Oppositioneller Bombenanschlag auf Zivilbusse – 90 Tote

 

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Nahe der syrischen Stadt Aleppo sind durch eine Explosion in der Nähe eines Evakuierungskonvois mindestens 90 Menschen getötet worden, die Anzahl der Toten nimmt immer weiter zu. Der Sprengsatz soll ein angeblicher Krankenwagen in Form einer Autobombe gewesen sein. Angegriffen wurden 3-4 Busse aus den Orten Fu’ah und Kafraya. Weitere 40 Personen sollen verletzt sein, über ihre Versorgung gibt es widersprüchliche Angaben. Angeblich wurde zunächst von der Opposition die Krankenversorgung für 2 Stunden verhindert, danach sollen sie in die Türkei transportiert worden sein. Andere Quellen sprechen von der Notversorgung in Aleppo.

Die dortige schiitische Bevölkerung ist seit 2015 vollständig belagert und ist immer wieder den spontanen Angriffen der Islamisten in Idlib ausgesetzt, welches bisher vielen Menschen das Leben kostete und zu den härtesten Belagerungen in Syrien zählt. Der Ort des Geschehens war Rashidin, ein westlicher Vorort von Aleppo, der sich in der Hand der Opposition befindet. Bei dem Anschlag kamen ebenfalls ~20 oppositionelle Kämpfer ums Leben. Der Täter ist derzeit ungeklärt, möglich sind Schläferzellen des IS in der Gegend, oder vereinzelte Mitglieder von Jund al-Aqsa, die dem Islamischen Staat ebenfalls nahe stehen. Auch möglich sind diverse Trittbrettfahrer von den islamistischen Gruppierungen, mit denen man überhaupt erst diesen Deal vereinbarte. Die dortige Bevölkerung gilt als äußerst verhasst und wurde mehrmals von sunnitischen Klerikern zu „Tieren“ degradiert. In der Tat ist dieser Akt kein Ausnahmefall: Bereits vor einigen Monaten steckten einige Islamisten die Evakuierungsbusse für Fu’ah in Brand und töteten einen Busfahrer.

Insgesamt sollen die Busse  etwa 5.000 Menschen nach Aleppo bringen. Außerdem sollen mehr als 2.000 Oppositionskämpfer und Aktivisten aus den von Regierungstruppen umzingelten Städten Madaja und Zabani gebracht werden. Durch die jahrelange Belagerung gibt es in den vier Städten kaum Lebensmittel. Auch an medizinischer Versorgung mangelt es.

Update 16.4.

Später veröffentlichte Videos zeigen wohl die Autobombe, welche entgegen oppositionellen Behauptungen kein Krankenwagen darstellt. Hinzu kommt die Fahrtrichtung des Autos auf der rechten Straßenseite, das Fahrzeug kam also aus oppositionellen Territorium.

Armee erobert Deir Hafer

Einheiten der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) eroberten offiziell Deir Hafer, die zweitgrößte Stadt unter der Kontrolle des Islamischen Staates in der Provinz Aleppo. Bereits Wochen zuvor flohen die letzten Kämpfer des Islamischen Staates aus der Stadt, bevor sie vollständig belagert und alle Nachschubwege gekappt wurden. In diesem Zeitraum schickte man u.a. russische und syrische Pioniere in die Stadt, um Minenaufräumarbeiten zu betreiben und damit die Stadt wieder vollständig für zivile Geschehnisse nutzbar zu machen. Bilder und Videos zeigen eine Stadt, die scheinbar vollkommen verlassen ist. Zugleich ist Deir Hafer von Kämpfen relativ unberührt geblieben, da wie bereits erwähnt alle Kämpfer sich zuvor zurückzogen und die Kämpfe an den umliegenden Gebieten und Dörfern stattfanden.

