Der oppositionelle Beschuss der zivilen Fluchtkorridore nach Westaleppo

Sechs „humanitäre Fluchtkorridore“ für Zivilisten und zwei weitere Korridore für oppositionelle Kämpfer wurden am 20. Oktober um ~11 Uhr Ortszeit in Westlappo durch eine unilaterale Vereinbarung von Russland & der syrischen Regierung ins Leben gerufen, um fliehenden Zivilisten, Kranken, Verletzten und Kämpfern die Möglichkeit zu geben, sich aus Ostaleppo in Sicherheit zu begeben. Teil dieser Vereinbarung war eine zunächst 8-stündige Waffenruhe; in diesem Zeitraum wurden keine Luftangriffe der syrischen & russischen Luftwaffe gemeldet. Stunden zuvor wurde die Bevölkerung Ostaleppos durch den Abwurf von Flugblättern darauf aufmerksam gemacht, die Flugblätter zeigen die Korridore an folgenden Positionen:

cu4uj8dvuaaxxxm
Ausschnitt des Flugblattes

 Zivile Flüchtlingskorridore:

  1. Im hohen Norden die Hauptstraße zu dem Sheikh Najjar-Industriedistriks, in Richtung der al-Reih-Brücke
  2. Das Berdag-Restaurant in Zentralaleppo bei der Michael Naima-Straße
  3. Al-Sakhour-Bahnstation bis zur Hjar-Moschee
  4. Im tiefen Süden im Sheikh Saeed-Viertel in Richtung von al-Hadher
  5. Im Osten bei der Haj-Menber-Schule in Richtung des Flughafens
  6. Von der Masjed-Moschee zur Qedis Giorgy-Kirche in Zentralaleppo

Militante Flüchtlingskorridore:

  1. Im Norden Aleppos, beginnend vom Jandoul-Kreisverkehrs entlang der Castello-Hauptstraße bis zum Castello-Restaurant
  2. Durch Zentralaleppo vom al-Kher-Markt bis zur Damaskus-Aleppo-Hauptstraße in der Idlib-Provinz

Trotz den Verlautbarungen sollen sich nur einige Familien (darunter eine Großfamilie von 9 Zivilisten) und einige verletzte Kämpfer von Ahrar al-Sham aus dem Gebiet gerettet haben. Der Vorwurf dafür wiegt schwer, laut russischen & syrischen Medien, als auch einigen geflohenen Zivilisten wie Wissam Zarqa wird die Opposition beschuldigt, die Zivilbevölkerung als Geißeln zu nehmen. Dieser Vorwurf wurde später durch verschiedene Medien verifiziert und es existieren mehrere Videos von den Mörsergranaten auf die Korridore. Das Hauptaugenmerk wird auf den einen militanten Fluchtkorridor vom Bustan al-Qasr-Distrikt geworfen.

Geolocation von verschiedenen Angriffen

Step News Agency

Der Beginn macht ein Video der pro-oppositionellen Nachrichtenagentur Step News, welches einen scheinbaren Angriff der Fasteqm-Union zeigt. Der interviewte Kommandant im Video behauptet, dass das „Regime“ versucht hatte im Distrikt vorzurücken, dies aber vereitelt wurde. Derweil sollen keine Zivilisten den Korridor genutzt haben. Unabhängig von der Authentizität der Aussage zeigt das Video eindeutig die Nutzung von Mörsern und „Hell Cannons“ auf Positionen in Westaleppo.

Exit-Corridor-STEP-explosive-splashes.png
Eine zweite Stelle im Video zeigt den direkten Beschuss des al-Masharqa-Distrikt nordöstlich der oppositionellen Positionen in Bustan al-Qasr

ANNA

Ein weiteres Video konnte die Abkhazian Network News Agency (ANNA) vorzeigen, ein Nachrichtendienst der stets mit Reportern an den Fronten der SAA und SDF präsent sind. Das Video zeigt nicht nur die Positionen von den bekannten „grünen Bussen“ in Westaleppo zum Abtransport von Zivilisten und Kämpfern am Korridor genutzt werden, sondern auch den mehrfachen Beschuss (zwischen Minute 2:58 und 3:07) des dortigen Stadions.

Anna-news-stadium-two.png


ITV

Ebenfalls präsent war der britische Sender ITV mit ihren Korrespondenten Dan Rivers, welche aufgrund einer Reportage in Westaleppo aktiv war. Dort konnten sie direkt mehrere Angriffe von der Position des Dedeman Hotels aus filmen. Ob der Beschuss die gleichen Angriffe wie beim ANNA-Video zeigen ist aber unklar. Später soll er außerdem mehrere Geschosse der Hell Cannon gesehen haben.

wadawdawdwad-2-1200x401 (1).jpg


Al-Masdar

Die Position des Filmenden befindet sich auf der östlichen Seite der Kher Eddin al-Assadi-Straße und damit westlich des Stadions. Der Mörser (?) trifft in diesem Falle nicht das Stadion, sondern weiter nordwestlich in Richtung der al-Hariri-Nachbarschaft. Außerdem zeigt das Video, wie sich die Busse in südlicher Richtung zum vorgesehen Ort begeben, es sich insofern wahrscheinlich um einen früheren Zeitpunkt handelte.

wadawdawdwad-1200x783.png


Murat Gazdiev (RT)

Der russische RT-Reporter Murat Gazdiev veröffentlichte über seinem Twitter-Account ein Video, welches ebenfalls Rauchschwaden über die Umgebung südwestlich des Stadions zeigt. Das Video scheint ebenfalls vom Dedeman Hotel zu stammen.


