Islamisten setzen angeblich Chlorgas gegen Armee ein

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In der letzten, von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib im Nordwesten Syriens gehen die Plänkeleien zwischen den verschiedenen, oppositionellen Organisationen unter der Führung Tahrir al-Shams (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat al-Nusra und Fateh al-Sham) und der syrischen Armee weiter. Der Schusswechsel, welcher gerade durch Artillerie- und Mörserbeschuss geprägt ist, breitet sich inzwischen auch auf die Frontlinien in den Regionen von Aleppo und Latakia aus, wo die zwischen der Türkei und Russland ausgehandelte Waffenruhe größtenteils hielt. Nun soll ein neuer Grad der Eskalation erreicht worden sein, nachdem Islamisten angeblich Verteidigungsstellungen der syrischen Armee mit Giftgas attackierten.

Die von der Türkei einseitig gestarteten Militärpatrouillen entlang den Frontlinien erweisen sich weiterhin als unwirksam. Statt der erhofften Deeskalation gehen die Gefechte unbeirrt weiter. Zwar kommt es zu keinem gegenseitigen Beschuss während der Präsenz türkischer Streitkräfte, kurz nach ihrem Ab- bzw. Weiterzug hingegen wendet sich das Blatt und vor allem über die Nacht hinweg gibt es Tote auf beiden Seiten. Die syrische Armee hat mit russischer Unterstützung die Luftschläge über die gesamte Provinz Idlib erhöht, Islamisten kontern darauf mit dem erneuten Einsatz von Drohnen und relativ erfolgreichen Infiltrationsversuchen von Armeestellungen in Nord-Hama. Dabei wird auch vermehrt schweres Kriegsgerät eingesetzt, darunter ATGMs und Kampfpanzer.

In Hama soll sich Regierungsmedien zufolge auch ein neues Kriegsverbrechen ereignet haben: Giftgas. Demnach sollen Islamisten Chlorgas in Mörsergranaten gefüllt und Diese eingesetzt haben, daraufhin wurden neun Soldaten verletzt. Für diesen Vorwurf existieren keine Beweise, lediglich Videos von den künstlich beatmeten Soldaten dienen als momentanen Beleg. Die Opposition dementiert derartige Berichte und betont stattdessen die zivilen Tote, die durch die syrischen und russischen Luftoperationen entstehen. Demnach wurden alleine in der Stadt Khan Sheikhoun Dutzende Zivilisten ermordet.

Aber auch fernab der Frontlinien kommt es in Idlib zu Zerstörung und Krieg. Nachdem durch einen russischen Luftschlag Insassen des Zentralgefängnisses fliehen konnten, konnten Schläferzellen des Islamischen Staates ihre Aktivitäten erhöhen und alleine in der vergangenen Woche drei Autobomben zünden. Tahrir al-Sham reagiert zwar mit durchaus erfolgreichen Säuberungsoperationen in der gesamten Region, jedoch scheint der IS eine erhebliche Präsenz vor Ort zu besitzen. In der Stadt Atma kam es zudem zu Gefechten zwischen Zivilisten und Tahrir al-Sham, nachdem Letztere aus bisher unbekannten Gründen eine Person im Flüchtlingslager töteten.

Russland und die Türkei einigten sich vor einigen Monaten gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Derzeit scheint Russland aber zumindest öffentlich kein Interesse an der Weiterführung der Astana-Vereinbarung zu haben, wodurch eine militärische Offensive wieder eine Option werden könnte.

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