Mit der Kontrolle von Deir Hafer sichert sich die SAA den M4-Highway von Aleppo nach Raqqah als Versorgungslinie. Nächstes Ziel werden höchst wahrscheinlich die Jirah-Luftbasis, wovon die Frontlinien weniger als einen Kilometer entfernt sind. Durch die Oppositionsoffensive in Nord-Hama verlangsamte sich aber der Vorstoß gegen den Islamischen Staat in der Provinz Aleppo, große Teile der dortigen Einheiten mussten abgezogen werden. Dennoch eroberte man weiter östlich von Deir Hafer die Dörfer Kharayih Diham, al-Sagirah, Gharbi Saghir, Jubb Madi, al-Zakiyah und al-Musherfah.

Armee belagert Stadt des IS

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Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) unter der Führung der offensiven Eliteeinheit „Tiger Forces“ konnte nach langsamen, aber sehr erfolgreichen Eroberungen die zweitletzte Stadt Deir Hafer des Islamischen Staates in der Provinz Aleppo umkreisen und damit ein wichtiges Ziel in der gesamten Operation erreichen. Am heutigen Tage wurden die Orte Um Adash, Aqulah, Lalat Muhammed, Tal al-Sus, Kiyariyah und Ahmidyah erobert. In Zuge dessen wurde der Highway Raqqah-Deir Hafer unterbrochen, welcher der letzte Versorgungsweg des Ortes darstellen würde. Wie lange sich die dort stationierten IS-Kämpfer halten können ist von der Prioritätensetzung abhängig. Sollte der IS keinerlei Prioritäten im Gegensatz zu al-Bab auf Deir Hafer setzen, so wäre eine Einnahme innerhalb von 72 Stunden möglich.

Zuvor konnte die SAA sämtliches Territorium nördlich der Stadt einnehmen und damit den Euphrat erreichen. Diese Fortschritte führten zur Wiederaufnahme der Wasserversorgung in Aleppo, die zuvor von internationalen Hilfsorganisationen abhängig war. Weiter südlich konnte man bis an die Jihar-Luftbasis vordringen, ehemals eher als Flugschule als militärisch genutzt. Nach der Eroberung von Deir Hafer stehen zwischen SAA und Raqqah bzw. Tabqah nur noch die letzte Stadt des Islamischen Staates in Aleppo: Masakaneh. Dies würde ebenfalls die einzige Versorgungsroute zwischen Restsyrien und Aleppo (Illitryah-Khanaser) sichern, die immer wieder von Überfällen des Islamischen Staates betroffen war. Bei der Eroberung von Deir Hafer sind nicht nur die Tiger Forces aktiv, kleinere Präsenz besitzen auch die Cheetah Forces und Imam al-Baqir. Aufgrund der kritischen Situation in Nord-Hama mussten aber große Teile (und ihr Anführer Suleil al-Hassan) verlegt werden, was Kämpfe in und um Deir Hafer verlängern bzw. erschweren könnte.

Armee erobert Gebiet westlich von Aleppo

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Am Mittwoch startete die Syrisch-Arabische Armee (SAA) und die Republikanischen Garden eine Überraschungsangriff auf oppositionelle Verteidigungsstellungen südwestlich der Stadt Aleppo in der gleichnamigen Provinz. Dabei konnte das urbane Gebiet namens „Souq al-Jibs„vollständig zurückerobern, welches zuvor bei dem ersten Versuch erobert wurde, die Belagerung von Ost-Aleppo aufzuheben.

Durch diese Erweiterung der Pufferzone wird weiterer Beschuss auf die Stadt Aleppo minimiert, verschiedene Rashideen-Viertel sind damit nun unter Druck gesetzt. Der vorherige Artilleriebeschuss kostete vor einigen Wochen einem Mitarbeiter des Roten Halbmondes das Leben, 7 Weitere wurden verletzt.

 

Armee beginnt Offensive in Ost-Aleppo gegen IS

Die Syrisch-Arabische Armee startete mithilfe von verschiedenen syrischen Milizen, der NDF und der offensiven Eliteeinheit „Tiger Forces“ vor wenigen Minuten eine Offensive im Osten der Provinz Aleppo mit dem Ziel, Daesh vollständig aus der Provinz zu vertreiben.