Livestreams der russischen Verteidigungsminsteriums

Die nützlichsten Beweise hingegen konnte das russische Verteidigungsministerium vorweisen, welches 6 Kameras an den verschiedenen Ausgängen installierte und über die ganze Zeit eine Übertragung lieferten. Ausschnitte davon lud RT separat hoch. Das Video zeigt die Position südwestlich des Stadions nahe der Positionen, wo sich die gesamten grünen Busse befunden haben.

RT-smoke-still-geolocation-1.pngrt-3.png

rt-2.png


Weitere Fluchtkorridore

An weiteren Fluchtkorridoren soll es hingegen ruhig geblieben sein, so fiel die mediale Berichterstattung auch verhältnismäßig weniger auf und z.B. wurde nur ein Bild von dem zweiten, militanten Korridor entlang der Castello-Straße hochgeladen, der insgesamt einen ruhigen Eindruck macht. Weitere Videos zeigen ebenfalls den Salah al-Din-Korridor in einem leeren Zustand. Über weitere Checkpoints ist sehr wenig bekannt, es soll aber z.B. Kämpfe in Sheikh Saeed zwischen Islamisten und Soldaten gegeben haben, wo sich ebenfalls ein Korridor befindet.

Letzten Endes verifiziert das vorhandene Videomaterial auf mannigfaltige Weise, dass der Vorwurf vom Beschuss der Flüchtlingskorridore in jeglicher Weise absolut korrekt ist – wenn auch nicht in einer solchen quantitativen Weise. Der mehrmalige Beschuss zeigt zumindest im Bustan al-Qasr-Korridor die Absicht, Oppositionelle und wahrscheinlich auch Zivilisten von der Flucht fernzuhalten. Insgesamt kann man es als eindeutigen PR-Gewinn für die syrische Regierung & Russland werten, welches erneut die Opposition in Ostaleppo für ihre Skrupellosigkeit vorführt und die Brandmarkung als „Terroristen“ zu bestätigen scheint.

Russland verkündet 8-stündige Waffenruhe für Ostaleppo

Das russische Verteidigungsministerium verkündete am Montag, eine unilaterale Waffenruhe für den 20. Oktober auszurufen, die insgesamt 8 Stunden anhalten soll und sowohl Zivilisten als auch Oppositionskämpfern die Möglichkeit bietet aus Ostaleppo durch die verschiedenen Fluchtkorridore zu entkommen.

Der russische Offizier Sergei Rudskoi bezeichnet diese Waffenruhe als „humanitäre Pause“, um sowohl Zivilisten als auch Verletzte und Kranken eine Option zu ermöglichen, aus dem Kriegsgebiet zu fliehen.

Ein möglicher Erfolg erscheint alleine aufgrund des unilateralen Aufbaus sehr unwahrscheinlich, der Großteil der Zivilbevölkerung wird weiterhin als „Geiseln“ für die islamistische Opposition in Ostaleppo missbraucht. Primär wird es sich um einen PR-Versuch handeln, Russland als humanitären Helfer zu inszenieren.

Territorialgewinne der Armee in Ostaleppo

Als Reaktion auf die doch unerwartet erfolgreichen Eroberungen veröffentlichte das Generalkommando der Syrisch-Arabischen Armee eine Pressemitteilung, sowohl Luftschläge als auch Artillerieangriffe zurückzufahren, auch um weiteres ziviles Leid zumindest zu vermindern. Welche Erfolge kann die SAA & ihre Verbündeten verzeichnen?

Aleppo cut1 5oct 14mehr.jpg

Die wohl größten Erfolge konnte die SAA & Liwa al-Quds im Nordosten bezeichnen. Dort wurden zugleich zwei gesamte Bezirke erobert: der Handarat-Bezirk und das von dort westlich gelegene Shuqayyf-Industrieviertel welches bereits vorher von 3 Seiten aus angegriffen wurde, darunter auch von den unabhängigen Kurden im Sheikh Masqoud-Viertel. Das ehemalige palästinensische Flüchtlingslager Handarat ist ebenfalls Heimat der Liwa al-Quds, insofern handelt es sich für die Gruppierung um die „Rückeroberung/Befreiung“ ihrer Heimat. Weiterhin konnte man südlich der beiden Viertel vordringen, sowohl das berüchtigte al-Kindi-Krankenhaus als auch weiter südlich gelegene Fabrikanlagen (darunter Bierfabriken) erobern, Diese befinden sich wiederum im Awijah-Viertel. Mit der Eroberung dieser Gebiete wurde ein möglicher Ausbruch der Opposition im Norden der Stadt über die Castello-Straße und Mallah-Farmen sehr erschwert, wenn nicht sogar verhindert.

Die ersten größeren Erfolge konnte die SAA hingegen in der Altstadt verzeichnen, im Farafira-Wohnbezirk nördlich der alten Zitadelle. Man konnte ebenfalls das gesamte Viertel erobern und damit fast einen Kessel für die übrige Opposition in der Altstadt und al-Azizeh vorbereiten.

Am 5. und 6. Oktober konnte die SAA mithilfe der Republikanischen Garden und mehreren NDF-Milizen ebenfalls in Bustan al-Pasha auf kleinerer Ebene vorrücken. So konnte man alleine am 6. Oktober etwa 40% von Bustan einnehmen, vor allem in Umgebung des Sportzentrums „Institute of Physical Education“. Ebenfalls gibt es Berichte von Kämpfen östlich des Viertels, in Suleiman al-Halabi. Von Fortschritten ist jedoch dort nichts bekannt.

