Schwere Gefechte in der Ostukraine

Mit dem Dezemberbeginn geht der Ukrainekrieg in den zehnten Monat hinein. Unverändert kommt es entlang der Front im Donbass zu schweren Gefechten. Der Schwerpunkt dabei liegt in der und um der Stadt Bachmut, wo Russland erstmals seit dem Spätsommer lokale Erfolge in dem Konflikt verzeichnen kann, namentlich die Eroberung von zwei Dörfern und die damit verbundene Eröffnung einer neuen Flanke auf Bachmut. Die Stadt wird seit fünf Monaten von der Ukraine erfolgreich verteidigt, es ist nach Mariupol und Sievierodonetsk das wohl blutigste Gefecht des Krieges. Damit könnte nun eine neue kritische Phase für den Donbass ergeben.

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Ukraine & Russland rüsten für den Winterkrieg

In weiten Teilen der Ukraine liegt der erste Schnee. Von Kiew im Norden bis nach Mariupol im Süden bringen die neuen Wetterbedingungen Schwierigkeiten für Zivilisten und Militär gleichermaßen. Russland setzt mithilfe der iranischen Drohnenlieferungen darauf, über den Winter die ukrainische Bevölkerung durch die Zerstörung der Grundinfrastruktur zur Aufgabe bzw. Verhandlungen zu bewegen oder zumindest Flüchtlingsbewegungen in Richtung Europa zu verstärken, um den dortigen Unterstützungswillen für die Ukraine zu senken. Kiew hingegen setzt auf weitere Gegenoffensiven und Geländegewinne, um die Eroberungen im Herbst zu vertiefen und sich eine bessere Position für das kommende Jahr zu verschaffen. Die nächsten Monate werden also nicht weniger heiß im Ukrainekrieg.

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Zum Dnepr und darüber hinaus

Mit der Wiedereroberung der einzigen von Russland eroberten Provinzhauptstadt Kherson ist der Kampf um den Süden vorerst zugunsten der Ukraine entschieden. Während die Bewohner ihre Befreiung zelebrieren, bewegen russische und ukrainische Armeeverbände ihre nun freigewordenen Kräfte in Richtung Osten, zum neuen Hauptschauplatz des Krieges: Die von Russland eroberte Landbrücke zwischen Festland und der Krim könnte der nächste große Austragungsort schwerer Gefechte werden, stellt sie immerhin den einzigen strategischen und geografischen Sieg Russlands im Konflikt dar. Doch auch die Donbassregion könnte wieder in das Zentrum der Begierde rücken, startete Russland dort vor kurzem lokale Gegenangriffe.

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Russland gibt Kherson offiziell auf

Die Situation in der südukrainischen Region Kherson wurde für die russischen Streitkräfte immer brenzliger: Nachdem bereits in den letzten Wochen Anzeichen eines größer angelegten Rückzuges in Form von Truppenabzügen, der Flucht der zivilen Verwaltung oder Raubzügen bemerkbar wurden, haben wir vom russischen Verteidigungsministerium nun Gewissheit. Ukrainische Soldaten berichten davon, dass russische Einheiten ihre Frontstellungen teilweise großräumig verlassen hätten, in der gesamten Region und insbesondere in dem nur wenige Kilometer von Kherson gelegenen Frontabschnitt im Westen wurden Brücken über den Fluss Inhulets gesprengt. Dem vorausgegangen ist ein wohl erfolgreicher ukrainischer Vorstoß auf die Stadt Snihuriwka, eine der wenigen verbliebenen Städte unter russischer Kontrolle in der Region.

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Winter naht

Der neunte Monat des Ukrainekrieges ist von den anbahnenden Wetterumschwüngen geprägt, die die nahende Jahreszeit mit sich bringt: Die Regenzeit erlahmt sämtliche offensive Anstrengungen der Ukraine und Russland, dennoch kommt es in mehreren Regionen zu schweren Gefechten, während ukrainische Einheiten im Norden und Süden vorrücken, wittert Russland, unterstützt durch zehntausende untrainierte und schlecht ausgerüstete Reservisten, im Donbass seine Chance. Der denkwürdigste Angriff fand aber in der Krim statt, wo das ukrainische Militär mit innovativen „Bootsdrohnen“ potentiell zwei Kriegsschiffe der russischen Schwarzmeerflotte vernichten konnte. Dennoch scheinen auf beiden Seiten die Vorbereitungen für einen brutalen und kalten Winter anzulaufen.

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Rückzug aus Kherson

In der Südukraine brodelt die Gerüchteküche: Russische Behörden und Institutionen verlassen schlagartig die hart umkämpfte Hälfte der Region Kherson mit der namensgebenden Provinzhauptstadt, welche nördlich des Flusses Dnepr liegt. Nun fordern die russischen Besatzer auch die ukrainische Bevölkerung dazu auf, die Stadt innerhalb der nächsten 24 Stunden zu verlassen. Wahrscheinlich nicht zufällig beschuldigen sich währenddessen Russland und die Ukraine gegenseitig der Verschwörung, den Kachowka-Staudamm am Dnepr zu sprengen und somit einen großen Teil der Region Kherson zu überschwemmen. Diese Zuspitzung findet im Hintergrund einer ukrainischen Offensive im Süden statt, die zunehmend Geländegewinne verzeichnen kann. Aufgrund ihrer nachteilhaften Position könnte Russland nun dazu entschlossen sein, sich aus Kherson zurückzuziehen.