Bisher gibt es Berichte von insgesamt drei eroberten Dörfern: Aabed, Rasm al-Alam und Mushayrafa. Die Letzten zwei sind aber bisher unbestätigt. Die Orte dort werden wahrscheinlich nicht bis schlecht geschützt sein, da der dortige Teil des Kalifats zurzeit von allen Fronten und Fraktionen mehrfach unter Druck gerät; außerdem werden die Ressourcen zurzeit eher in al-Raqqah benötigt. Besonders in der Provinz sorgt ein Bündnis zwischen türkischer Armee und oppositionellen Gruppierungen Daesh nahe al-Bab für Druck, auch wenn es seit knapp 1 Monat zu keinen wirklichen Fortschritten dort kam. Hinzu kommt jetzt eine weitere Front im Westen.

Das langfristige Ziel ist derzeit unbekannt. Erste Ziele werden wahrscheinlich der Ort Deir Hayfer und die umliegenden Felder sein, gefolgt von der Jihrar-Luftbasis und dem gesamten Wasserkanal vom Euphrat nach Aleppo, der die Stadt mit Trinkwasser versorgt. In den vergangenen Tagen wurde diese Leitung gekappt und Aleppo scheint ähnlich wie Damaskus unter Wasserproblemen zu leiden.

Außerdem wird damit der Nachschubweg nach al-Bab versperrt und zugleich ein möglicher Korridor für eine oppositionelle Operation nach Raqqah verhindert. Langfristiges Ziel könnte auch für die Syrisch-Arabische Armee die Eroberung Raqqahs, oder Tabqas sein.

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Situation in der Provinz Aleppo

 

Syrisches Verteidigungsministerium bestätigt: Aleppo vollständig befreit

Das Zentralkommando der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) bestätigte am 22. Dezember nun selber, dass sich die ehemals größte Stadt Syriens vollständig unter der Kontrolle der syrischen Regierung befindet. Nach 4 Jahren, 5 Monaten und 3 Tagen ist die Schlacht um Aleppo beendet. In den letzten Stunden fuhren die letzten 4.000 Kämpfer aus den letzten Bezirken Ost-Aleppos in die Provinz Idlib. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden insgesamt 35.000 Menschen aus Ost-Aleppo evakuiert.

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Feuerwerk (oder Waffensysteme) in Aleppo

Derweil feiern die Menschen im restlichen Aleppo nicht nur ein friedliches Weihnachten nach vier Jahren, sondern auch den militärischen Sieg und die Wiedervereinigung Aleppos mithilfe von Schüssen.

https://twitter.com/MmaGreen/status/812013048139485184

Was passiert nach Aleppo? Mögliche (militärische) Szenarien. 

1% Aleppos sind in der Hand der Islamisten

Erneut gibt es riesige, unerwartete Erfolge in Ost-Aleppo: Seit gestern Nacht konnte  die Syrisch-Arabische Armee & Verbündete wie Liwa al-Quds, Liwa al-Baqir, oder Suqur al-Sahara insgesamt 4 Viertel komplett einnehmen. Diese Viertel sind: Sheikh Sa’eed, al-Salheen, Fardos und Karm al-Dada.

Sheikh Sa’eed, al-Salheen und Karm al-Dada waren bereits in den vorherigen Tagen zumindest teilweise unter Kontrolle, z.B. al-Salheen zu 80% oder Sheikh Sa’eed zu 50%. Sheikh Sa’eed war über die ganze Jahre hinweg eine der wichtigsten Fronten für die Opposition in Ost-Aleppo, da sie vom dortigen Punkt aus einen Durchbruch nach Idlib ermöglichte. Nach 3 Tagen an harten Kämpfen und Verlusten auf beiden Seiten ist das Viertel nun vollkommen unter Kontrolle.

Durch diese weiteren Eroberungen besitzt die Opposition noch 2% der gesamten Stadt, 4-5% des ehemaligen Ost-Aleppos sind weiterhin unter ihrer Kontrolle. Rund 50% des Kessels sind alleine in den letzten 2 Wochen erobert worden.