2Ob5o1W7ZPaN-azIoDkBAy7q2ex78P6ggBY9-rjP-ZY.jpg

Auch die Eroberungen im Süden Aleppos sind durchaus respektabel, aber zu großen Teilen nur bedingt bestätigt. Die SAA soll mithilfe von irakischen Milizen mehrere Häuserblöcke im al-Amiriyah-Viertel erobert haben, nördlich von Ramouseh. Außerdem soll es beachtliche Folge in Sheikh Saeed geben (siehe Karte), dennoch unterstützten noch keine visuellen Beweise derartige Behauptungen.

 

Obwohl die SAA durchaus unerwartete und beachtenswerte Erfolge innerhalb des kurzen Zeitraumes verzeichnen konnte, so bedeutet dies noch lange keinen einfachen Sieg in Ostaleppo. Große Teile des eroberten Gebietes (vor allem im Norden) waren schwer zu verteidigen respektive haben in der Belagerung nur zu einer unnötig vergrößerten Front geführt. Insofern kam es oft zu taktischen Rückzügen, teilweise auch an erfolgreiche Gegenangriffe gekoppelt (z.B. in Handarat). Die Opposition wird sich nun wahrscheinlich auf die relevanten Territorien konzentrieren, sprich urbane und enge Behausungen mit einem großen Anteil an Zivilisten.

 

 

Die Legende des al-Kindi-Krankenhaus wird wiedergeboren

Es benötigte nur 2 Selbstmordattentäter um das älteste öffentliche Krankenhaus in ganz Syrien zu zerstören. Und dabei eine Legende zu erschaffen, die wohl zu den Unbekanntesten aber zugleich Ruhmreichsten im Syrischen Konflikt gehört. 

Es ist ein altes und dem Plattenbau ähnlich wirkendes Gebäude. Man könnte schnell erahnen, dass das Gebäude in einer sozialistischen Ära erschaffen wurde, nämlich zu Zeiten der panarabischen Union unter Gamal Abdel-Nasser, der Vereinigten Arabischen Republik. Damals wurde es als Krankenhaus für die Tuberkolosebekämpfung aufgebaut, 250 Ärzte und 650 weiteres Krankenpersonal soll das Hospital einst gezählt haben, es befand sich auf einem kleinen Hügel nördlich der Stadt Aleppo, neben dem Handarat-Viertel, seinerzeit nur ein improvisiertes Flüchtlingslager für Palästinenser.

Jahrzehnte später startete der Syrische Bürgerkrieg, mitten in den Stürmen und Umbrüchen einer Revolution stand die Stadt Aleppo wie jede andere Großstadt in Syrien stolz hinter der syrischen Regierung. Dies änderte sich 2012. Als verschiedene Oppositionsgruppen zwischen der  FSA, al-Nusra und der damals verbündeten ISIL (heute IS) gemeinsam eine Offensive auf die Stadt von der Provinz aus starteten. Sie hatte das Ziel die „Revolution nach Aleppo zu bringen“. Diese Großoffensive startete von al-Bab und Azaz aus, Städten nördlich von Aleppo. Die Hauptbewegung kämpfte sich durch dieses ebendieses Handarat-Lager, Sheikh Maqsoud, Sheikh Najjr- und dem Owaija-Industriebezirk.

1468707_10200889668265111_1833572068_n1.jpg
Situation in Aleppo 2013

Ironischerweise hielt diesem Ansturm gerade ein kleiner Kessel um das al-Kindi-Krankenhaus und dem nördlich gelegenen Zentralgefängnis aus, im Mittelpunkt der Offensive. Geschätzte 100 Mann hielten mehrere Versuche der Opposition aus, das Krankenhaus zu stürmen. Unter geschätzten 400 Toten und unzähligen Materialverlusten schien die Geduld langsam zu schwinden. In der selben Zeit versuchte der damals unbekannte Suleil al-Hassan mit seinen „Tiger Forces“ sich durch das Najjr-Industrieviertel in Richtung des Kessels durchzuschlagen. Er konnte Erfolge verbuchen, die Zeit aber spielte gegen ihn.

„Die, die das Krankenhaus angegriffen, zerstört und geplündert haben, waren einst Patienten die physisch geheilt, aber mit kränklichen Geist entlassen worden.“ -Tarek al-Mualem, einst Arzt in al-Kindi

Im Dezember 2013 bildeten Ahrar al-Sham, Islamische Front, Liwa al-Thawid, al-Nusra, al-Fajr und ISIL ein gemeinsames Kommandozentrum, getauft „Ein Herz“ um den Zusammenhalt und das gemeinsame Ziel auszudrücken. Die verbliebenen 70 Soldaten in einer inzwischen nicht mehr als Gebäude anzusehenen Ruine verteidigten sich 16 Tage tapfer bis die radikalislamistische Opposition ihre Wunderwaffe anwandte die bis heute einen enormen Erfolg verbucht: SVBIEDs. Diese mit mehreren Tonnen Sprengstoff besetzte, vollgepanzerte Autos mit einem indoktrinierten, zumeist ausländischen Fahrer waren berüchtigt dafür, die Positionen an der Front zu durchbrechen und einen möglichen Angriffspunkt zu erschaffen.

Nun folgten 2 SVBIEDs mit jeweils rund 20 Tonnen Sprengstoff geladen auf ihr Ziel, das Krankenhaus, darunter ein ägyptischer Fahrer namens Abu Marwan al-Halabi. Der Übermacht konnte aber nichts entgegen gesetzt werden, am 20. Dezember wurde das Krankenhaus vollständig durch die Opposition erobert, dank Selbstmordattentätern.  Die Meisten starben heroisch im Gefecht, darunter auch der Reuters-Journalist Molhem Barakat und sein Bruder. 16 Soldaten hatten hingegen kein Glück, sie wurden gefilmt, gefangen genommen, denunziert und danach im März 2014 massakriert durch al-Nusra. Die restlichen FSA-Battallione standen teilnahmslos daneben bei der Exekution.

