Unentwegt in den Untergang

Am Mittwoch Morgen war es dann soweit: Nach tagelangen Gerüchten und einer verspäteten Fernsehrede des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergei Schoigu kündigt Russland die neueste Eskalation im Ukrainekrieg an, namentlich die Verkündigung einer Teilmobilisierung und weitere Schritte in Richtung Kriegsrecht. 300.000 Reservisten mit „ehemaliger Armeeerfahrung“ sollen in die Gefechte in der Ost- und Südukraine gestürzt werden, wo Russland derzeit auf dem Rückzug ist und mit erheblichen moralischen, logistischen, materiellen und personellen Problemen zu kämpfen hat. Der neueste Schritt soll nun die Wende bringen, gepaart mit den überraschend verkündeten Scheinreferenden in den besetzten Gebieten für den Anschluss an Russland. Gemessen am aktuellen Zustand der russischen Streitkräfte hat die Mobilisierung jedoch ungeahnte Folgen, die bestehende Probleme nur intensivieren werden.

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Eine neue Armee als letzte Hoffnung

Seit drei Tagen dauert die ukrainische Gegenoffensive im Süden des Landes an, aufgrund des Nebel des Krieges dringen nur spärlich Informationen an die Außenwelt, entgegen russischer Narrative gibt es aber keinerlei Anzeichen dafür, dass die Operation im Sande verläuft und bereits gescheitert ist. Im Gegenteil können ukrainische Einheiten vorrücken und neue Positionen einnehmen, nur ist das genaue Ausmaß bisher unklar. Russland setzt derweil ihre Hoffnung auf eine neu gegründete Einheit, das 3. Armeekorps. Jedoch bereits vor ihrem ersten Kampfeinsatz sorgen sie für Kritik und geben wenig Anlass für Optimismus, eine Kriegswende herbeizuwirken.

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Ukraine startet Gegenoffensive in Kherson

Gestern starteten ukrainische Streitkräfte eine Gegenoffensive im südukrainischen Oblast Kherson, die innerhalb der ersten 24 Stunden bereits erste Erfolge vorzuweisen hat. Aufgrund der Aktualität und dem zeitnahen Beginn sind die Ziele dieser Operation noch unklar, ebenso das Ausmaß und die Intensität der Offensive, bei der es sich wohl zum jetzigen Stand noch nicht um den seit Monaten angekündigten großen Vorstoß im Süden handelt. Während ukrainische Medien erste Fortschritte vermelden, spricht Russland bereits von der erfolgreichen Niederschlagung und Verteidigung von allen ukrainischen Angriffen in der Region, ohne Beweise dafür vorzulegen. Sollten sich die bisherigen Berichte bewahrheiten, so wären Tausende russische Soldaten von einer sicheren Nachschubversorgung in Kherson abgeschnitten, innerhalb ihren Reihen soll Massenpanik herrschen.

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Der Krieg wird nach Russland getragen

Explosionen in Sewastopol, Belgorod und Moskau: Wenige Tage vor dem ukrainischen Unabhängigkeitstag verschiebt sich die Aufmerksamkeit des Ukrainekrieges sukzessive auf das russische Kerngebiet, wo es zum wiederholten Male zu etlichen Explosionen und Angriffen gekommen ist. Zerstörte Munitionslager und attackierte Entscheidungszentren liegen inzwischen an der Tagesordnung, einmalig hingegen ist der Anschlag auf die Dugin-Familie im Herzen von Moskau. Ihre Narrative förderten und befeuerten den Ukrainekrieg immer wieder aufs Neue, wonach das Ziel eines großrussischen Eurasien nur durch Waffengewalt verfolgt werden kann. Auch wenn die Hintergründe des Attentats noch unklar sind, zeigen alle Finger des russischen Medienapparates in Richtung der Ukraine. Unabhängig von ihrer Täterschaft profitieren sie vom Angriff, welcher repräsentativ auf die russische Elite fernab der Frontlinien durchgeführt wurde.