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Update:

Die SAA hat nun sämtliches Territorium östlich des Queiq-Flusses erobert und damit zwei weitere Viertel vollständig erobert. Diese beiden Viertel sind al-Kallaseh und Bustan al-Qasr. Ebenfalls sollen Teile von al-Sukkari  erobert worden sein. Damit wird nur noch 1% der Stadt gehalten.

Riesige Geländegewinne der Armee in Ost- und Nordaleppo

Große Erfolge an zwei Fronten zu vermelden: Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) konnte einerseits mit der Unterstützung eigener kurdischer Milizen und der SDF entschiedene Erfolge in Richtung al-Bab erzielen. Es wurden insgesamt etwa 3 Dörfer erobert: Nayrabiyah, Shaykh Kif und Jubrah. Derzeit ist unklar, ob all diese Dörfer gemeinsam, oder nur von einer Seite kontrolliert werden. Würde Letzteres eintreffen und die SAA sämtliche Dörfer kontrollieren, so könnte das als einen Beginn auf die von Daesh gehaltene Stadt al-Bab gedeutet werden. Al-Bab ist bereits von der SDF vom Osten & Westen und von der TFSA (türkische unterstützte Opposition, Euphrates Shield) vom Norden her bedroht.

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Anmerkung: Derzeitige Kontrolle der Dörfer unklar

Dieser möglichen Offensive gingen syrische Luftangriffe auf die TFSA zuvor, wo ebenfalls 3 türkische Soldaten getötet wurden. Laut türkischen Medien gab es danach auch weitere Luftangriffe, wo mindestens 7 türkische Soldaten verletzt worden. Diese Berichte sind aber nicht bestätigt.

Signifikante Eroberungen in Ostaleppo

In Ostaleppo hingegen konnte die SAA mit der Unterstützung der Eliteeinheiten „Tiger Forces“ und „Republican Guards“, als auch von syrischen Milizen wie Liwa al-Quds äußerst wichtige Erfolge verzeichnen. So konnte inzwischen fast das gesamte Hanano-Viertel (Schätzungen zwischen 60-80% seit gestern) und große Teile des Jabal Badro-Viertels erobert werden. Die genaue Situation ist derzeit aber relativ unklar und man kann neue Fortschritte alle paar Stunden erwarten. Diese neuen Eroberungen offenbaren wohl den schlechten Zustand der Opposition im Norden des Kessels, nach dem Verlust des Handarat-Flüchtlingslagers/Viertels konnte man dort die größten Gebiete erobern. Scheinbar ist die Situation auch in einem solch urbanen Gelände wie Hanano dermaßen schlecht, dass Niemand sowas ursprünglich erwartet hätte.

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Veraltete Karte von gestern

Mit den neuen Eroberungen besitzt die SAA nun die Möglichkeit, den Kessel im Sakhur-Distrikt zu teilen und damit einen wichtigen Schlag gegen die Opposition zu setzen. Bei dem derzeitigen Tempo besteht sogar die Möglichkeit, dass Ostaleppo vor Mossul erobert werden könnte.

Edit: Aktuelle Karte:

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Regierung bietet Fußballspiel gegen Ostaleppo an

Die Bewohner Aleppos empfingen am Mittwoch zwei seltsam wirkende Nachrichten auf ihren Handys: Das Komitee der „nationalen Aussöhnung“ rief zu einem Fußballspiel am Donnerstag im Hamdaniyeh-Stadion auf. Sie bezeichneten es als eine „gute Geste auf dem Wege der [syrischen] Aussöhnung“.

Diese Nachrichten sind tatsächlich nichts Neues und der Kanal seit 2011 aktiv. Doch zuvor ging es eher um die üblichen Schlichtungsversuche, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. Deswegen wird dies von oppositioneller Seite als authentisch, aber sehr surreal gewertet.