Ihr Tod hat zu Einer der ersten Legenden im Konflikt geführt, ein Symbol der Standhaftigkeit, Stolz und des Mutes gegen den Terrorismus und Islamismus in Syrien. Ein Märtyrertum, welches in Syrien hohe Anerkennung genießt.

am 2. Oktober 2016 wurden die Ruinen des ehemaligen al-Kindi-Krankenhauses durch die Syrisch-Arabische Armee und Liwa al-Quds zurückerobert.

Syrische Armee beginnt Operation zur Eroberung von Ostaleppo

Das Generalkommando der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) verkündet den Beginn der Operation für die „Befreiung“ der von der Opposition besetzten Viertel in Aleppo. Das Generalkommando unter Führung eines neu eingesetzten Kommandanten (nach der Blamage in Südaleppo), einem erfahrenen Mitglied der Republikanischen Garde die eindrucksvoll das Bani Zayd und Layramoun-Viertel im Norden der Stadt erobert hatten, empfahl den Zivilisten im Osten für ihre eigene Sicherheit zu sorgen und sich von Stützpunkten der Opposition fernzuhalten.

Weitere Viertel kapitulieren

Währenddessen kapitulierte das al-Qadam-Viertel im Süden von Damaskus nach langer Zeit der Belagerung und offizieller Waffenruhe. 250 Kämpfer ergaben sich und warten nun auf ihre Generalamnestie. Die Bevölkerung wurde in temporäre Flüchtlingsunterkünfte gebracht.

Selbiges geschah im al-Waer-Wohnbezirk in Homs. Nachdem vor 2 Jahren die Kämpfer zustimmten sich von der Innenstadt nach al-Waer zurückzuziehen kapitulieren Diese nun auch und nehmen zum 2. Mal eine UN-Vermittlung an, um das Gebiet zu räumen und Kämpfer nach Idlib zu transportieren. Den Verhandlungen sind mehrere Luftangriffe vorausgegangen.

Cs-v3f7UAAAolM9.jpg
Zivilisten aus al-Qadam

Ostaleppo erneut belagert, Daesh verliert türkische Grenze

JRdwg9rXtSf_CE7ODIRT8yCzP_mBBHJZNn7-eTzWZTg.jpgOstaleppo ist wieder faktisch belagert

Nach wochenlangen Kämpfen und enormen Verlusten auf beiden Seiten konnte sich die syrische Armee mit primärer Hilfe der Eliteeinheit der Tiger Forces & weiteren Milizen durchsetzen und die Ramouseh-Artillerieschule und ihre Sektionen vollständig zurückerobern, um damit den letzten Nachschubweg (auch wenn Dieser seit Wochen nicht passierbar war) schließen.

Die Verluste auf beiden Seiten sind enorm, man spricht von rund 1000 Toten auf oppositioneller/islamistischer Seite (die Hauptlast trugen islamistische Gruppierungen wie Fateh al-Sham, Suqur al-Sham, al-Zinki, Sultan Murad usw.) und zwischen 500-700 Toten auf regierungsunterstützender Seite. Die Todeszahlen können aber nicht genauer überprüft werden. Nach der Eroberung sollte es prinzipiell nur eine Frage der Zeit sein bis ebenfalls die westlich und östlich befindenen Ramouseh-Viertel und das 1070 Housing Project ebenfalls fallen werden.

Ebenfalls gibt es Berichte von weiteren Eroberungen weiter südlich nahe der Stadt Qarassi und deren Steingruben. Es gibt ebenfalls einige Bilder die russische Spezialeinheiten in Aleppo zeigen, ob sie in der Offensive involviert waren ist unklar aber durchaus denkbar. Die russische Luftwaffe ist laut Angaben oppositioneller „Aktivisten“ den ganzen Tag aktiv gewesen und soll über 75 Luftschläge ausgeführt haben.

 

CrhkvMXXEAApriY.jpg

Daesh schließt türkische Grenze

Die von der Türkei unterstützten Gruppierungen der FSA und weiteren islamistischen Fraktionen (z.B. Ahrar al-Sham) konnten nun ihr primäres Ziel der Operation „Euphrates Shield“ absolvieren und damit Daesh von der Türkei trennen bzw. ihre beiden Teile im Norden Aleppos verbinden. Da es kaum Berichte von Kämpfen gab werden die Opferzahlen äußerst gering sein. Es zeigt wiederum den Beweis dass die Türkei Daesh als quasi-Verbündeten fallengelassen hat und kein wirkliches Interesse zumindest als Handelspartner existiert, bei der momentanen Schwäche des Islamischen Staates kein Wunder.

Belagerung von Ostaleppo aufgehoben!

Es war eine kurze Hoffnung auf eine kurzfristige Beendigung des Syrischen Konfliktes durch die Einnahme des syrischen Stalingrades, dem geteilten Aleppo. Nun scheint die wohl bisher größte Oppositionsoffensive unter islamistischer Dominanz des Fateh Halab und Jaysh al-Fateh nach 6 Tagen ihr Operationsziel erfüllt und damit die Belagerung von Ostaleppo aufgehoben.