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Herrschaftswechsel für Afrin

Die kurdische Enklave Afrin im äußersten Nordwesten Syriens war lange Zeit ein Hort des Friedens und der Stabilität inmitten eines Krieges, welcher Jahr zu Jahr andauerte und niemals zu enden schien. Unter der Schirmherrschaft der kurdischen Selbstverteidigungskräfte (YPG) und mit der Unterstützung Russlands und der syrischen Regierung konnten sie ein weitgehend unbescholtenes Leben führen, trotz der Präsenz rivalisierender islamistischer Kräfte in der Umgebung der Region. Dies änderte sich, als im Jahre 2018 die Türkei unter der Zusammenstellung eines pro-türkischen und bisweilen islamistischen Milizenbündnisses die Kurden aus der Region gewaltsam vertreiben und eine Marionettenregierung einsetzen konnte. Nun gibt es zum wiederholten Male einen Herrschaftswechsel – diesmal übernimmt die in Verbindung zu al-Qaida stehende Gruppierung Tahrir al-Sham das Kommando, welche bereits über die letzte oppositionelle Provinz Idlib herrscht. Stillschweigende Unterstützung erhalten sie dabei durch die Türkei.

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Russische Vergeltungsschläge verfehlen Wirkung

Es sollte der große Coup für Russland werden, ein Vergeltungsschlag mit enormer abschreckender Wirkung und der Anbeginn einer neuen Phase des Krieges: Als Reaktion auf die weitgehende Zerstörung der Krimbrücke ordnete der russische Präsident Wladimir Putin dutzende Raketenangriffe auf die gesamte Ukraine an, als zerstörerisches Mahnmal, nicht nochmal russische Infrastruktur zu attackieren. Wenige Tage später wissen wir: Diese Aktion, welche in erster Linie ihre Ziele verfehlte oder innerhalb von 24 Stunden reparierte Energieinfrastruktur beschädigte, ist der Ausdruck eines zahnlosen Tigers. Auch weiterhin rücken ukrainische Einheiten in ihrem Land vor und erobern Gebiete zurück, während Kiew ungestört Ziele auf dem russischen Festland und der Krim zerstört. Russland hat alledem nichts entgegenzusetzen.

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Krimbrücke in Flammen und andere ukrainische Erfolge

Es war wohl kein Geschenk, welches der russische Präsident Wladimir Putin zu seinem 70. Geburtstag erwartete: In der Nacht zum Samstag kam es zu einer riesigen Explosion in der östlichen Hälfte der Krim-Brücke, welche als einzige Landverbindung zwischen russischem Festland und der Halbinsel fungiert und dabei maßgeblich wichtig für die russische Militärversorgung in der Südukraine ist. Während man noch über die Ursache und Täter munkelt, könnte die Brücke die nächsten Monate funktionsunfähig sein. Die Brücke wurde in Folge der russischen Annexion der Krim nach jahrelangen intensiven Bauarbeiten errichtet und diente dabei als potentes Zeichen eines neuen Russlands unter Putin, welches nicht mehr wie in den Jahrzehnten nach dem Fall der Sowjetunion ein einfache Regionalmacht war, sondern in die Tradition einer eurasischen Hegemonie zurückkehren wollte. Genauso wie der Militärverlauf zeigt es symbolisch das Desaster, zu welchem sich der Ukrainekrieg entwickelt.

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Ukraine rückt an mehreren Fronten vor

Ob Kherson im Süden oder Charkiw im Nordosten: Zum Monatsanfang können ukrainische Einheiten wichtige Erfolge in mehreren Regionen vorweisen und die russische Frontlinien an mehreren Orten durchbrechen. Die qualitativen und quantitativen Defizite der russischen Streitkräfte machen sich an allen Enden bemerkbar, während zumindest der Personalmangel durch die anhaltende Mobilmachung ausgeglichen werden soll. Bis dahin aber dominiert die Ukraine aber klar auf dem Schlachtfeld und steht entlang einer rund 100 Kilometer langen Front an den Toren zum Oblast Luhansk, nachdem Charkiw wohl in näherer Zeit wieder vollständig unter ukrainischer Kontrolle stehen wird. Die unüberlegte Annexion der von Russland besetzten Gebiete entpuppt sich bereits jetzt zu einem reinen Fiasko, was sich selbst Moskau eingestehen muss.