Selbst in dem unwahrscheinlichen Falle eines Fußballspieles wird es keinen signifikanten Einfluss auf die darauffolgenden Tage in Aleppo haben, man könnte es eher als ein ähnliches Ereignis wie den Weihnachtsfrieden im 1. Weltkrieg bezeichnen.

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„Alle Rebellen und Zivilisten die bei dem Fußballspiel anwesend sein wollen oder teilnehmen möchten, sollen am Donnerstag (24.11.) um 12 Uhr im Hamdaniyeh-Stadion die vorher angekündigten Passagen nutzen, um das Stadion zu erreichen.“

„Rebellen in Ostaleppo, die Regierung der Aleppo-Provinz lädt euch zu einer Teilnahme am Fußballmatch als positives Zeichen der (nationalen) Versöhnung ein.“

Proteste in Ostaleppo wurden gewaltsam niedergeschlagen

Scheinbar kam es am 15. November zu einer Demonstrationsversammlung von Zivilisten im belagerten und von der Opposition gehaltenen Ostaleppo. Entgegen den üblichen Duktus handelt es sich um einen Protest gegen die Opposition, denen es vorgeworfen wird, die rund 40.000-100.000 Zivilisten in Ostaleppo als Geiseln zu nutzen. Sie fordern derweil freies Geleit aus Ostaleppo und die Beseitigung von „Banden“.

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Mögliche Position der Proteste

Die Proteste sollen im al-Fourdan-Viertel stattgefunden haben, nach einem Versuch des Geolocating könnte es sich womöglich exakt um diesen Ort an der Grenze zum Kallaseh-Viertel befunden haben. Aufgrund des fehlenden Videomaterials handelt es sich hierbei aber nur um eine Theorie.

Ab Minute 0:38 hört man im ersten Video bereits Schüsse, das zweite Video zeigt die Flucht der Demonstranten von diesen Schüssen. Angeblich sollen laut dem russischen Verteidigungsministerium bei den Protesten 27 Zivilisten getötet und Hunderte verletzt worden sein, wie viele andere Proteste es gab ist unbekannt. Die Zahl erscheint aber recht hoch und daher unwahrscheinlich, vor allem da es fernab des Verteidigungsministerium keine Berichte dazu gab.

Unklar ist auch, ob sich diese Demonstrationen tatsächlich gegen die Opposition insgesamt, oder nur gegen bestimmte Teile richtet. So gibt es ebenfalls Videos von Protesten (nicht ersichtlich, ob die gleichen Proteste) die unter anderem Fahnen des islamistischen Bündnis der Jaysh al-Fateh, Gründungsmitglieder sind z.B. Fateh al-Sham oder Ahrar al-Sham, zeigen. Dementsprechend könnte es sich entweder um eine pro-islamistische Demonstration handeln,  die sich für eine Vereinigung der Opposition unter der Flagge von JFS einsetzt, oder einfach ein Protest gegen andere Gruppierungen wie z.B. Fastaqem Union oder Nour al-Din al-Zenki sein. Diese führten in den letzten Wochen Kämpfe um Ressourcen in Ostaleppo gegeneinander, welches auch zu Toten führte.

So oder so zeigt die Demonstration die Instabilität und katastrophalen Verhältnisse in Ostaleppo. Bei einer Intensivierung der Belagerung oder Demoralisierung durch gegnerische Eroberungen könnte diese Eskalation zunehmen und sich sehr gefährlich für die dortige Zivilbevölkerung entwickeln entwickeln. Der große Nutznießer: Die syrische Regierung.