CpLmCsnWYAAg9Lo.jpg
Ahrar al-Sham berichtet von der Aufhebung
CpLqnjuXYAIJHxw.jpg
TIP bestätigt die Aufhebung
CpM8F1xXgAEnVyi.jpg
Ramouseh-Kreuzverkehr

Die Offensive die primär in Südaleppo um das „1070 Housing Project“, Nasr-Distrikt, Ramouseh-Artilleriebasis, Ramouseh-Industrieviertel, als auch in der Altstadt, Mansoueh und Handarat stattgefunden hatte konnte seit letzter Nacht unter Führung von Ahrar al-Sham und Jabhat Fateh al-Sham (ehemals al-Nusra) bedeutende Erfolge in der Artilleriebasis und -akademie erreichen und den gesamten Süden der drittgrößten Militärbasis in Syrien erobern. Eine weitere Offensive von den inneren Gruppen Ostaleppos wurde mit einer SVBIED und Tunnelbomben auf das Ramouseh-Industrieviertel begonnen und konnten sich scheinbar letztendlich östlich von der Militärbasis nahe den Ramouseh-Kreuzverkehr und Ramouseh-Garagen vereinen. Näherer Artikel zur Offensive wird folgen.

Ob diese Erfolge nach den Transport der Eliteeinheiten der Tiger Forces, Republikanischen Garden, Hisbollah, al-Hassan und weiteren Milizen von Erfolg haben wird ist derzeit unbekannt. Außerdem bedeutet dies, dass Westaleppo mit 1,2 Millionen Einwohnern ohne Nachschubwege nun belagert ist…erneut nach 2013.

Erste Zivilisten & Kämpfer fliehen nach Westaleppo

Die vor 2 Tagen proklamierte Generalamnestie und Möglichkeit zur Flucht aus dem belagerten Ostaleppo scheint erste Erfolge zu verzeichnen: Laut Berichten des syrischen Fernsehens und dortigen Reportern flohen bereits Dutzende Familien und Kämpfer. 

Erste Videos und Bilder aus dem syrischen Fernsehen zeigen große Menschenmassen an Familien, die nach ihrer Ankunft in Westaleppo versorgt und interviewt werden. Dabei rufen Personen „Allah, Souriya, Bashar w bas“ („Gott, Syrien, Bashar [al-Assad] und nichts Weiteres/Anderes!“) um diese Situation zu feiern. Aleppo galt ohnehin stets als Hochburg der syrischen Regierung und dies änderte sich auch nicht zu dem Zeitpunkt, als die syrische Opposition 2012 von Seiten Idlibs und Al-Babs die Stadt angriff.

Erste Angaben sprechen von etwa 75 Familien, die über den Flüchtlingskorridor nahe der Saladehin-Kreuzung nach Westaleppo geflohen sind. Zum momentanen Zeitpunkt werden sie verpflegt, ihre Daten aufgenommen und später dann in extra für sie vorbereitete Wohnungen gebracht. Insgesamt gibt es 4 Flüchtlingskorridore, 3 für Zivilisten und 1 Weiteren für kapitulierende Kämpfer.

ComjygtW8AAK3CI.jpg

Ebenfalls ergaben sich einige oppositionelle Kämpfer bereits freiwillig der SAA. Auch wenn die Zahl momentan sehr gering ist (auf dem Bild sind z.B. 9 Personen abgebildet) zeigt sie wesentlich größere Aspekte der Situation an, z.B. die Moral in Ostaleppo. Wenn Diese gut verpflegt werden und all die Versprechen umgesetzt werden kann dies schnell zu einer größeren Menge führen, die fliehen möchte. Ein gewisses Misstrauen existiert weiterhin. Auf dem Bild verschleiern sie ihre Gesichter damit ihren Familien nicht dem Risiko irgendwelcher Racheaktionen der restlichen Kämpfer ausgesetzt sind.

 

Regierung bietet Generalamnestie & Fluchtwege in Ostaleppo an

Die Nacht des 27. Julis war eine sehr Ereignisreiche in Aleppo; nicht nur wurde Ostaleppo nun vollständig umzingelt und gar ein ganzer Distrikt erobert, auch wurde von Seiten der syrischen Regierung und Russlands eine humanitäre Mission angeboten um die dortigen Zivilisten zu versorgen. 

CocMPxJXgAAj5Vb.jpg
Position des Viertels
Cocc6zKW8AAL1wK.jpg
Republikanische Garde in Bani Zayd

Über die Nacht ist es geschehen: Oppositionelle Quellen meldeten, das die Syrische Armee unter der Führung der Eliteeinheit der Republikanischen Garden und der 4. Division das Viertel Bani Zayd gänzlich erobert hatten. Diese Nachricht klang so unglaubwürdig und unglaublich dass einige Regierungsquellen diese Eroberungen zunächst verneinten. Ein ganzes Viertel im urbanen Häuserkampf von Aleppo erobert? Immerhin begann die Operation erst vor wenigen Stunden und wurde mit Artilleriebeschuss und Luftschlägen eingeleitet.

Später nachdem sich der Nebel des Krieges gelegt hatte wurde ersichtlich, dass die oppositionellen Kämpfer sich aus dem Viertel & Umgebung zurückgezogen haben um nicht dem Risiko ausgesetzt zu sein, als Belagerung innerhalb der Belagerung zu enden. Vorausgegangen waren weitere schwere Angriffe auf das kurdische Viertel Sheikh Maqsoud, die erfolgreich zurückgeschlagen wurden und der „Youth Housing Complex“ nördlich des Viertels nahe der Castello-Straße erobert wurde (möglicherweise haben sie sich dort bereits zurückgezogen, es gab keine Berichte von Kämpfen um diese Gebäude). Berichten zufolge flüchteten sie per Tunnel in die oppositionellen Teile Ostaleppos. Inwiefern die YPG in Sheikh Maqsoud genutzt hat ist ungeklärt, es gibt sogar Berichte dass der Youth Housing Complex der SAA übergeben wurde.

