Herrschaft der Islah-Partei, dem inoffiziellen jemenitischen Ableger der Muslimbruderschaft. Diese konnte bisher relativ erfolgreich ihre Territorien aus den Gefechten heraushalten, auch wenn sie offiziell die Exilregierung unter Präsident Mansour Hadi unterstützen und von Saudi-Arabien und Katar finanziert werden. Die Islah-Partei musste jedoch enorm an Einfluss einbüßen, insbesondere seit Anbeginn der Houthi-Offensive und wird allgemein als Buhmann innerhalb der Regierungskoalition gesehen, viele Jemeniten sehen die Muslimbruderschaft als heimliche Unterstützer der Houthis, obwohl es hierfür keine Beweise gibt.

Die Eroberung von Marib würde viele neue Fronten eröffnen, darunter ein Angriff auf den letzten jemenitischen Grenzübergang zu Saudi-Arabien, al-Wadiah. Zudem liegen dort viele Bohrtürme und Raffinerien, welches eine der letzten Einnahmequellen für die jementische Regierung darstellt. Gerade in der Wüste im Osten des Jemens wäre es aufgrund der schieren Größe nahezu unmöglich, dauerhafte Verteidigungen und Patrouillen einzusetzen und somit wichtige Ressourcen von den aktiven Frontlinien im Südwesten des Landes abzuziehen, auch wenn die Houthi-Rebellen in der Vergangenheit wenig effektiv in diesem Terrain waren. Bereits heute soll es in der Wüste feste Schmugglerringe geben, die beispielsweise Waren und Waffen von der omanischen Grenze zu den Houthi-Gebieten schaffen. Stattdessen würden kleinere Verbände an Houthi-Kämpfern die Grenzstädte zur Wüste attackieren, ähnlich den asymmetrischen Taktiken des Islamischen Staates in Syrien und dem Irak. Vor allem aber wäre es auch eine Botschaft an die Golfstaaten, welche vor inzwischen sechs Jahren in den Konflikt auf Seiten der Regierung eingriffen. Die Eroberung von Marib wäre eine Rückkehr nach 2014, weite Erfolge der Golfstaaten-Intervention würden damit zunichte werden.

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