Konfrontation in Dara’a

In der südsyrischen Region Dara’a mit der gleichnamigen Provinzhauptstadt verhärten sich die Fronten zwischen lokalen Akteuren, ehemaligen Aufständischen und Verbündeten der syrischen Regierung. Nach ständigen Überfällen, Attentaten und allgemeiner Anomie riegelte das syrische Militär weite Teile der südlichen Hälfte von Daraa, auch als Daraa al-Balad bekannt, ab und belagern es faktisch seit über einer Woche. Den Ex-Rebellen wurde im Zuge der Friedensverhandlungen vor fast drei Jahren eine weitgehende Autonomie zugesprochen, die immer wieder zu Plänkeleien mit der Zentralregierung führt. Nun brachen in ganz Südsyrien Proteste in Solidarität mit den Belagerten aus, auf beiden Seiten bereitet man sich auf einen bewaffneten Konflikt vor.

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Syrische Armee bombardiert Ziele in Süd-Idlib

In der letzten, noch von islamistischen Kräften kontrollierten Provinz Idlib kehrt der Krieg zurück: Überraschenderweise starteten die syrischen Streitkräfte und verbündete Milizen einen groß angelegten Artillerie-, Raketen- und Luftangriff auf Süd-Idlib, welches seit mehreren Jahren die Frontlinie darstellt. In diesem Zeitraum waren es wohl auch die größten und intensivsten Feuersalven, die die Region seit der letzten Militäroffensive erlebt hatte. Dutzende Zivilisten wurden getötet und Tausende befinden sich wieder auf der Flucht, auch die Opposition startete mit kleineren Vergeltungsschlägen auf Regierungsorte mit ähnlichem Ergebnis. Trotz diversen Gerüchten scheint eine Bodenoperation der syrischen Armee noch fern, vor allem da die Türkei weiterhin ihre schützende Hand über die Islamisten hält.

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In der Nacht kehrt der Islamische Staat zurück

Im unwirtlichen Terrain Ostsyriens überdauert seit Jahren der Islamische Staat als versprengte Guerilla-Gruppierung, welcher trotz diverser Behauptungen noch lange nicht besiegt ist. In unregelmäßigen Abständen führen sie innerhalb der syrischen Wüste, auch als Badia al-Sham bekannt, Angriffe auf Militärstellungen, Konvois und zivile Infrastruktur aus, die sich unter der Kontrolle der syrischen Regierung oder dem arabisch-kurdischen Milizenbündnis der „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) befinden. Seit einem Monat haben derartige Überfälle der Terrormiliz erheblich zugenommen, der IS erweitert nicht nur sein Operationsgebiet bis in Zentralsyrien hinein, sondern auch ihre Angriffsziele wie kritische Energieinfrastruktur für Syrien. Trotz russischer Unterstützung scheinen die syrische Armee und die SDF nicht dazu fähig zu sein, dieser wachsenden Gefahr entschieden entgegenzutreten. Die Situation ist derart kritisch, dass viele Beobachter den Islamischen Staat als den tatsächlichen Herrscher über die Badia al-Sham in der Nacht ansehen.

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Armee belagert Stadt des IS

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Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) unter der Führung der offensiven Eliteeinheit „Tiger Forces“ konnte nach langsamen, aber sehr erfolgreichen Eroberungen die zweitletzte Stadt Deir Hafer des Islamischen Staates in der Provinz Aleppo umkreisen und damit ein wichtiges Ziel in der gesamten Operation erreichen. Am heutigen Tage wurden die Orte Um Adash, Aqulah, Lalat Muhammed, Tal al-Sus, Kiyariyah und Ahmidyah erobert. In Zuge dessen wurde der Highway Raqqah-Deir Hafer unterbrochen, welcher der letzte Versorgungsweg des Ortes darstellen würde. Wie lange sich die dort stationierten IS-Kämpfer halten können ist von der Prioritätensetzung abhängig. Sollte der IS keinerlei Prioritäten im Gegensatz zu al-Bab auf Deir Hafer setzen, so wäre eine Einnahme innerhalb von 72 Stunden möglich.