 

2
Hell Cannons und Munition in Bani Zayd

Bani Zayd war berühmt und berüchtigt dafür, die primäre Operationsbasis für den Beschuss Westaleppos mithilfe von sogenannten „Hell Cannons“ zu sein, improvisierter Artillerie die teilweise Fassbomben als Munition benutzte und vielen Zivilisten das Leben kostete. Das Viertel befindet sich östlich von dem erst kürzlich eroberten Layramoun-Industrieviertel und westlich von Sheikh Maqsoud. Nördlich verläuft die Castello-Straße und galt damit als wichtiges Glied, um die Belagerung Ostaleppos perfekt zu machen.

CocCV5dWIAA7HsU.jpg
Fluchtwege sind gekennzeichnet

Eine unerwartete Reaktion auf diese neu entstandene Situation gab es wiederum von der politischen Seite: Die syrische Regierung bzw. Assad versprach für 3 Monate eine Generalamnestie für alle Kämpfer, die sich freiwillig ergeben und die Waffen niederlegen. Diese Taktik ist nichts Neues und war z.B. in Homs sehr erfolgreich, vor allem da es zu einer inneren Spaltung zwischen den moderateren, syrischen Kämpfern und ausländischen Kämpfern führt, denen es wohl unmöglich ist sich zu ergeben. Zu diesem Zweck hatte man 4 Flüchtlingskorridore angeboten, 3 für die einfachen Zivilisten und 1 für kapitulierende Kämpfer (siehe Karte). Vagen Berichten zufolge versuchen Kämpfer bereits beim Fluchtkorridor im Norden bei Bustan Al Basha die Zivilisten vom Verlassen aufzuhalten.

CocN9XQWcAAhnOV.jpg

Außerdem begann man Berichten zufolge mit dem Abwurf von Lebensmitteln von syrischen Flugzeugen aus, die gezeigte Nahrung stammt höchst wahrscheinlich aus Russland. Dennoch gibt es ein grundsätzliches Misstrauen und die Zivilbevölkerung ist sich nicht sicher ob diese Nahrung nicht vergiftet sein könnte und begab sich deshalb sicherheitshalber in die Krankenhäuser, um die Nahrung zu überprüfen. Anmerkung: Die Aussagen über das vergiftete Essen sind absolut unbestätigt und könnten höchst wahrscheinlich falsch sein.

 

Momentan gibt es auch unbestätigte Berichte von größeren Erfolgen im Handarat-Camp im Nordosten Aleppos, wo Liwa al-Quds (man erinnere sich an das geköpfte Kind) Erfolge erzielt haben soll. In Ostaleppo sollen sich zwischen 30.000 und 400.000 Zivilisten noch befinden, die niedrigeren Zahlen erscheinen aber wahrscheinlicher.

 

CocfSqBXYAAfeJV.jpg
Feierlichkeiten in Westaleppo

Anmerkung: Die Situation ist momentan

Ostaleppo nun vor faktischer Belagerung

Aleppo cut1 26july 5mordad (2).jpgNachdem bereits vor 3 Wochen eine Feuerkontrolle über die Castello-Straße als letzte Versorgungsstraße für die Opposition in Aleppo initiiert wurde, ist der Belagerungsring um Ostaleppo nun auch fast faktisch durch Bodenkontrolle geschlossen.

Seit der letzten Nacht konnte die SAA bzw. Tiger Forces enorme Erfolge erzielen: Im Norden wurde das Castello-Restaurant und der Castello-Komplex (nach Diesen wurde die Straße benannt) erobert und die Fahne inzwischen gehisst.

Im Süden unter der Führung der 4th Division hingegen konnte das komplette Layramoun-Industrieviertel und die dortigen Garagen und Busunternehmen an der Grenze erobert werden. Inzwischen wird das westliche Nachbarsviertel Bani Zeyd und das Östliche Dharet Abd Rabbo mithilfe von Luftschlägen und Artillerie beschossen.

Die Entfernung zwischen den beiden Punkten sind weniger als 1km und ist im Gesamten eine große weite Fläche mit geringer Chance auf urbanen Häuserkampf, insofern sind schnelle Erfolge ebenfalls zu erwarten.

Update bezüglich der Köpfung des Kindes

Cnvo4KXXYAAbMoE
Statement al-Zenki

Statement al-Zinki zum geköpften Kind

Harakat Nour al-Din al-Zenki veröffentlichte als Resultat für die Ermordung des Kindes ein Pressestatement. In diesem bezeichnen sie diese Tat als „menschenrechtsverletzende Aktion“ und werde die Täter in einem juristischen Scharia-Gericht ihre verdiente Strafe zukommen lassen, ergo es sich um einen individuelle „Fehler“ handelte, die in keinem Zusammenhang mit den „revolutionären Leitlinien“ al-Zenkis stehen. Im gleichen Atemzug aber warfen sie der Internationalen Staatengemeinschaft vor voreingenommen nicht auf eine solche Weise auf die Verbrechen des „Regimes“ hinzuweisen und aufgrund des „psychologischen Drucks“ der Belagerung die syrische Regierung ebenfalls schuldig daran ist. Keine nähere Angabe zum Kind selber. Teile der syrischen (diplomatischen) Opposition verurteilten ebenfalls innerhalb einer Pressemitteilung diese Tat.

CnwKGdYUkAA8X5h.jpg

Statement Liwa al-Quds zum geköpften Kind

Die Gruppe wo das Kind angeblich Mitglied als Kämpfer aktiv war, verneinte diese Behauptung und beschrieben Abdallah Issa als einen palästinensischen Flüchtling (Anmerkung: Hadarat ist bekannt für sein palästinensisches Flüchtlingslager, ähnlich wie Liwa al-Quds nur aus palästinensischen Mitgliedern aus diesem Camp besteht). Er wurde demnach von al-Zenki entführt, einige Quellen sprechen dort aufgrund den Kanülen an seinen Armen und einer Bandage am ganzen Bein von einer Entführung aus einem dortigen Krankenhaus.