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Russische Annexion wird wenig ändern

In diesem Moment finden die finalen Vorbereitungen für die Annexion der süd- und ostukrainischen Gebiete Kherson, Saporischschja, Luhansk und Donezk im Kreml statt, in Folge eines in jeglicher Hinsicht fragwürdigen Referendums mit ebenso fragwürdigen Ergebnissen. Viele, insbesondere pro-russische Analysten und Medien, sehen mit dem Anschluss der neuen Gebiete eine Kehrtwende im Ukrainekrieg, denn es könnte das Ende der „Spezialoperation“ und den Beginn einer offiziellen Kriegserklärung bedeuten. In Wirklichkeit jedoch wird sich wenig ändern: Die ukrainischen Militäroffensiven wie derzeit in Richtung Luhansk sind in vollem Gange und können beachtliche Erfolge vorweisen, Russland befindet sich bereits im aktiven Kriegszustand und ist seit Monaten immer wieder Angriffen und Anschlägen auf ihren Kernterritorien ausgesetzt. Die Ukraine soll bereits als Reaktion den Gegenschlag planen.

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Teilmobilmachung nur im Namen

Als die russische Regierung diese Woche eine neue Eskalationsstufe im Ukrainekrieg verkündete und eine Teilmobilisierung verlautbaren ließ, standen vor allem Beschwichtigungen im Mittelpunkt. Dem russischen Verteidigungsminister Sergei Schoigu zufolge werde nur ein Prozent der wehrpflichtigen Bevölkerung eingezogen und dann auch nur jene, welche bereits über moderne und aktuelle Militärerfahrungen oder Spezialisierungen in diesem Bereich besitzen. Diese offizielle Darstellung bekam aber bereits nach den ersten 24 Stunden Risse, denn in allen Himmelsrichtungen Russlands gibt es Meldungen von schwerkranken Rentnern, die eine Mobilisierungsmitteilung erhalten haben oder von Dörfern ethnischer Minderheiten, wo die gesamte männliche Bevölkerung in den Kriegsdienst gerufen wurde. Diese und viele weitere Fälle verstärken den Verdacht, dass es sich in Wirklichkeit um eine vollständige Mobilisierung und das Ultima Ratio des russischen Staates handelt, doch noch den Krieg drehen zu können.

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Unentwegt in den Untergang

Am Mittwoch Morgen war es dann soweit: Nach tagelangen Gerüchten und einer verspäteten Fernsehrede des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergei Schoigu kündigt Russland die neueste Eskalation im Ukrainekrieg an, namentlich die Verkündigung einer Teilmobilisierung und weitere Schritte in Richtung Kriegsrecht. 300.000 Reservisten mit „ehemaliger Armeeerfahrung“ sollen in die Gefechte in der Ost- und Südukraine gestürzt werden, wo Russland derzeit auf dem Rückzug ist und mit erheblichen moralischen, logistischen, materiellen und personellen Problemen zu kämpfen hat. Der neueste Schritt soll nun die Wende bringen, gepaart mit den überraschend verkündeten Scheinreferenden in den besetzten Gebieten für den Anschluss an Russland. Gemessen am aktuellen Zustand der russischen Streitkräfte hat die Mobilisierung jedoch ungeahnte Folgen, die bestehende Probleme nur intensivieren werden.

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Russland aus dem Oblast Charkiw vertrieben

8.000 Quadratkilometer erobert, über 700 Militärfahrzeuge erbeutet und dutzende russische Soldaten gefangengenommen: Die ukrainische Operation im nordöstlichen Oblast Charkiw innerhalb einer Woche war ein voller Erfolg. Nach einer kurzen Phase der Konsolidierung scheinen die ukrainischen Streitkräfte aber an den neu errichteten Frontlinien keinen Halt machen zu wollen, sondern stattdessen noch weiter in Richtung Osten vorzudringen und neben der Krim die einzige Provinz, welche sich vollständig unter (pro-)russischer Kontrolle befindet, wiedererobern zu wollen. Mit dem ukrainischen Sieg im Kampf um die Initiative wird es in den kommenden Monaten wohl auch anderswo im Land zu neuen Gegenoffensiven kommen.

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Rückkehr in die ersten Wochen des Ukrainekrieges

Mit ungeahnter Geschwindigkeit und Kraft bewegen sich die ukrainischen Streitkräfte über die östlichen Felder des Oblast Khersons. Was vor wenigen Tagen noch fest seit Anbeginn des Ukrainekrieges unter russischer Kontrolle stand, ändert sich nun schlagartig: Innerhalb von vier Tagen konnte ukrainische Einheiten über 50 Kilometer tief in den feindlichen Frontlinien vordringen und den dort stationierten Mix aus zwangsrekrutierten Ostukrainern, russischen Soldaten und Polizeieinheiten im Handumdrehen kampfunfähig machen. Seit den ersten Kriegswochen gab es solche Geländegewinne nicht mehr, über 1000 Quadratkilometer wechselten den Besitzer. Die Rückkehr der ukrainischen Regierung wurde von der lokalen Bevölkerung gefeiert, während potentiell tausende russische Soldaten in näherer Zukunft eingekesselt werden könnten. Für die Ukraine scheint es aber nur der Anfang zu sein.

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