Zuvor konnte die SAA sämtliches Territorium nördlich der Stadt einnehmen und damit den Euphrat erreichen. Diese Fortschritte führten zur Wiederaufnahme der Wasserversorgung in Aleppo, die zuvor von internationalen Hilfsorganisationen abhängig war. Weiter südlich konnte man bis an die Jihar-Luftbasis vordringen, ehemals eher als Flugschule als militärisch genutzt. Nach der Eroberung von Deir Hafer stehen zwischen SAA und Raqqah bzw. Tabqah nur noch die letzte Stadt des Islamischen Staates in Aleppo: Masakaneh. Dies würde ebenfalls die einzige Versorgungsroute zwischen Restsyrien und Aleppo (Illitryah-Khanaser) sichern, die immer wieder von Überfällen des Islamischen Staates betroffen war. Bei der Eroberung von Deir Hafer sind nicht nur die Tiger Forces aktiv, kleinere Präsenz besitzen auch die Cheetah Forces und Imam al-Baqir. Aufgrund der kritischen Situation in Nord-Hama mussten aber große Teile (und ihr Anführer Suleil al-Hassan) verlegt werden, was Kämpfe in und um Deir Hafer verlängern bzw. erschweren könnte.

Syrische Armee vertreibt Daesh bei al-Bab und erreicht kurdische Kantone

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Einheiten der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) unter der Führung von Suleil al-Hassan und seinen „Tiger Forces“ konnten in den vergangenen Stunden symbolisch wichtige Eroberungen verzeichnen. In einem Blitzangriff konnten in den vergangenen Tagen die Dörfer Umm Kahraz, Berazi, Majmuah, Natabah Kahbira, Sagihra, Jub al-Sultan, Jub al-Hamam, Mushayrifah, Zuzurah, Jayiah, Khirbat ad-Zib und Jub al-Khafi erobert werden.

Dieser Blitzangriff bedeutete einige, wichtige Faktoren: Einerseits wird ein weiteres Vordringen der türkisch-oppositionellen Operation „Euphrates Shield“ in Richtung Süden verhindert, wie es Erdogan des öfteren angekündigt hat (und auch die Aussage öfters verneint hat). Dabei ist es aber eher eine „präventive Sicherheitsmaßnahme“, da nach den äußerst verlustreichen Kämpfen in und um al-Bab wohl keinerlei Interesse an weiteren Abenteuern in Richtung Süden besteht. Auf der anderen Seite wird damit Handel und Schmuggel zwischen den von der Türkei unterstützten Gruppen (TBF) und Daesh entscheidend gestört.Gerüchten zufolge waren ursprünglich Tadef und Qabasin als solche Orte vereinbart, wurden aber dennoch später erobert. Beide Seiten können auf eine langjährige Tradition des Handelns zurückblicken, solange es zum eigenen Vorteil (gegen die andere Seite) ist. Unabhängig davon wurde mit der Eroberung von al-Bab und dem vollständigen zunichte machen der Verbindung der beiden kurdischen bzw. SDF-Kantone das Hauptziel der Operation erfüllt. Auch dies ermöglicht es, mehr Kapazitäten der TBF und türkischen Armee auf den „Anti-Terrorkampf“ gegen die SDF zu konzentrieren.

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SAA in Tadef

Trotz türkischen Willens, eine Demarkationslinie bei al-Bab zu errichten und eine Waffenruhe zu initiieren, kam es zu einigen Kämpfen entlang des M4-Highways bei al-Bab. Dabei versuchte die TBF, die Stadt Tadef zu erobern. Die Angriffe waren eine einseitige Eskalation, die SAA schoss nicht zurück. Inzwischen beruhigte sich die Lage ohne Territorialveränderungen.

Die SAA konnte mit dieser militärischen Aktion unter anderem einen Kessel von mehreren Dörfern südöstlich von al-Bab erschaffen, in dem sich noch einige Kämpfer des Islamischen Staates aufhalten sollen. Eroberungen innerhalb des Kessels werden aber nicht von der SAA getätigt, sondern lediglich von der TBF, die im vergangenen Zeitraum die Dörfer Sukkayriah, Jubb Nassane und Zammar erobern konnten. Die Prioritäten der SAA scheinen weiterhin im Süden zu liegen, den 23km entfernten Euphrat zu erreichen und damit die Wasserverbindung für Aleppo zu sichern.

