Türkei schickt deutsche Panzer nach Idlib

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Einer der Leopard-Panzer, die die syrische Grenze überqueren

In den vergangenen Tagen wurden weitere Details über den gescheiterten Gegenangriff islamistischer Milizen und das Ausmaß türkischer Unterstützung veröffentlicht, während sowohl syrische Armee, als auch türkische Truppen in der letzten, von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib für eine neue Operation rüsten. Berichten zufolge plant die Syrisch-Arabische Armee (SAA) die Eroberung der M4-Autobahn zwischen Latakia und Aleppo, welches das gehaltene Territorium der Islamisten erneut halbieren würde und dementsprechend Verstärkung an den Frontlinien zusammenzieht. Die syrische und russische Luftwaffe fliegen bereits etliche Angriffe auf die Region. Die Türkei reagiert währenddessen mit der eigenen Verlegung tausender Soldaten nach Idlib, neuerdings sind darunter auch deutsche Leopard-Panzer zu finden.

Frühen Angaben zufolge bereiten die syrischen Streitkräfte eine neue Offensive in der Provinz Idlib vor, die sämtliche Gebiete südlich der M4-Autobahn umfassen könnte. Die westlich von Maraat al-Numan befindliche Region ist auch als das Zawiyah-Hochland bekannt und umfasst mehrere Städte. Da sich die bisherige Offensive auf die Gebiete rundum der M5-Autobahn beschränkte, wurde das Territorium bisher ignoriert. In letzter Zeit nahmen jedoch die Bombardierungskampagnen Russlands und Syriens erheblich zu, zudem wurden vermehrt Militärkonvois in Richtung der Frontlinien gesichtet. Unklar ist, ob diese Operation auch die gebirgige Region um Latakia und der Stadt Jisr al-Shoughur umfasst, welches über den Verlauf des Krieges zunehmend zur Heimat ausländischer Kämpfer (vor allem aus China und Russland bzw. Tschetschenien) geworden ist und man dementsprechend dort höheren Widerstand erwartet.

Es handelt sich wohl auch um einen Versuch, möglichst viele Gebiete vor den beginnenden Verhandlungen zwischen Russland und der Türkei zu sichern und sich damit in eine stärkere Verhandlungsposition zu versetzen. Der türkische Präsident Erdogan kündigte vor mehreren Wochen an, dass die Türkei mehrere Militäroperationen in Idlib starten würde, sollte sich die syrische Armee nicht aus den seit Dezember eroberten Teilen zurückziehen sollte. Das Ultimatum läuft Ende Februar zu Ende, die nächsten Verhandlungen sind aber für den 5. März mit Frankreich und Deutschland in der Vermittlerrolle angesetzt, auch um damit die Frist hinauszuzögern und eine größere Eskalation zu verhindern.  Denn die Türkei hat

Bei der islamistisch-türkischen Offensive auf die Stadt al-Nayrab, die nach wenigen Stunden abgewehrt werden konnte, tauchten weitere Details von der Beteiligung türkischer Truppen auf. Türkische Soldaten bedienten nicht nur unterstützende Artillerie, sondern nutzten auch einige Panzer. Veröffentlichte Drohnenaufnahmen zeigen, dass entweder die syrischen oder russischen Luftstreitkräfte (vermutlich Letztere) mindestens drei M60-Panzer der Türkei zerstört haben. Da die Türkei ihre syrischen Stellvertreter massiv mit Waffen und Fahrzeugen aufgerüstet hat, ist aber unklar, ob diese Panzer ebenfalls von türkischen Personal bedient wurden. Zumindest starben drei türkische Soldaten bei dem Angriff, welche allesamt Teil einer Panzer-Crew waren. Außerdem wurden mehrere tragbare Luftabwehrraketen (MANPADS) von türkischen Soldaten gezündet, die auf russische und syrische Kampfjets erfolglos gezielt haben.

Immer wieder überqueren türkische Militärkonvois die syrisch-türkische Grenze und erweitern somit den Einfluss der türkischen Regierung auf Idlib. Unter den letzten Konvois befanden sich auch erstmals deutsche Lepoard-2A4-Kampfpanzer, welche bereits in der Vergangenheit im Kampf gegen den Islamischen Staat in Nord-Aleppo und im sehr eingeschränkten Maße gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Afrin eingesetzt wurden. Der IS konnte dabei mehrere Leopard-Panzer zerstören oder beschädigen, ein ähnliches Szenario könnte sich in Idlib wiederholen, da Russland und Syrien die Lufthoheit besitzen.

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Weiß umkreist zeigt die potentiellen Eroberungsgebiete der SAA

 

In den vergangenen Wochen hat die Türkei massiv in der Provinz Idlib aufgerüstet und ihre Aggressionen gegenüber der syrischen Regierung verstärkt. Tausende Soldaten und etliche Militärfahrzeuge überquerten die syrisch-türkische Grenze, um an den Frontlinien Präsenz zu zeigen und damit ein weiteres Vorrücken der syrischen Armee aufzuhalten, bisher aber ohne Erfolg. Inzwischen intervenierte die Türkei sogar direkt in die Gefechte, unter anderem durch den Einsatz von mehreren Artillerie-, Raketen- und Luftabwehrsystemen. Die syrische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten und so wurden bereits mehrfach türkische Militärkonvois bombardiert, die bisher zu 16 getöteten türkischen Soldaten geführt haben. Zudem wurden mehrere Militärbasen der Türkei erfolgreich in den Provinzen Idlib und Aleppos eingeschlossen, wodurch sie sich in „Geiselnahme“ befinden. Die Türkei stellte der syrischen Regierung bis Ende Februar ein Ultimatum, sich aus den neu eroberten Gebieten in Idlib zurückzuziehen, ansonsten werde man einen militärischen Gegenangriff starten.

Die kurz vor Weihnachten gestartete Offensive im Südosten Idlibs der syrischen Armee stellt der eigenen Darstellung zufolge die „zweite Phase“ der Idlib-Offensive dar, nachdem es im Mai zur ersten größeren Operation in Nord-Hama gekommen ist und in dessen Folge mehrere wichtige Städte wie Khan Sheikhoun erobert wurden. Zu den wichtigsten Zielen dieser Phase zählt die vollständige Eroberung der M5-Autobahn, welche Aleppo und Damaskus miteinander verbindet, der zweitgrößten Stadt Idlibs namens Maraat al-Numan und Sicherung der Vororte Aleppos. Dies entspricht etwa einem Drittel des gesamten, von der Opposition gehaltenen Territoriums in Idlib. Ebenso unsicher ist es, ob die Militäroffensiveweitergeführt  wird, oder es erneut zu einer mehrmonatigen Pause kommt. Das nächste Ziel könnten sämtliche Gebiete südlich der M4-Autobahn sein, welche von Latakia bis nach Aleppo verläuft.

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