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Krim als Spielplatz ukrainischer Spezialeinheiten

Fast ein halbes Jahr schon dauert der Krieg in der Ukraine an, was wohl die Wenigsten zu Anbeginn des Konfliktes erwartet hätten. Ebenso überraschend sind die Entwicklungen der letzten Woche, in der die Krim in den Mittelpunkt rückt: Zum wiederholten Male wurden russische Militärbasen, Logistikzentren und Munitionsdepots auf der Halbinsel attackiert, zum wiederholten Male gab es keinerlei Anzeichen vom Hintergrund der Militärschläge. Nun verdichtet sich die Theorie, dass diese Aktionen durch ukrainische Spezialeinheiten durchgeführt wurden, welche scheinbar ungehindert auf der Halbinsel operieren können, während das russische Militär kaum Sicherheitsmaßnahmen für solche Fälle durchführt und z.B. Munitionslieferungen unter freiem Himmel lagert. Für Russland entwickelt es sich zu einem erneuten Fiasko, nachdem man monatelang damit drohte, bei Angriffen auf russischem Territorium Vergeltungsschläge durchzuführen.

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Verheerender Angriff zerstört russische Militärbasis auf der Krim

Den ukrainischen Streitkräften gelang am Mittwoch der wohl größte Militärschlag seit der Zerstörung des russischen Schlachtschiffes Moskwa: In einer weiterhin ungeklärten Situation wurde der russische Luftwaffen- und Militärstützpunkt Nowofedoriwka im Westen der Krim-Halbinsel nahezu vollständig zerstört, die dort stationierte Kampfjets für die Marine des Schwarzen Meeres in weiten Teilen ausgelöscht. Das ukrainische Verteidigungsministerium spricht von insgesamt neun zerstörten Kampfjets, Satellitenbilder offenbaren hingegen ein noch größere Dimension der Zerstörung, inklusive bis zu 15 zerstörten Flugzeugen und die weitgehende Unbrauchbarmachung des Flugfeldes und des damit verbundenen Stützpunktes. Die Krim rückt damit vermehrt in das Visier des ukrainischen Militärs.

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Russland will ukrainische Gegenoffensive unterbinden

Der Juli war im Ukrainekrieg vor allem von Vorbereitungen, Konsolidierungen und Innehalten geprägt, ukrainische und russische Streitkräfte schienen sich gleichermaßen eine Verschnaufspause in jenem Konflikt zu genehmigen, welcher fast ein halbes Jahr schon andauert. Zur Monatswende änderte sich das jedoch wieder schlagartig: Russland rückt im im Donbass wieder langsam vor, auch wenn die bisherigen Erfolge kaum nennenswert erscheinen, sind sie im Vergleich zum Juli ein großer Anstieg russischer Erfolge. Zudem reagiert das Land auf den ukrainischen Truppenaufmarsch im Süden der Ukraine mit einer eigenen Mobilisierung, wohl in der Hoffnung, die bevorstehende Gegenoffensive im Keim ersticken zu können. Der August könnte wieder von besonderer Brutalität und intensiven Kämpfen geprägt sein.

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Russland verliert die Initiative im Ukrainekrieg

Seit einem Monat nun unternahm Russland keine größeren oder nennenswerten Offensiven, trotz der Eroberung einiger kleiner Dörfer im Donbass können die russischen Streitkräfte keine militärischen Erfolge im Juli vorweisen. Stattdessen scheint sich der Modus Operandi zu wandeln, während es im ostukrainischen Oblast Donezk immer noch zu oftmals erfolglosen Vorstößen kommt, ziehen sich russische Verbände im Norden und Süden der Frontabschnitte zurück. Im Süden finden derzeit alle Vorbereitungen für eine ukrainische Gegenoffensive statt, die dabei vor allem auf die Taktik des Aushungerns setzt. Denn aktuell werden alle Nachschubwege und Logistikzentren für jene russischen Soldaten sukzessive eliminiert, die am nördlichen Ufer des Dnepr stationiert sind. Russland scheint nicht dazu imstande, diese Angriffe abzuwehren und verstärkt stattdessen seine Präsenz in der Region, was ein frühes Ende der Donbassoffensive bedeutet.