Weiteres Videomaterial vor der Köpfung aufgetaucht

Der Kontext und Inhalt sollte klar sein, es ist in jeglicher Hinsicht fernab von dem Alter der Person eine absolut menschenverachtende Tat, die sie selber ja bereits als „schlimmer als IS“ bezeichneten. Wichtiges Detail: Die Islamisten gehen selber davon aus, dass es sich um ein Kind handelt, unabhängig davon ob er ein Soldat ist, oder nicht.

479.pngPersonen aus dem Video als Kommandanten identifiziert

Einige Tage nach der Köpfung wurden mehrere Personen innerhalb des Videos identifiziert. Darunter waren ebenfalls die zwei wichtigsten Kommandanten von al-Zenki, Omar Salkhu und Mohammed Mayuf. Ebenfalls wurde Metin Nehlawi identifiziert, der die  Person geköpft hatte. Eine Bestrafung des „Scharia-Gerichts“ innerhalb der Gruppe kann man also aufgrund der hohen Position eher vergessen.

Auch wurde dieses interessante Bild gefunden.

Cn47noYWcAEgGBA.jpgAngebliche Beweise, dass es sich um einen Soldaten handelte

Am Tag nach der Köpfung wurde laut Berichten die ID-Karte des Jungen gefunden, die sein Alter auf 19 (Geburtsjahr 1996) angibt. Sollte die Authentizität bewiesen werden (unwahrscheinlich aufgrund der Quelle, Caroul Al-Issa) so scheint es in einem kriegsgeschundenen Land keine sonderliche Schwierigkeit zu sein, erstens einen gefälschten Pass zu erhalten und zweitens nun mal einfach Diese zu fälschen. Eine Reaktion war ein Replikat mit dem Bild von Caroul Al-Issa als Beweis, wie simpel diese Pässe gefälscht werden könnten. Ebenfalls sagt der Pass nachgewiesenermaßen aus, dass die Person aus der Provinz Homs stammt und es sich angeblich um einen Alawiten gehandelt haben soll.

Cn3maH0UIAE3XaU.jpg13669029_148533855575418_96212181529042400_n.jpg

So machten ebenfalls Bilder die Runde, die den Jungen als Soldaten dargestellt hatten, die Poster sollen von der Beerdigung des „Märtyrers“ stammen, nahe Homs. Die Familie soll ebenfalls die Geschichte auf Facebook bestätigt haben, dazu fehlt mir aber die Quelle. Auch soll zur Erklärung des Aussehens die Theorie beitragen, dass er unter verschiedenen Krankheiten (unter anderem Thalassemia) gelitten hat und dementsprechend auch die Kanülen getragen haben soll. Zugleich soll es sich aber um einfache photogeshoppte Bilder handeln, um wie im Nahen Osten üblich eine verstorbene Person als Held, als Märtyrer darzustellen. Also hatte die Person wohl nie eine solche Waffe, geschweige denn tragen können.

Dort wiederum stellt sich die Frage, wieso ein syrischer Junge aus Homs bei Hakarat innerhalb einer palästinensischen Gruppe aktiv sein soll. Ganz zu schweigen von seinen Krankheiten, die eine ständige medizinische Versorgung benötigen.

Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass es sich bei dem Jungen um einen Soldaten von 19 Jahren handelt, so relativiert dies selbstverständlich nicht die menschenverachtende Tat der Köpfung. Zugleich wäre es aber ein entschiedener Unterschied für syrische Verhältnisse, die Köpfung von Gefangenen ist keine besondere Seltenheit und erfreut sich an Beliebtheit innerhalb der Opposition.

Kind von FSA lebendig geköpft

Nach schweren Kämpfen nahe des Handarat-Camps im Nordosten der Stadt Aleppo zwischen der regierungstreuen, dort ansässigen, palästinensischen Liwa al-Quods und der vom Westen unterstützten FSA-Gruppierung Harakat Nour al-Din al-Zenki konnte al-Zenki nach eigenen Angaben angeblich 13 Gefangene nehmen, worunter ein sehr junges Kind zu sein schien.

Das Kind wurde als Kindersoldaten der gegnerischen Miliz angesehen, nachdem sich in Handarat aufgrund der schweren Kämpfe und Frontgebiet fast keinerlei Zivilisten mehr aufhalten. Eingesetzte Kindersoldaten sind zum momentanen Zeitpunkt ein unbekanntes Mittel bei Liwa al-Quods (die grundsätzliche Toleranzgrenze bei regierungstreuen Milizen liegt bei 16 Jahren), womöglich könnte es sich aber um ein Kind handeln, welches eine unterstützende Rolle wie z.B. Transport von Munition etc. zur Aufgabe hatte. Diese Tat ist ebenfalls in jeglicher Hinsicht zu verurteilen.

Cnuj61HWIAAt-l2.jpg
Gefangenes Kind

Als Reaktion auf diese Beschuldigung wurde das Kind zuerst vor laufender Kamera denunziert & geschlagen und danach lebendig geköpft. Eine solche Tat ist selbst für Gruppierungen wie Daesh brutal, die Köpfe zum Fußball spielen benutzten. Umso erstaunlicher ist es, dass eine solche Tat von der FSA verübt wurde.

 

Edit: Es soll sich um einen 12-jährigen Jungen gehandelt haben.

Castillo-Straße erobert!

