Im Designer-Anzug zur Front

Unter dem Radar der internationalen Aufmerksamkeit dauert der Konflikt zwischen der äthiopischen Zentralregierung auf der Einen und den Tigray-Verteidigungskräften (TDF) und der Oromo-Befreiungsfront (OLF) auf der anderen Seite weiterhin brutal an. Militärisch gab es in den letzten Wochen wenige neue Entwicklungen, die separatistische Allianz rückt weiterhin nahezu ungehindert auf die Hauptstadt Addis Abeba zu, während die Regierung zunehmend paranoider agiert. Was wahlweise als heroischer Akt oder als verzweifelte letzte Maßnahme zur Moralstärkung gesehen werden kann, porträtierte sich der äthiopische Präsident und Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed in militärisch-maßgeschneiderter Ausrüstung und Radio als weiser Feldherr unweit der Stadt Kassagata in der Region Afar. Darin betonte er die hohe Bereitschaft und gute Moral der Armee, sprach jedoch auch von einer ausländischen Verschwörung gegen seine „pan-afrikanischen Ziele“ und den Staat. Unabhängigen Medien wurde es verboten, über den Krieg im Land zu berichten, was die Situation noch undurchschaubarer macht.

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An der Grenze zum Kollaps

Was eigentlich eine kurze, dreiwöchige Militäroperation im Norden Äthiopiens sein sollte, könnte sich nun als der finale Sargnagel des ostafrikanischen Staates herausstellen: Seit über einem Jahr bekämpfen sich die äthiopische Zentralregierung und die ethnische Minderheit der Tigray in der gleichnamigen Provinz im Norden, der Ausgang der Gefechte für lange Zeit ungewiss und von einem ständigen Hin und Her geprägt. Mit den Erfolgen der letzten Monate, unter anderem die Vernichtung einer groß angekündigten Armeeoffensive, die kürzliche Eroberung der über 600.000 Einwohner zählenden Stadt Dessie in der Amhara-Region und der Entstehung einer Landverbindung mit anderen regierungsfeindlichen, separatistischen Gruppen, befindet man sich nur noch rund 200 Kilometer (von anfänglichen 500) von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt, wo derzeit blanke Panik herrscht: Mitglieder der Tigray- und Oromo-Minderheit werden als Spione gebrandmarkt und getötet, während mit der Ausrufung des Ausnahmezustands die Bevölkerung bewaffnet werden soll. Was lange Zeit als potentielle Großmacht in der Region gehalten wurde, droht nun in sich selbst zu implodieren.

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