Armee beginnt Operation „Siegesdämmerung“ in Aleppo

Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) begann um 24 Uhr Ortszeit die sogenannte Operation „Siegesdämmerung“. Ziel dieser Operation ist die komplette Eroberung von Ostaleppo, nachdem Diese seit einigen Monaten erfolgreich belagert wird. Daran beteiligt ist primär die SAA mit massiver Unterstützung der Eliteeinheiten der Tiger Forces und den Republikanischen Garden. Ebenfalls aktiv ist die Hisbollah, verschiedene irakische Milizen wie Harakat al-Nujaba und verschiedene syrische Milizen wie die in Aleppo ansässige Liwa al-Quds und/oder Nusur al-Zawba’a. Befehlende Kommandanten sind dabei der Anführer der Tiger Forces Suleil al-Hassan und General Zaid Saleh. Außerdem wird im Gegensatz zu den vergangenen Wochen ebenfalls die russische Luftwaffe aktiv werden, jetzt mit besonderer Unterstützung des russischen Flugzeugträgers „Admiral Kusnezow“.

Dem Beginn der Operation geht die Frist einer 24 Stunden andauernden Möglichkeit zur Amnestie aus Ostaleppo voraus, die an alle Bürger Aleppos per Handy geschickt wurde. Nichtsdestotrotz gilt die versprochene Generalamnestie seit Beginn des Konfliktes und wurde insofern nur nochmal bekräftigt. Auch gab es in den vergangen Wochen Kämpfe zwischen den verschiedenen Oppositionsparteien in Ostaleppo über den Umgang von Fluchtmöglichkeiten, oder Ressourcen. Dabei sollen rund 15 Kämpfer gestorben sein.

Die Operation beginnt mit dem Beschuss durch Raketen (u.a. durch russische Schiffe) und Luftschläge in ganz Ostaleppo, vor allem dem Hanano-Distrikt.

 

al-Assad-Viertel in Aleppo zurückerobert | Aleppo-Offensive gescheitert

In den letzten 24 Stunden konnte die Syrisch-Arabische Armee, angeführt von der offensiven Eliteeinheit der Tiger Forces unter Suleil al-Hassan, der Hisbollah und kleineren Milizen wie der Nusur al-Zawba’a wichtige Eroberungen im Westen der Stadt Aleppo verzeichnet werden und dabei die letzten erkämpften Territorien der oppositionellen Aleppo-Offensive zurückerobern.

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Eroberungen der letzten 24h (gelb umrahmt)

Die größte Errungenschaft dafür gilt dem al-Assad-Viertel, ein mehrheitliches Villenviertel mit einer katholischen Schule und mehreren diplomatischen Institutionen (wie z.B. die philippinische Botschaft). Sie war zuvor von drei Fronten im Süden, Westen & Norden umkreist, war insofern ein leicht eroberbares Ziel. Nachdem sowohl das „1070 Housing Project“, als auch das nördlich gelegene Dorf Minyan (mit dazugehörigen Industriebezirk weiter westlich) erobert wurde, wurden die Flanken gesichert und damit der Effekt umgekehrt. Die Opposition hatte keine Chance und musste sich zwangsweise von dort zurückziehen. Nebenbei wurden auch die Minyan-Sägemühlen nordwestlich erobert. Als nächste Ziel konnte man die Rashadin-Bezirke beobachten, nachdem es bereits Mörser- und Artillerieangriffe darauf gab.

Syrische Armee erobert 1070 Housing Project | Belagerung Ostaleppos vertieft

Die Syrische Armee konnte in den letzten Stunden territorial kleines, aber strategisch umso wichtigeres Gebiet erobern: Das 1070 Housing Project. Dabei handelt es sich um ein Komplex von nicht fertiggestellten Apartments an der südwestlichen Ecke der Stadt Aleppo.

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Momentane Situation

Der Kampf wurde nicht innerhalb des Projektes gewonnen, sondern weiter südlich: Die offensive Eliteeinheit der „Tiger Forces“ unter der Führung von Suleil al-Hassan konnte in den letzten 48 Stunden die Hügel al-Rakhm und Mutah erobern. Die reguläre Syrisch-Arabische Armee und Hisbollah sollen ebenfalls involviert gewesen sein. Die Hügel gaben nicht nur eine erhöhte Position gegenüber den Apartments, sondern die Opposition stand demnach auch vor einer Trennung ihrer Nachschubversorgung dort. Als Reaktion scheint es einen taktischen Rückzug aus dem gesamten Bezirk gegeben zu haben, nachdem sie zuvor rund ~80% des 1070 Housing Project kontrolliert hatten.

Das 1070 Housing Project war aufgrund der Aleppo-Offensive der Opposition Eines der umkämpftesten Gebiete, so wurden z.B. dort einige Selbstmordattentäter bzw. SVBIEDs benutzt. Durch deren Verlust wird es der Opposition umso schwerer, den weiter nördlich liegenden „3000 Apartments Project“ zu erobern, nachdem es bereits jetzt keine Erfolge verzeichnen konnte. Außerdem rückt damit das al-Assad-Viertel in ungreifbare Nähe, der einzig erwähnenswerten Eroberung der Opposition in ihrem Versuch, den Belagerungsring zu durchbrechen…

„Die große Schlacht um Aleppo“ ist nach 2 Tagen gescheitert

Zwei Tage seit dem Beginn der nach dem ehemaligen Bananenverkäufer und getöteten Jaysh al-Mujaheedin-Kommandanten Yusuf Zo’ah benannten Offensive zur Aufhebung der Belagerung von Ostaleppo zeigen sich mehrere klare militärische Verhältnisse: Den Islamisten unter der Führung von Jaysh al-Fateh gelingt kein Durchbruch, trotz westlicher Unterstützung und ausländischen Selbstmordattentätern.

Der Beginn der Offensive am 28. Oktober begann verheißungsvoll: Nach wenigen Stunden konnte die Opposition, angeführt vom islamistischen Bündnis Jaysh al-Fateh unter der Obhut von Fateh al-Sham, bereits die Eroberung des al-Assad-Viertels im Westen der Stadt vermelden. Ebenfalls gab es kleinere Eroberungen nördlich und südlich des Viertels, sowohl mehrere Fabriken in Miniyan und weiter nördlich bei den Obari-Farmen & Umgebung konnte die Opposition für sich beanspruchen. Am nächsten Tag konnten ebenfalls fast die letzten Teile des 1070 Housing Projects erobert werden.

Daraus resultierend drohte mehreren zivilen „Kernvierteln“ Westaleppos die Flankierung von mehreren Seiten, unabdingbar für die Eroberung dieser Bezirke. Weitere Angriffe gab es auf den Zahra-Distrikt weiter nördlich, aufgrund fehlender Erfolge und Stärke wird es sich hierbei aber wohl eher um eine Ablenkung gehandelt haben.

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Angriff eines Selbstmordattenäters (SVIED) auf al-Assad

Diese Erfolge waren vor allem einer Waffe geschuldet: Selbstmordattentätern. Alleine am ersten Tag sollen mindestens 5 Selbstmordattentäter mithilfe von mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge mehrere Positionen in al-Assad und 1070 gesprengt haben.  Dabei bekannte man sich medial zu folgenden Selbstmordattentätern, welche als Märtyrer gefeiert werden:

  1. Batar al Jazrawi, saudischer Staatsbürger und Mitglied von Jund al-Aqsa
  2. Hudhayfa al-Turki, türkischer Staatsbürger und Mitglied der zentralasiatischen Turkmen Islamic Party
  3. Mus’ab Fayyad, syrischer Staatsbürger und Mitglied von Fateh al-Sham
  4. Omar al Masri, ägyptischer Staatsbürger und Mitglied von Fateh al-Sham
  5. Abu Haitham al Masri, ägyptischer Staatsbürger und Mitglied von Fateh al-Sham
  6. Abdul Aziz Turki, türkischer Staatsbürger und Mitglied der Turkmen Islamic Party (29. Oktober)
  7. Shahidallah al-Turkistani, wahrscheinlich ein Uigur, Mitglied der Turkmen Islamic Party (30. Oktober)
  8. Khatab al-Tabuki, saudischer Staatsbürger und Mitglied von Fateh al-Sham (3. November)

Anfängliche Erfolge bleiben aus

Trotz dem Einsatz mehrerer Selbstmordattentäter und auch mehreren tausend Soldaten konnte die Opposition weiterhin nicht vordringen und dadurch ihr Momentum verlieren, Eines der stärksten Waffen. Die Hauptachse des Angriffes befand sich nun auf Miniyan und New Aleppo. Der Erfolg blieb aus, einige Journalisten filmten Positionen direkt am Kreisverkehr vor dem Distrikt. Die darauffolgenden Tage bis heute blieben ruhig, die Kämpfe scheinen nun in Miniyan und zwischen al-Assad und 3000 Apartment Project weiterzugehen. Große Mengen an Panzer und Truppentransporter sollen zerstört worden sein.

Die Armee und ihre Verbündete sollen weitere Verbände nach Aleppo beordert haben, so soll die in Aleppo ansässige syrisch-palästinensische Liwa al-Quds mindestens 3000 Mitglieder dort versammelt haben (siehe Video).  Ebenfalls sind in kleineren Mengen ebenfalls die irakische und libanesische Hisbollah aktiv, wobei sie eher Positionen nahe dem Internationalen Flughafen der Stadt im Osten übernehmen. Die russische Luftwaffe hingegen soll erst in den letzten Tagen aktiv geworden sein, möglicherweise hatte man die nötige Logistik für den eigentlich geplanten Großangriff der Regierung auf Ostaleppo geplant.

Das Ergebnis: Die Opposition konnte ihr Ziel nicht erreichen, die Belagerung von Ostaleppo aufzubrechen.

Vorwürfe von Giftgasangriffen durch die Opposition

Als Ergebnis durch den Dauerbeschuss von zivilen Gebäuden und Bezirken im Westen der Stadt (vor allem durch Hellcannons) kam es zu mindestens 53 getöteten Zivilisten in den ersten 4 Tagen des Angriffes, wie selbst die SOHR behauptete. Die Syrisch-Arabische Armee geht im gleichen Zeitraum von 84 getöteten Zivilisten & 280 Verletzten aus. Auch wird der Opposition vorgeworfen, in einem Angriff auf al-Hamdaniyah etwa 20 Giftgaskanister genutzt zu haben, was zu 48 Fällen der Erstickung führte. Derweil wurde auch das UN-Büro in Westaleppo direkt beschossen.

Innere Kämpfe zwischen Gruppen in Ostaleppo – Tote

Außerdem kam es zwischen verschiedenen islamistischen Gruppierungen im belagerten Ostaleppo zu Kämpfen und sogar Toten, der genaue Grund ist derzeit unklar. Einige sprechen von Ressourcen- und Machtverteilung innerhalb den Strukturen in Ostaleppo, Andere über den Umgang mit den „humanitären Flüchtlingskorridoren“ der syrischen Regierung und ob sie als Fluchtweg genutzt werden sollten.  Aufgrund dessen soll die FSA-Gruppe Fastaqem Union von der USA unterstützten Nour al-Din al-Zenki (bekannt für ihre Enthauptung eines 12-jährigen Kindes) angegriffen worden sein. Die Sham Front versucht diese Streitigkeit zwischen beiden ehemaligen Mitgliedern zu beenden, bisher ohne Erfolg. Diese Kämpfe sollen sich laut SOHR auch auf Idlib übertragen und insgesamt 18 Tote gefordert haben.

Oppositionsgruppen, die in der 2. Aufhebung der Belagerung involviert sind

Anmerkung: Aufgrund der Aktualität der Offensive können sich die beteiligten Gruppen jederzeit ändern bzw. zunehmen. Dementsprechend ist auch keine Vollständigkeit garantiert.

 

Laut Charles Lister sind ebenfalls folgende Gruppen aktiv, ohne genaue Beweise dazu zu nennen:

  • al-Jabhat al-Shamiya
  • 16th Division
  • Jaysh al-Tahrir
  • Jaysh al-Izza
  • Liwa Ahrar al-Sunnah
  • Jaysh al-Sunnah
  • Liwa al-Haqq
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