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Wie könnten die nächsten Monate in der Ukraine aussehen?

Russland leckt seine Wunden, die Ukraine steckt mitten in ihren Vorbereitungen: Zu Anbeginn des fünften Kriegsmonates ist die Situation im osteuropäischen Land angespannt, das Konfliktpotential weiterhin hoch und eine Waffenruhe oder gar ein Frieden ein ferner Traum. Beide Länder wähnen sich als potentielle Gewinner der kommenden Monate, die Zukunft ist ungewiss, weswegen Prognosen entsprechend schwer und schlecht verifizierbar sind. Nichtsdestotrotz ermöglicht ein Rückblick in die letzten Monate eine Aussicht und Tendenz für den kommenden Zeitraum, welcher entsprechend der Jahreszeit hitzig werden könnte. Während die russische Armee im Zeitraum der letzten zwei Monaten kaum Territorium erobern konnten, steigt die Tendenz einer ukrainischen Gegenoffensive im Süden des Landes.

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Artillerie, Königin des Krieges

Vier Monate schon dauert der Krieg in der Ukraine an, welcher am 24. Februar durch einen russischen Grenzübertritt nahe der Krim und in Belarus gestartet wurde. Aktuell befindet sich der bewaffnete Konflikt zwischen der Ukraine und Russland in einem merkwürdigen Limbo, nachdem die russische Eroberung des ostukrainischen Oblast Luhansk sämtliche offensive Kapazitäten beanspruchte: An den Frontlinien kommt es derzeit nur zu Scharmützeln, größere Vorstöße und Manöver scheinen unbekannt. Inmitten dieser operativen Pause von Russland hat das ukrainische Militär aber massiv aufgerüstet und kann mithilfe amerikanischer Waffensysteme den Feind weit entfernt von den Frontlinien attackieren und schweren Schaden zufügen. Dieses Problem wird für Russland immer größer werden, welche nicht dazu imstande sind, sich gegen die Angriffe auf ihre Munitionsdepots, Logistikzentren und Hauptquartiere zu verteidigen.

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Das vorzeitige Ende der Schlangeninsel-Saga

Die nur wenige Quadratkilometer große Schlangeninsel vor der rumänisch-ukrainischen Küste erlangte im Zuge des Ukrainekrieges einzigartige Berühmtheit als Mikrokosmos des gesamten Konfliktes: Zunächst eine kaum beachtete Insel nahm sie innerhalb der ersten Kriegstage Legendenstatus ein, nachdem die ukrainische Garnison eine Kapitulation mit den Worten des „Fick dich, russisches Kriegsschiff“ verweigerte und dies mit ihrem Leben bezahlten. Heute weiß man, dass es sich dabei um eine reine Mythenbildung handelt, der Popularität tat es keinen Abbruch. Seitdem waren russische Soldaten auf der Insel stationiert, die in regelmäßigen Abständen von ukrainischen Drohnen, Kampfjets und Artillerie heimgesucht wurden, die zu massiven materiellen und personellen Verlusten führte, darunter auch mehrere Kampf- und Landungsboote. Nun scheint vorerst das letzte Kapitel zu enden, Russland kündigte einen Abzug von der Insel ab. Zukünftig wird die Schlangeninsel Niemandsland bleiben, nichtsdestotrotz ein kleiner, aber bedeutender Sieg für die Ukraine.

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Die letzte Festung von Luhansk

Nach der Eroberung der ehemaligen Großstadt Siervierodonetsk durch russische Truppen verbleibt nur noch eine einzige Stadt in dem ostukrainischen Oblast Luhansk unter der Kontrolle von Kiew: Die sogenannte „Wiege des Donbass“ Lyssychansk. Bereits im Süden rücken russische Einheiten langsam an die Stadtgrenze heran, im Norden und Osten schützt ein Fluss und Hügelketten die Stadt vor möglichen Flankierungen. Nach bisheriger Faktenlage suchen die ukrainischen Streitkräfte hier die Entscheidungsschlacht um die Provinz und verstärken trotz der Gefahr einer Einkesselung ihre Kräfte vor Ort. Doch auch fernab von Luhansk gehen die Gefechte zwischen den zwei Staaten weiter, insbesondere in den letzten Tagen haben Angriffe auf Städte in der ganzen Ukraine erheblich zugenommen. Raketen und Artillerie sind weiterhin die wohl wichtigste Waffe im Arsenal der Kriegsparteien.

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Der Jemenkrieg findet seinen Weg in die Ukraine

Selbstverständlich bewegt sich der Ukrainekonflikt, welcher inzwischen in seinen vierten Monat geht, nicht in einem isolierten Mikrokosmos, sondern bedient sich stattdessen aus den Lehren bisheriger Konflikte in der ganzen Welt. Neueste Technologien wie Angriffsdrohnen bilden ein wichtiges Rückgrat der jeweiligen Streitkräfte, so wie es der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan oder der lybische Bürgerkrieg bereits eindrucksvoll die Bedeutung von Drohnen beweisen konnten. Diese Waffenarten könnten nun zumindest auf ukrainischer Seite einen noch höheren Stellenwert einnehmen, denn vor zwei Tagen ereignete sich der erste bestätigte Einsatz einer Kamikazedrohne gegen eine feindliche Raffinerie, tief im Territorium Russlands. Die Inspiration dafür rührt aus dem jemenitischen Konflikt, wo die Houthi-Rebellen seit Jahren erfolgreich ganz Saudi-Arabien ins Visier nehmen. Das Resultat könnte vernichtend sein.

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Die Volksrepubliken im Visier

Trotz ihrer relativen Nähe zu den am härtesten umkämpften Gebieten im Ukrainekrieg sind die ostukrainischen Volksrepubliken bisher relativ glimpflich davongekommen zu sein, auch wenn inzwischen wohl ein Großteil der männlichen, wehrfähigen Bevölkerung erfolgreich zwangsmobilisiert wurde. Dies scheint sich nun aber radikal zu ändern. Seit der letzten Woche kommt es vermehrt zu Raketen- und Artilleriezentren auf die namensgebenden Bevölkerungszentren, Luhansk und Donezk. Dabei geraten militärische und zivile Ziele gleichermaßen in das Visier der Ukraine, dessen Taktikwechsel im Umgang mit den Separatistengebieten überraschend ist. Nicht weit davon entfernt kann Russland neue Gebiete erobern.

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Kein Ende in Sicht

Fast vier Monate schon dauert der Krieg in der Ukraine an, seitdem entpuppt sich der Konflikt immer weiter zu einem Abnutzungskrieg, in dem zwar die jeweiligen Fraktionen kleinere Gebiete erobern und halten können, dies aber nur durch erhebliche Verluste ermöglicht ist, was vor allem der offensiven Seite im Ukrainekrieg schadet. Waren die territorialen Veränderungen zu Beginn noch eher mit dem Zweiten Weltkrieg zu vergleichen, existieren heute eher Parallelen zum Ersten Weltkrieg, insbesondere in der über Jahre befestigten Region des Donbass in der Ostukraine. Seit letzter Woche können Russland und die Ukraine beide von Erfolgen und Rückschlägen gleichermaßen erzählen, der Ausgang daraus ungewiss. So unberechenbar und überraschend der bisherige Krieg auch war, lohnt sich manchmal ein Blick in die Zukunft, den unbekannten Variablen zum Trotz.

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