Pro-türkische Guerillamiliz gegen Kurden wiederbelebt

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Symbol von Harakat al-Qiyam

In dem von den kurdisch-arabischen „Syrischen Demokratischen Kräften“ (SDF) kontrollierten Gebieten in Nordsyrien kam es in den vergangenen Monaten vermehrt zu Attentaten auf verschiedene politische und militärische Mitglieder, vor allem in den einst vom Islamischen Staat beherrschten Provinzen Raqqah und Hasakah nehmen die Angriffe und Überfälle kontinuierlich zu. Doch nicht nur Schläferzellen des IS machen die von den USA unterstützte Allianz zu schaffen, in der vergangenen Woche wurde ein alter Gegner der SDF wiederbelebt: Harakat al-Qiyam. Die über Verbindungen mit der Türkei und islamistischen Gruppierungen verfügende Guerillamiliz hat innerhalb der letzten Woche mindestens vier SDF-Kämpfer getötet, dabei setzten sie vor allem auf schnelle Überfälle und den Einsatz von versteckten Sprengstoffvorrichtungen (IEDs).

Noch vor vier Monaten wurde al-Qiyam für tot erklärt, mehrere Zellen in der zwischen den Kurden und der Türkei umkämpften Region Manbij ausgehoben, die wenigen verbliebenen Mitglieder wurden verhaftet oder in Kampfhandlungen getötet. Davor war sie bekannt für die (versuchten) Attenatate von ranghohen SDF-Mitgliedern wie Sharfan Derwish, Anführer des Manbij-Militärrates. Wenige Tage zuvor ließ die Gruppierung über Twitter abstimmen, ob sie zuerst Derwish oder Cemir Mazlum töten sollten. Derwish gewann am Ende. Ohnehin weisen veröffentlichte Videos von al-Qiyam morbide Themen auf, so wird oft westliche Rapmusik über Tötungen gelegt und SDF-Kämpfer wortwörtlich als Ratten dargestellt. Auch wenn sie sich selber als neutrale Gruppierung bezeichnet soll sie Verbindungen zur Türkei und vor allem zum türkischen Geheimdienst aufweisen. 

Nun scheinen sie ein Comeback im nordöstlichen Hasakah zu verzeichnen. Vor zwei Wochen meldete man sich mit einer offiziellen Internetpräsenz wieder zurück, kurz darauf folgten die ersten Tötungen: Vier Milizionäre sollen bei der Explosion ihres Pick-Ups gestorben sein, welche in Folge einer Mine verursacht wurde. Bei der gleichnamigen Provinzhauptstadt wurde ein SDF-Kämpfer vom Motorrad gerammt und ermordet. In al-Shaddah wurde ein weiterer Pick-Up zerstört, der Verbleib des Fahrers ist unbekannt. Allesamt folgen sie dem selben Muster und sind die Weiterführung der Techniken, die al-Qiyam seit ihrer Gründung praktiziert haben: Während der Nacht werden vereinzelte Checkpoints, Fahrzeuge oder Patrouillen in einer Hin&Run-Manier angegriffen und verschwinden ungesehen wieder.

Es bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen die SDF zukünftig gegen Harakat al-Qiyam unternehmen wird, um ein mögliches Wiedererstarken der Guerillamiliz zu verhindern und damit auch das derzeit andauernde Terrorproblem in Nordsyrien zu lösen. Der Wechsel des Operationsgebietes von Manbij zu al-Hasakeh ist dabei eine neue Entwicklung, dessen Ursachen bisher unbekannt sind. 

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