In der gestrigen Nacht am 17. Juli schaffte es die offensive Eliteeinheit der syrischen Armee „Tiger Forces„den Belagerungsring um Aleppo an seiner fragilsten Position zu verstärken und damit auch zu vertiefen. Direkt an der Hauptstraße wurde das gleichnamige Castello-Restaurant und weiter südwestlich befindliche Tel Castello-Hügel erobert. Damit befindet sich die Straße nicht mehr nur unter Feuerkontrolle, sondern auch unter faktischer Bodenkontrolle.

Den Erfolgen gehen weitere Erfolgen im Laraymoun-Industrieviertel südlich der Position voraus. Mit der Feuerkontrolle über den Layramoun-Kreisverkehr befindet sich quasi das gesamte Viertel unter der Kontrolle und nur noch die Beni Zeid-Nachbarschaft steht einer Vereinigung der beiden Offensiven entfernt, um die Belagerung perfekt zu machen.

8fa68e8481076fd09240cfce.jpg
Rot: Layramoun-Kreisverkehr Gelb: Layramoun-Industrieviertel Grün: Castello-Restaurant + Hügel Blau: Castello-Straße

Aktive Oppositionsgruppen in Aleppo

Da scheinbar eine große Unklarheit von den involvierten Parteien in den Kämpfen um und in Aleppo herrscht und diese von ungenauen Aussagen wie „moderaten Rebellen“ bis hin zu äußerst fragwürdigen Aussagen wie Daesh reicht, versuche ich eine gewisse Klarheit in die Situation zu bringen. Vollständigkeit ist nicht garantiert.

 

 

Weitere Gruppierungen die höchst wahrscheinlich vertreten sind:

  • Haqq Brigade
  • Ansar al-Khilafah
  • Fajr al-Khilafah
  • Furqan Brigade
  • Authenticity & Development Front
  • Bayariq al-Islam
  • al-Hurriyah
  • al-Izzah
  • Fastaqm Kamar Umit

 

Zuletzt sind nochmal die zwei relevantesten Oppositionsbündnisse bzw. deren Mitglieder erwähnt, da deren Namen primär medial gefallen sind und nicht die der jeweiligen „Untergruppen„. Dementsprechend fallen auch Namen, die nicht in Aleppo aktiv sind, aber aufgrund der medialen Berichterstattung es durchaus sein könnten.

Das grundsätzliche Wissen sollte aus den zwei großen Bündnis bestehen; die salafistische Jaysh al-Fateh und der Fatah Halab, ein bunter Mix aus allen möglichen Positionen ist dort vertreten.

Aleppo ist nun belagert!

CmwPkq7XEAAp0Pl.jpg
Stadt Aleppo & Umgebung

Kriegsentscheidende Informationen bringt eine neue Nachricht aus Aleppo hervor, dass die letzte große Versorgungsroute der Opposition zu Aleppo erfolgreich durch die Syrische Armee gekappt wurde.

Trotz gestern einseitig verkündeter Waffenruhe konnte der SAA mithilfe einiger weiterer Milizen (z.B. NDF, palästinensische Liwa al-Quds) und der Eliteeinheit der Tiger Forces der Durchbruch im Norden Aleppos gelingen und damit erfolgreich die letzte große Versorgungsroute der Opposition – die Castello-Straße – kappen. Dieser Eroberung geht eine Woche schwerer Kämpfe um die Mallah-Farmen voraus, welche auf beiden Seiten für hohe Verluste sorgte.

CmdDq-_VIAAXL0w.jpg
Materielle Verluste der Opposition am 1-3. Juli

Die Mallah-Farmen im Norden der Stadt waren Ausgangsort für die dortige Operation und ist aufgrund eines sehr flachen und ländlichen Geländes grundsätzlich sehr schwer zu verteidigen gewesen, weswegen es oft zum Wechsel des Besitzers kam. So gibt es etwa z.B. Zahlen zu der Oppositionsgruppe „Harakat al-Zenki“, die von mehr als 300 Toten reden, Jaysh al-Tarir ~75 Tote etc.

Nachdem am 7. Juli der endgültige Durchbruch bei der Eroberung der südlichen und westlichen Mallah-Farmen um Ard al-Mallah gelungen ist, besitzt die SAA durch dortige Hügel wie Jabenja und Humrah die Feuerkontrolle über die Straße, welche etwa ~1km von den Stellungen der SAA entfernt ist.

CmwQNWAWEAEJhut.jpg
Gelb: Mallah-Farmen, Grün: Industrieviertel, Rot: Handarat

 

Zum gleichen Zeitpunkt um den Druck weiterhin zu erhöhen gab es Kämpfe östlich der Mallah-Farmen um den Handarat-Distrikt und nördlich der Stadt Aleppo in einem Industrieviertel, wo es schwere Kämpfe um die Shabib-Fabrik gab; Autobomben von al-Nusra und Sprengung von unterirdischen Tunneln inklusive.

Eine nicht zu vergessende Rolle spielte aber auch das von der YPG gehaltene, kurdische Viertel Sheikh Maqsoud, welches aufgrund von ständigen Aggressionen der Opposition mehrmals die Versorgungsstraße angegriffen hat.

4.JPG
Der Verlauf der Versorgungsstraße

 

Auch wenn die Belagerung Aleppos momentan jederzeit durchbrochen werden kann und ebenfalls noch nicht vollständig abgeschlossen ist so ist dies ein äußerst wichtiger Sieg der Regierung für die Schlacht um Aleppo. Eine endgültige Eroberung wird sich aber dennoch Jahre hinziehen, solange kein diplomatischer Versuch wie in Homs gestartet wird. Außerdem werden wohl weiterhin Schmuggelrouten für die Versorgung innerhalb der Stadt existieren. 

 

%d Bloggern gefällt das: