Islamistische Latakia-Offensive

In der syrischen Küstenprovinz Latakia konnte ein Bündnis zwischen Islamisten und FSA große Erfolge im gebirgigen Norden erringen und damit die strategisch wichtige, christliche Stadt Kinnsiba erobern. Der Eroberung gehen 4 Tage von vorherigen Verlusten voraus. 

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Die gesamten Verluste gegenüber der Nacht

 

Über die Nacht vom 31. Juni zum 1. Juli konnte das salafistische Bündnis angeführt von al-Nusra/al-Qaida (darunter auch die Islamische Turkestan-Partei) mithilfe von verschiedenen FSA-Divisionen Teile von Jabal al-Akrad erobern. Nach monatelangen Rückschritten und den verlustreichen Niederlagen der letzten Tage konnte ihnen der Durchbruch gegenüber der Nacht geschehen, nähere Informationen sind dabei unbekannt. Dabei wurden verschiedene Ortschaften wie al-Hamrat, Shulayf, Ain al-Qantara, oder Kinnsiba bzw. deren wesentlich relevanteren Hügel/Berge erobert. Die SAA und weitere regionale Milizen (z.B. „Syrian Resistance“) haben sich angeblich durch die unerwarteten und ungewöhnlichen Nachtangriffe strategisch zurückgezogen, auch lässt das erbeutete Material und wenigen Toten größtenteils darauf schließen.

Das gegnerische Bündnis bestand einerseits mit seiner Hauptlast von ~80% aus der salafistisch-islamistischen „Jaysh al-Fateh“ (prominente Mitglieder sind al-Nusra, TIP, Ahrar al-Sham) und weiteren FSA-Gruppen die vor allem Unterstützung mit ihren Panzerabwehrwaffen, der TOW, geleistet haben. Beispiele hierfür sind z.B. die 1st und 2nd Coastal Division. Ebenfalls beachtenswert ist bei den Videos, dass ein großer Teil der Mitglieder von Jaysh al-Fateh aus verschiedenen Ländern sind, vor allem wird das durch die usbekischen und uigurischen Mitglieder der Islamischen Turkestan-Partei zum Ausdruck gebracht.

Laut Ahrar al-Sham konnte man 4 T-55, 1 BMP, 1 Raketenwerfer und 1 Gefangenen bei der Schlacht um Kinnsiba vernehmen, nähere Informationen sind unbekannt. Laut einigen Reportern ist bereits eine Gegenoffensive der SAA geplant, eventuell könnte man die Unterstützung der russischen Luftwaffe ebenfalls erwarten, da sie nicht involviert war bzw. bei den Mallah-Farmen im Norden Aleppos derzeit besonders aktiv sind.

Jaysh al-Fateh (al-Nusra?) in Kinnsiba

1st Coastal Division in Kinnsiba

Propagandavideo von Jaysh al-Fateh zur Offensive

 

 

 

Nein, die USA hat NICHT den IS-Konvoi angegriffen

In den Medien geht zurzeit scheinbar das Gerücht umher, dass der Daesh-Konvoi  nahe Fallujah von über 100 Fahrzeugen von (oder mithilfe) der amerikanischen Luftwaffe vernichtet wurde. Der Ursprung für diese Information scheint unbekannt, einige Medien sprechen von Fox News als ihre Quelle und Reuters beruft sich wiederum auf „Regierungskreise“.

Im Gegensatz dazu gibt es wiederum widersprüchliche Berichte die sogar behaupten, dass die USA einen solchen Einsatz auf die Anfrage des irakischen Verteidigungsministeriums abgelehnt haben, die Gründe sind unbekannt. Dementsprechend musste die irakische Armee verbündet mit den irakischen Milizen der PMU unabhängig und schnell agieren.

Der Konvoi der sich laut der PMU in Richtung Syrien begab wurde letztendlich vollends von der irakischen Luftwaffe vor allem mithilfe von Helikoptern (z.B. Mi-35M, Mi-28NE, EC635) vernichtet werden, wobei die Verluste zwischen 40 und 170 „Transportern“ und ~250 und 750 toten Kämpfern des Daesh schwanken. Beachtenswert ist im Video auch der Einsatz von Raketen, welches bei der amerikanischen Luftwaffe bei derartigen Einsätzen nie vorkommt.

In Kurzfassung: Fernab des Statements der USA bzw. der „Regierungskreise“ gibt es keinerlei Beweise für eine amerikanische Involvierung in dem Einsatz, die wirklichen aktiven Fraktionen (z.B. irakische MoD, PMU) verneinen den Einsatz der amerikanischen Luftwaffe und ebenfalls von dem Videomaterial gibt es keinerlei Beweise her. Es ist natürlich korrekt dass die USA die irakischen Soldaten/Piloten ausbildet und in einem begrenzten Sinne Logistik und Material bereitstellt, aber das entspricht in keinster Weise der Behauptung der Medien.

Die Abu Kamal-Offensive der FSA

Oppositionelle Fallschirmjäger, amerikanische Helikopter, irakische Milizen, jordanische, amerikanische und britische Eliteeinheiten – mit diesen wenigen Worten lässt sich diese Offensive und zugleich ihren Irrsinn zusammenfassen. Von einer einmaligen und unerwarteten Offensive.

Am Dienstag dem 28. Juni starteten verschiedene Bündnisse der FSA simultan an der irakischen Grenze einen Angriff auf die 60.000 Einwohner große Stadt Abu Kamal am Euphrat. Ausgehend von dem Al-Tanaf-Grenzposten im Südosten der syrischen Grenze zum Irak musste man sich durch ~250km der Syrischen Wüste kämpfen, um die Grenzstadt am Euphrat zu erreichen.

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Ausgangssituation zu Beginn der Offensive

An dieser Operation haben die folgenden Fraktionen teilgenommen: Neue Syrische Armee (NSyA), Ahmed Abdo Force, Easter Lions Army, Hawks Islam Battalion, 2nd Shaitat Regiment und die „First Company“. Ebenfalls waren auf der Seite der irakischen Grenze verschiedene sunnitische Al-Anbar-Stämme, die „Ghosts of the Deserts“ als irakische Miliz aus al-Qaim und sunnitische Einheiten der  Popular Mobilization Forces (PMU) südlich von al-Qaim aktiv, um den Vorstoß zu unterstützen und Aufklärung für amerikanische Luftschläge zu bieten. Die Luftschläge der „Anti-IS-Koalition“ begannen bereits Tage davor, so wurde z.B. das Aisha-Krankenhaus in Abu Kamal angegriffen und zerstört, da es sich angeblich um das dortige Hauptquartier vom IS gehandelt haben sollte. Unabhängig davon gab es ebenfalls Berichte der eigenen Soldaten von der Teilnahme amerikanischer SOF und jordanischen Eliteeinheiten. Zumindest lässt die geringe Mannstärke darauf schließen, dass ohne fremde Unterstützung eine solche Offensive nicht mal gestartet worden wäre und vom Pentagon bei ähnlichen Einsatz eine Involvierung bestätigt wurde. Auch gibt es Aussagen aufgrund der Erfahrung vom Einsatz der britischen SAS, die aber in keinster Weise bewiesen sind und ich persönlich als unwahrscheinlich bezeichnen würde.

 

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NSyA beim Fallschirmtraining

Das Einzigartige an der Operation war der Umstand, dass mithilfe von (wahrscheinlich drei amerikanischen o. jordanischen) Helikoptern einige Soldaten der Neuen Syrischen Armee etwa 4km westlich des Ortes abgeworfen wurden, um hinter den Reihen des Feindes zu agieren. Die jeweiligen Soldaten wurden von Jordanien & der USA Wochen davor für einen derartigen Einsatz ausgebildet und konnten bereits Erfahrung bei einem Angriff auf das dortige Ölfeld sammeln, wurden aber recht schnell wieder zurückgeschlagen. Im gleichen Zeitpunkt zur Landung wurden auch Schläferzellen innerhalb des Ortes aktiviert, die z.B. erfolgreich Jamal Turki Issawi (Abu Abd al-Azziz) mit einer Autobombe umbringen konnten, dem „Vertreter des Euphrates“ bei Daesh. Als Gegenreaktion köpfte Daesh 5 vermeintliche Spione der NSyA in Abu Kamal.

Im gemeinsamen Vorstoß  der primären Einheiten konnten sie weite Teile des Umlandes der Stadt erobern, z.B. mithilfe der Fallschirmjäger den Al-Hamdan-Flughafen und das Dorf al-Sukariyah. Ebenfalls konnten angeblich diverse Viertel der Stadt selber erobert werden, so wurde das Industrieviertel von Ahmed Abdo erobert, das Krankenhaus und den Grenzposten zum Irak zwischen al-Qaim und Husabayah.

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AMAQ zu den Verlusten

Trotz der Erfolge die sich zu Beginn abzeichneten konnte Daesh sein „Kernland“ erfolgreich verteidigen und den Gegner zurückwerfen. Laut Angaben der IS-Nachrichtenagentur AMAQ kam es  zu 15 Gefangenen, ~40 Toten und sehr viel sichergestellter Ausrüstung. Ebenfalls kam es innerhalb des Ortes zu „Razzien“ die jeden vermutlichen Sympathisanten für die FSA festnahm und entführte. Zur Schadensbegrenzung reichte man die Pressemitteilung ein, dass es sich insgesamt lediglich um einen „Überfall“ gehandelt habe, um Daesh möglichst unter Druck zu setzen.

 

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Beispiel für erbeutetes Gerät

Fernab einer solchen Aussage die dem gesamten Aufbau, der Zielsetzung und den Verlusten zuwider war kann man diese Offensive als in jeglicher Hinsicht als gescheitert betrachten, es konnten keine Eroberungen erzielt werden und durch die personellen und materiellen Verluste konnte man Daesh sogar unterstützen. Die Frage von dem Sinn einer solchen Operation stand aber bereits vor Beginn in Frage, mit einer mäßig erfahrenen und kleinen Truppe in das Kernland Daeshs einzurücken war ein reines Suizidkommando. Im Zusammenhang mit der vollkommen gescheiterten Taqba-Offensive der SAA unterschätzt man wohl weiterhin vorhandenen Fähigkeiten Daeshs? Sie ist so schnell gescheitert wie sie begonnen hat.

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Pressemitteilung der NSyA zur gesamten Operation