Außerdem besitzt die SDF und SAA nun eine gegenseitige Verbindung, die einen Transport von Damaskus bis nach Qamishli ermöglicht, welches positiv für beide Seiten ausfallen würde. Auf der einen Seite kann die SDF nun ungefährlicher die anderen Gebiete in Afrin und das Viertel in Aleppo Sheikh Maqsoud besuchen, der syrischen Regierung ist hingegen Zugang zu Qamishli, Hasakah und teilweise Deir ez-Zor ermöglicht. Auch Handelsbeziehungen könnten sich intensivieren: Das von der SDF gehaltene Nordsyrien besitzt weite Ackerflächen, besitzen aber kaum nötiges Saatgut. Dies könnte die syrische Regierung bereitstellen, dafür könnten die Elektrizitätsimporte erhöht werden, die meisten Orte haben nur wenige Stunden Strom am Tag. Ein Pressesprecher äußerte sich bereits über diese Fortschritte positiv.

 

Syrische Armee schließt den Ring um Daesh’s letzte Bastion in Aleppo

 

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Situation um al-Bab

Die seit einem Monat andauernde Operation im Osten der Provinz Aleppo konnte am gestrigen Tage einen entschiedenen Schlag gegen den Islamischen Staat erreichen: Durch die Eroberung des Dorfes Ayashia und dem gleichnamigen Hügel weiter nördlich konnte der letzte Korridor auf weniger als 4km verengt werden, was damit auch faktisch die Feuerkontrolle auf diesen Nachschubweg bedeutet. In den vergangenen Tagen konnten ebenfalls weitere Dörfer und Städte wie Aram, Umm Arkilah und Qutbiyah erobert werden. Damit gab es zwar einen leichten Schwenk in die eigentliche Richtung der gesamten Operation – gen Osten -, aber bisher scheinen es sich nur um Frontbegradigungen zu halten. Eine wirkliche Offensive bleibt vorerst abzuwarten.

Im Norden hingegen befindet sich die von der türkischen Armee angeführte Operation „Euphrates Shield“, welche seit Monaten vor den Toren al-Bab und ihren Nachbarorten steht. Erst vor weniger als einer Woche gelang er der türkischen Armee, das Dorf Suflaniyah nach Dutzenden (sic!) Besitzwechseln zu erobern. Derzeit steht man weiter südlich bei der Stadt Bzaah vor dem gleichen Fiasko, innerhalb der Nacht werden jegliche Eroberungen in der Stadt erneut revidiert. Dabei werden auch Autobomben und Selbstmordattentäter genutzt.

Die große Preisfrage bleibt aber weiterhin, welche Fraktion die Stadt al-Bab einnehmen wird. Wird die Syrisch-Arabische Armee überhaupt einen weiteren Vorstoß in Richtung Norden wagen mit dem Risiko, einen ähnlichen Schaden wie die Türkische Armee hinzunehmen? Was sind die zukünftigen Pläne nach der Operation? Die Türkische Armee wird es nicht wagen die Syrische Armee anzugreifen und die oppositionellen Gruppierungen sind selber zu schwach und inkompetent, um sich aktiv gegen die Syrische Armee zu wehren. Wird es danach zur Eskalation mit den Kurden/SDF in Afrin und Manbij kommen?

Situationsupdate für Aleppo, Palmyra & Deir ez-Zor

Ost-Aleppo

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Die von der Syrisch-Arabischen Armee unter dem Kommando der offensiven Eliteeinheit „Tiger Forces“ initiierte Offensive gegen Daesh im Osten der Provinz Aleppo konnte am 2. Tag erneut kleine Erfolge vermelden: Die Dörfer Afrin und al-Shahroor konnten erobert werden. Aufgrund der doch durchaus niedrigen Geschwindigkeit der Offensive bei sehr niedrigen Widerstand könnte es sich zuvor auch nur um eine „Frontbegradigung“ des dortigen Territoriums handeln, wobei wiederum dann nicht die Tiger Forces eingesetzt werden müssten.

Am 19. Januar kam zum momentanen Zeitpunkt zumindest ein weiteres Dorf hinzu: al-Bahralhin. Zurzeit finden Kämpfe bei Suran weiter nördlich statt, welches wohl ebenfalls in den nächsten Stunden fallen wird. Beide Orte sind fast 15km von al-Bab entfernt, welches aber wohl nicht dem primären Ziel der Offensive gilt.

Am 20. Januar kam ebenfalls Shamer westlich von Suran dazu, gefolgt von Marran, Sarjah Saghirah und Sarjah Kabirah.

Inzwischen wurden in der Provinz Aleppo auch verbündete Luftschläge zwischen der syrischen Regierung, der Türkei und Russland beschlossen, die Daesh in der Umgebung um al-Bab ins Visier nehmen sollen. Damit sind es die ersten Luftschläge Syriens und Russlands in der Umgebung von al-Bab seit Anbeginn der türkisch-oppositionellen Operation „Euphrates Shield“, wo oppositionelle Einheiten ebenfalls mit Helikoptern und Jets angegriffen wurden mit dem Ziel, weitere Übergriffe auf das Territorium der Kurden/SDF zu verhindern. Kurzzeitig drohte das syrische Verteidigungsministerium auch damit, türkische Jets abzuschießen sollten sie weiterhin syrischen Luftraum verletzen.

Süd-Aleppo

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In Ost-Khanasser wird ebenfalls eine weitere Front gegen Daesh geöffnet, die verstärkten Druck ausüben soll. Dort wurden die Dörfer Sirdah, Shuraymah, Rasem, Askar, Masudiyah, Atshanah, Jadeda und Mayal erobert. Die Straße zwischen al-Safira und Ithriya ist die einzige Landverbindung zwischen der von der syrischen Regierung gehaltenen Teils Aleppos und dem Rest Syriens. Dementsprechend war die Straße öfters Überfällen ausgesetzt gewesen, sei es von Daesh oder oppositionellen Kämpfern. In einem Fall verbündeten sich sogar Jund al-Aqsa mit Daesh, um die Straße zu sperren. Der Erfolg von solchen Operationen war immer sehr kurzfristig. Angeführt wird die Offensive von der sunnitischen Miliz Liwa Imam Baqir, nicht zu verwechseln mit einer gleichnamigen schiitischen Brigade.

Palmyra

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Die Syrisch-Arabische Armee mit ihren verschiedenen verbündeten Milizen der NDF, Qalamoun Shield, Leopard Homs usw. konnte kleine und sichere Fortschritte in Richtung von Tadmur/Palmyra verzeichnen, auch wenn eine erwartete Großoffensive ausblieb. Man konnte vor allem das Gebiet um die T4-Luftbasis befreien und damit eine mögliche Eroberung der Basis unmöglich machen. Dazu wurde die Tiyas-Kreuzung im Süden und die Jihar-Kreuzung im Osten erobert. Damit befindet man sich fast 40km von Palmyra entfernt. Auch auf der dortigen Front wird durchaus Druck ausgeübt, damit man in Deir ez-Zor ausgelastet ist.

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Außerdem zeigen Satellitenbilder, dass Daesh nun auch versucht weitere antike Bauten in Palmyra zu beschädigen, wenn nicht gar zu zerstören. Dabei wurden mehrere Schäden im Amphitheater und Tetrapylon gefunden. Möglicherweise sind diese Schäden aber auch durch die Kämpfe zuvor entstanden, auch wenn diese nicht allzu intensiv waren.

Deir ez-Zor

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Die Situation in Deir ez-Zor ist unverändert undurchschaubar. Während verschiedene Pro-Regierungsmedien behaupten, man hielte noch in der Stadt einen schmalen Streifen entlang der Arbeiterviertel und al-Arbi, sehen Andere die Verbindung zwischen den Flughafen und dem Rest durchschniten. Nichtsdestotrotz halten weiterhin intensive Kämpfe im ganzen Kessel an, auch wenn nicht in einer solchen Intensität wie zu Beginn der Offensive.

Am Anfang konnten nach verschiedenen Berichten rund ~200 Elitekämpfer der Armee auf dem Flughafen mithilfe von Helikoptern abgesetzt werden, der Flughafen insofern durchaus weiterhin nutzbar ist. Große Teile der Bevölkerung wurden zwangsbewaffnet (darunter auch eine große Menge an Frauen), Männer die sich gegen die Zwangsrekrutierung in die Armee weigerten wurden verhaftet.

Große territoriale Veränderungen gab es jedoch insgesamt nicht, die stärksten Kämpfe finden derzeit auf dem Friedhof statt, die syrische und russische Luftwaffe unterstützt diese Fortschritte ununterbrochen seit Tagen mit Luftschlägen. Das derzeitige Wetter erschwert diese Unterstützung aber. Weitere Kämpfe finden um den gesamten Flughafen, an einem Kreisverkehr vor der Stadt, nahe der Universität in der Stadt und an der Militärbasis der 137. Brigade südwestlich von Deir ez-Zor statt.

 

Lage in Deir ez-Zor äußerst kritisch

Die militärische Situation hat sich im Vergleich zum vorherigen Tag wesentlich verschlechtert, nachdem die Großoffensive von Daesh weiter im belagerten Deir ez-Zor andauert.

Daesh hatte es in den darauffolgenden Nächten an Kämpfen geschafft, den belagerten Kessel vollständig zu teilen und den Flughafen als einzigen Nachschubweg für die Armee und zehntausende Einwohner vom Rest zu isolieren. Eingenommen wurden angeblich bisher der Friedhof, die Busstation und das Viertel al-Nafri, zwei „Arbeiterviertel“, Jiraya und Wadi al-Nishan. Außerdem wurden weite Teile des Turdah-Gebirge erobert, welches vor wenigen Monaten Opfer eines Luftschlages der „Internationalen Anti-IS-Koalition“ wurde und 100 Soldaten der Syrisch-Arabischen Armee das Leben kostete. Die Kämpfe dauern vor allem in der Innenstadt bei der Universität von Deir ez-Zor an. Durch die dominierende Position des Islamischen Staates um den Flughafen können weder Flugzeuge noch Helikopter dort landen ohne das Risiko, abgeschossen zu werden.

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Als Reaktion brachen auch einige internationale Hilfsorganisationen die Lieferung von Lebensmitteln etc. nach Deir ez-Zor ab, welches der Zivilbevölkerung nochmals Probleme bereitet. Nach Schätzungen sind zwischen 50.000-120.000 Zivilisten noch vor Ort, ohne eine Hoffnung auf Rettung. Weitere 4.000 Soldaten sollen dort aktiv sein, darunter große Teile der syrischen Eliteeinheit der Republican Guards unter dem Kommando des drusischen Issam Zahreddine. Der für die dortige Front zuständige Generalmajor Mohammed Samra wurde heute von Daesh ermordet. Laut dem dortigen Gouverneur gibt es nur noch ein (al-Assad-)Krankenhaus, in dem weiterhin unermüdlich 13 Ärzte arbeiten. Rund 50 Zivilisten wurden bisher getötet.

Die Situation scheint sich derzeit nicht zu drehen, trotz enormer Unterstützung der russischen und syrischen Luftwaffe ist die Lage kritisch. Die Syrisch-Arabische Armee versucht momentan mit einer Gegenoffensive sich wieder mit der einzigen Lebensader, dem Flughafen, zu verbinden. Das Ergebnis bleibt abzuwarten.

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Armee beginnt Offensive in Ost-Aleppo gegen IS

Die Syrisch-Arabische Armee startete mithilfe von verschiedenen syrischen Milizen, der NDF und der offensiven Eliteeinheit „Tiger Forces“ vor wenigen Minuten eine Offensive im Osten der Provinz Aleppo mit dem Ziel, Daesh vollständig aus der Provinz zu vertreiben.

Bisher gibt es Berichte von insgesamt drei eroberten Dörfern: Aabed, Rasm al-Alam und Mushayrafa. Die Letzten zwei sind aber bisher unbestätigt. Die Orte dort werden wahrscheinlich nicht bis schlecht geschützt sein, da der dortige Teil des Kalifats zurzeit von allen Fronten und Fraktionen mehrfach unter Druck gerät; außerdem werden die Ressourcen zurzeit eher in al-Raqqah benötigt. Besonders in der Provinz sorgt ein Bündnis zwischen türkischer Armee und oppositionellen Gruppierungen Daesh nahe al-Bab für Druck, auch wenn es seit knapp 1 Monat zu keinen wirklichen Fortschritten dort kam. Hinzu kommt jetzt eine weitere Front im Westen.

Das langfristige Ziel ist derzeit unbekannt. Erste Ziele werden wahrscheinlich der Ort Deir Hayfer und die umliegenden Felder sein, gefolgt von der Jihrar-Luftbasis und dem gesamten Wasserkanal vom Euphrat nach Aleppo, der die Stadt mit Trinkwasser versorgt. In den vergangenen Tagen wurde diese Leitung gekappt und Aleppo scheint ähnlich wie Damaskus unter Wasserproblemen zu leiden.

Außerdem wird damit der Nachschubweg nach al-Bab versperrt und zugleich ein möglicher Korridor für eine oppositionelle Operation nach Raqqah verhindert. Langfristiges Ziel könnte auch für die Syrisch-Arabische Armee die Eroberung Raqqahs, oder Tabqas sein.

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Situation in der Provinz Aleppo

 

Deir ez-Zor unter Druck

Die letzte, belagerte Bastion der syrischen Regierung und Armee entlang des Euphrates fiel in den letzten Tagen unter Druck, nachdem Daesh eine neue Großoffensive gestern gestartet hatte. Deir ez-Zor wird seit nun mehr als 2 Jahren von Daesh belagert und ist in zwei Seiten geteilt. Vor dem Krieg hatte der Ort insgesamt 200.000 Einwohner, die heutige Zahl sollte weiterhin bei mindestens 50.000 liegen.

Daesh startete zunächst vom Osten und Norden aus eine Offensive auf die Territorien der SAA & ihren Verbündeten (u.a. verschiedene Hisbollah-Milizen) mit dem Ziel, den Nachschubweg zum Flughafen zu erobern. Der Flughafen in Deir ez-Zor ist die letzte Lebensader für die dort ausharrende Armee und zehntausende Einwohner, eine Eroberung des Flughafens könnte ein Massaker bedeuten, da alle Menschen dort keine Möglichkeit zu Flucht haben und die nächsten Positionen der Armee über 200km Wüste entfernt sind.

Es gibt widersprüchliche Angaben über den Erfolg der Operation: Während man allgemein der Ansicht ist, dass Daesh für wenige Stunden den Nachschubweg kappte, ist die genaue Situation unklar. Einige Quellen wie die Daesh-Nachrichtenagentur AMAQ berichten darüber, wie man z.B. das Workers‘ housing District, Tell Brok, oder Teile des Flughafens erobert hat. Das konnte bisher aber nicht verifiziereren, die Armee sagt hingegen wie man alle Angriffe bisher abwehren konnte und weiterhin abwehrt.

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Pro-Oppositionelle Karte der Situation in Deir ez-Zor

Wasserversorgung für 4 Millionen Menschen in Damaskus vorzeitig gesichert

Nachdem Kämpfe im Westen der syrischen Hauptstadt Damaskus für fast einen Monat angedauert haben, scheint man am 11. Januar eine Vereinbarung zwischen oppositionellen Kämpfern und der syrischen Regierung geschlossen zu haben, die u.a. eine Rehabilitierung von verschiedenen Kämpfern und die Reparatur verschiedener Wasserquellen vorsieht, die Damaskus und Teile des umliegenden Rif Dimashq mit Trinkwasser versorgt. Seit der Eskalation der Kämpfe wurde die Wasserversorgung beendet, wovon laut der UN mindestens 4 Millionen Menschen betroffen sind. Einige Quellen behaupten auch, dass es insgesamt 6 Millionen Betroffene gibt. Die Preise für Wasser sollen vervielfacht haben, was vor 3 Wochen noch umgerechnet 1 Dollar kostete, kostet heute 25 Dollar. Es existiert ein regelrechter Schwarzmarkt für sauberes Trinkwasser.

Die Kämpfe begannen in und um Wadi Barada kurz vor Weihnachten, als allgemeiner Grund gilt die Vergiftung der Wasserquellen al-Barada und al-Fajeh mit Diesel und weiteren fossilen Brennstoffen, während dies in den letzten Jahren seit 2012 durchaus öfters vorgekommen ist, ist der genaue Anlass unbekannt. Pro-oppositionelle Medien sagen, dies wäre eine Reaktion auf die Offensive in dem Gebiet gewesen, nachdem die Syrisch-Arabische Armee (SAA) mit ihren Verbündeten in dem ganzen Gebiet um Damaskus versuchte, die letzten Exklaven der Opposition zu erobern und bei diesem Vorhaben ziemlich erfolgreich sind.

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Bild zeigt Fateh al-Sham in Wadi Barada

 

Weitere Vorwürfe kamen aufgrund des Zeitpunktes auf: Es gibt eine türkisch-russisch initiierte Waffenruhe in Syrien, wobei als einzig relevante Fraktion Jabhat Fateh al-Sham ausgenommen ist. Diese Gruppe hat aber eine (kleine) Präsenz in Wadi Barada, weitere Gruppen dort sind z.B.  Liwa Abdaal Al Sham, Joint Defense Alliance, oder Bin Laden Azamaat. Auf der Seite der Regierung kämpfen im Gegensatz dazu primär die SAA, die Hisbollah aufgrund der geografischen Nähe zum libanesischen Grenzen und weitere syrische Milizen wie z.B. Qalamoun Shield.

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Ungefähre militärische Situation in Wadi Barada

Die militärische Widerstand war unerwartet stark, das ist vor allem auf das gebirgige Terrain zurückzuführen. Dennoch konnte man in relativ kurzer Zeit Teile des Dorfes Ain al-Fajieh erobern, welches laut dem Roten Halbmond eine Evakuierung von 1.300 Zivilisten ermöglichte. Insgesamt sollen sich maximal noch 10.000 Menschen in den umkämpften Gebieten befinden.

Die neu verhandelte Vereinbarung sieht eine sofortige Waffenruhe vor, wodurch die Möglichkeit gegeben wird, die Wasserquellen und -kraftwerke von Ingenieuren der syrischen Regierung zu reparieren. Außerdem wird erneut die Generalamnestie für militärische Kräfte bekräftigt und langfristig werden Kämpfer nach Idlib evakuiert, falls die Waffenruhe hält. Dies ist der zweite Versuch einer Waffenruhe, nachdem der erste Versuch durch radikale Kräfte dort gestoppt wurde. Laut dem Verhandlungsführer in Wadi Barada Ali Mohamad Yusuf sollen bereits 500 Menschen (darunter 60 Kämpfer) einen nötigen Vertrag unterschrieben haben, die eine zivile Evakuierung und Versorgung gewährleistet.

Man müsse dennoch abwarten, ob dieser zweite Versuch einer Waffenruhe mittel- und langfristig erfolgreich sein wird.

 

Offensive in Ost-Aleppo wird weitergeführt | Palmyra fällt

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Nachdem für 2 Tage die Waffen geruht haben und dies die Evakuierung von Tausenden Zivilisten (laut dem russischen Verteidigungsministerium ~20.000) ermöglichte, scheint die Syrisch-Arabische Armee mit ihren Verbündeten erneut kleine Fortschritte zu machen. Derzeit wurde das gesamte al-Qasileh-, al-Ma’adi- und Bab al-Maqam-Viertel erobert. Kleinere Fortschritte soll es ebenfalls in den umlegenden Vierteln wie Sahet Bizzah gegeben haben, wobei sich deren Eroberungen momentan nur auf ein paar Häuserblöcke beschränken.

Daesh erobert Palmyra

Währenddessen gibt es weniger erfreuliche Nachrichten aus der antiken Wüstenstadt Palmyra/Tadmur: Nach einem nächtlichen Hin und Her zwischen der NDF (die auch Unterstützung von der 11th Division der SAA erhalten hat) und Daesh konnte der Islamische Staat die Verteidigungen im Norden und Osten der Stadt durchbrechen und durch einen weiteren Zangengriff vom Süden auf die Fakhreddine al-Ma’any-Festung westlich der Stadt die restlichen Einheiten zur Flucht zwingen. Sowohl die Daesh nahe stehende Nachrichtenagentur AMAQ als auch Videos bestätigen diese Mitteilung.

Zuvor in der Nacht kam es zu massiven Luftschlägen der russischen und syrischen Luftwaffe. Obwohl es für den gestrigen Abend sehr gut für die NDF aussah, schien die Wirkung der Bombardements aufgrund der Wüste und des gebirgigen Terrains nur einen bedingten Erfolg gehabt zu haben (angeblich wurden mindestens 150 Islamisten getötet). Daesh nutzte exakt die gleiche Taktik wie 2015, wer die Berge um Palmyra kontrolliert, der kontrolliert auch die Stadt.

Nähere Informationen für die Tage davor hier.

Während die Stadt keine militärische Bedeutung besitzt, bedeutet sie einen wichtigen propagandistischen Sieg für Daesh, welches ansonsten an allen Fronten größtenteils verliert und damit durchaus zu kleinen Offensiven fähig ist. Ebenfalls bedeutet dies einen enormen Verlust an Prestige für Russland, welches die Rückeroberung äußerst brachial mit einem Konzert im Amphitheater etc. zelebriert hat. Was die Eroberung für die Ruinen bedeutet ist derzeit unklar.

Riesige Geländegewinne der Armee in Ost- und Nordaleppo

Große Erfolge an zwei Fronten zu vermelden: Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) konnte einerseits mit der Unterstützung eigener kurdischer Milizen und der SDF entschiedene Erfolge in Richtung al-Bab erzielen. Es wurden insgesamt etwa 3 Dörfer erobert: Nayrabiyah, Shaykh Kif und Jubrah. Derzeit ist unklar, ob all diese Dörfer gemeinsam, oder nur von einer Seite kontrolliert werden. Würde Letzteres eintreffen und die SAA sämtliche Dörfer kontrollieren, so könnte das als einen Beginn auf die von Daesh gehaltene Stadt al-Bab gedeutet werden. Al-Bab ist bereits von der SDF vom Osten & Westen und von der TFSA (türkische unterstützte Opposition, Euphrates Shield) vom Norden her bedroht.

