Unzählige Anschläge und Attentate in Idlib

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Überreste einer Autobombe, die am Freitag in Idlib gezündet wurde

In der mehrheitlich von der Opposition gehaltenen Provinz Idlib im Nordwesten des Landes herrscht Instabilität und Unsicherheit, denn dort kam es in den vergangenen Monaten zu unzähligen Attentaten und Anschlägen auf Mitglieder verschiedener Organisationen, darunter auch auf zivile Gruppierungen. Diese Entwicklung offenbarte sich nach einer Einigung über eine Waffenruhe zwischen den zwei größten Oppositionsgruppierungen Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) und Jabhat Tahrir Souriya, einem relativ neues Bündnis aus Ahrar al-Sham und Nour al-Din al-Zenki. In den Verdacht rücken dabei aber auch Schläferzellen des Islamischen Staates und des syrischen Geheimdienstes, die an einer Wiederentfachung der inneroppositionellen Kämpfe interessiert sind.

Besonders die gleichnamige Provinzhauptstadt hat es in den letzten Tagen schwer getroffen. In den letzten zehn Tagen wurden zwei Autobomben in einigen Vororten gestartet, die teilweise fünfstöckige Häuser zerstörten und darunter Dutzende Menschen begruben, darunter Kämpfer und einfache Zivilisten. Die vor Ort herrschende Tahrir al-Sham macht vor allem Schläferzellen des IS dafür verantwortlich, erst vor knapp einem Monat gab es einen großen Ausbruch von IS-Anhängern aus dem örtlichen Gefängnis. Andersherum werden auch immer wieder Ausgebrochene tot aufgefunden, wahrscheinlich gezielt getötet. Im Dorf Koreen soll eine ganze IS-Geheimzelle ausgehoben worden sein.

Anderswo in der Region gibt es ähnliche Berichte. Ein Selbstmordattentäter soll ein Hauptquartier von Tahrir al-Sham in der Stadt al-Dana angegriffen haben, wobei mindestens vier Kämpfer getötet worden. In den Nächten rücken Banden aus, die von Zeugen nur als „maskierte Bewaffnete“ auf Motorrädern beschrieben werden, die Kämpfer an Checkpoints umbringen oder Sprengstoffvorrichtungen (IEDs) auf den Straßen anbringen. Inzwischen schreckt man nicht mal mehr vom Einsatz von Panzerabwehrwaffen ein und zerstörte dabei zwei Pick-Ups und tötete mehrere Islamisten.

Doch nicht nur den Islamischen Staat und Tahrir al-Sham treffen diese Angriffe, andere Organisationen wie Jaish al-Izza oder Faylaq al-Sham müssen selber große Verluste hinnehmen. So wurden z.B. sechs Mitglieder letzterer Gruppe in Nord-Hama vor zwei Tagen umgebracht. Die „Free Idlib Army“ erzählt von zwei Verlusten durch eine IED bei Khan Sheikhoun. Inzwischen werden sogar Mitglieder der Weißhelme und Imame in Idlib getötet und der Direktor des Krankenhauses von Bab al-Hawa entführt. In Idlib-Stadt gab es Granatenangriffe nur wenige Meter von den Schulen „Adnan al-Omar“ und „Ihsan Mbaid“ entfernt, wobei eine Person getötet und ein Kind schwer verletzt wurde.

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Überreste von Häusern, nachdem in der Nähe Autobomben hochgingen

All diese Angriffe und der Einsatz von Schläferzellen sind zwar nichts ungewöhnliches für Idlib und generell von Aufständischen gehaltenen Gebiete, jedoch kam es in den letzten Tagen zu einer bisher unbekannten Intensität, wovon mehrere Organisationen anstatt nur Einer betroffen waren. Bisher hat sich keiner zu dieser Tat bekannt und es ist unbekannt, wer dafür verantwortlich ist. Neben den „regulären Plänkeleien“ zwischen den verschiedenen Islamisten gerät auch der syrische Geheimdienst ins Rampenlicht, der bewiesenermaßen im ganzen Land ein weites Netz an Agenten und Schläferzellen besitzt. Die von Tahrir al-Sham errichtete „Nationale Heilsregierung“ beschuldigt das syrische „Regime“ der Attentate. Zumindest würde dies im Interesse der Regierung liegen, da diese Angriffe eine erneute Eskalation der internen Konflikte heraufprovozieren könnte.

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