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Anmerkung: Derzeitige Kontrolle der Dörfer unklar

Dieser möglichen Offensive gingen syrische Luftangriffe auf die TFSA zuvor, wo ebenfalls 3 türkische Soldaten getötet wurden. Laut türkischen Medien gab es danach auch weitere Luftangriffe, wo mindestens 7 türkische Soldaten verletzt worden. Diese Berichte sind aber nicht bestätigt.

Signifikante Eroberungen in Ostaleppo

In Ostaleppo hingegen konnte die SAA mit der Unterstützung der Eliteeinheiten „Tiger Forces“ und „Republican Guards“, als auch von syrischen Milizen wie Liwa al-Quds äußerst wichtige Erfolge verzeichnen. So konnte inzwischen fast das gesamte Hanano-Viertel (Schätzungen zwischen 60-80% seit gestern) und große Teile des Jabal Badro-Viertels erobert werden. Die genaue Situation ist derzeit aber relativ unklar und man kann neue Fortschritte alle paar Stunden erwarten. Diese neuen Eroberungen offenbaren wohl den schlechten Zustand der Opposition im Norden des Kessels, nach dem Verlust des Handarat-Flüchtlingslagers/Viertels konnte man dort die größten Gebiete erobern. Scheinbar ist die Situation auch in einem solch urbanen Gelände wie Hanano dermaßen schlecht, dass Niemand sowas ursprünglich erwartet hätte.

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Veraltete Karte von gestern

Mit den neuen Eroberungen besitzt die SAA nun die Möglichkeit, den Kessel im Sakhur-Distrikt zu teilen und damit einen wichtigen Schlag gegen die Opposition zu setzen. Bei dem derzeitigen Tempo besteht sogar die Möglichkeit, dass Ostaleppo vor Mossul erobert werden könnte.

Edit: Aktuelle Karte:

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Syrische Luftwaffe attackiert türkische Stellungen in Nordsyrien

Am Morgen des 24. November, exakt ein Jahr nach dem Abschuss des russischen Jets nahe der türkischen Grenze, griff die syrische Luftwaffe mit L-39 „Albatros“ türkisch-oppositionelle im Norden Syriens an. Wie inzwischen das türkische Verteidigungsminsterium mitteilte, wurden dabei 3 türkische Soldaten getötet und 11 Oppositionskämpfer verletzt.

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Die getöteten Soldaten

Den Angriffen geht eine ältere Verlautbarung des Generalkommandos der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) zuvor, die mit dem Abschuss von türkischen Jets drohe, insofern Diese weiter kurdische (bzw. SDF/YPG) Stellungen beschießen werde. In den letzten Tagen kam es wiederum häufiger zu Angriffen und Luftschlägen auf von der SDF eroberte Dörfer, z.B. Jubb al-Barazi. Der wirkliche Grund für diesen Angriff könnte aber wohl eher der Artilleriebeschuss der türkischen Armee auf Stellungen der SAA in Latakia sein, vor allem in der Umgebung von Nawarah. Wenige Stunden zuvor startete dort die SAA & Verbündete eine Offensive, die aber schnell zurückgeschlagen wurde.

Armee beginnt scheinbar Bodenoperation in Ostaleppo

Im Zusammenhang zur Operation „Siegesdämmerung“ der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) für die Eroberung des belagerten Ostaleppo scheint es nun erste reelle Erfolge zu geben: Nach mehreren Tagen von syrischen und russischen Luftangriffen konnte die offensive Eliteeinheit der SAA, die Tiger Forces, den Hügel „(Tell) Zouhor“ im Osten erobern. Dieser Hügel gibt eine gute Sicht auf das Hanano-Viertel, welches als angebliches Hauptquartier für das größte Aleppo-Bündnis der Opposition „Fatah Halab“ dient. Das Viertel wird dadurch nun vom Norden und Osten bedroht.

Weitere Erfolge soll man in Bustan al-Pasha verzeichnen, wobei die Erfolge derzeit unbekannt sind und es sehr intensive Kämpfe gab. Die SAA eroberte bereits vor einem Monat den südlichen Abschnitt des Viertels. Außerdem soll es Kämpfer in Sheikh Saeed gegeben haben, wobei Genaueres nicht bekannt ist.

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Situation Ostaleppo