Bachmut hält stand

Im Winter scheint der Ukrainekrieg in einer Zeitschleife festzusitzen: Im Donbass und insbesondere der hart umkämpften Stadt Bachmut finden seit jeher das Gros der Gefechte zwischen ukrainischen und russischen Streitkräften statt. Verlustreiche russische Angriffe werden unter eigenen hohen Verlusten zurückgeschlagen, jeder Meter Boden wird mit Blut bezahlt. Während Bachmut die brutalste Schlacht seit Mariupol markiert, verbessert Kiew seine Ausgangsposition anderswo, wo in nächster Zeit Erfolge folgen könnten. Überschattet werden diese Gefechte in einem zweiwöchigen Abstand von russischen Luftschlägen gegen die ukrainische Infrastruktur, die prompt darauf mit eigenen Vergeltungsschlägen reagieren. Zum Jahreswechsel scheint sich auch wenig an alledem zu ändern.

Die blutige Schlacht um Bachmut geht auch zum Ende des Jahres unvermindert weiter. Durch eine erfolgreiche Gegenoffensive der vor Ort stationierten ukrainischen Einheiten konnte Russland aus den Wohnvierteln der Stadt zurückgeschlagen und damit monatelange Erfolge Russlands revidiert werden. Aktuell kontrollieren russische Soldaten lediglich die östlichen Industrieanlagen, was ungefähr drei Prozent der Stadtfläche ausmacht, wobei ein großer Teil davon wahrscheinlich Niemandsland ist. Neben dem Industriegebiet ist auch der südliche Vorort Opytne das am härtesten umkämpfte Gebiet von Bachmut. Dort kommt es zu einem ständigen Hin und Her, das Dorf ist aktuell zweigeteilt, nachdem Söldner der Privatarmee Wagner einen ukrainischen Gegenangriff kontern konnten.

Weiter nördlich versuchte man zudem mehrere Frontalangriffe auf die von der Ukraine gehaltenen Orte Bachmutske und Soledar, welche seit Juli die Front bilden. Auch dort konnten mehrere Erstürmungsversuche von Wagner erfolgreich abgewehrt werden, verbunden mit hohen Verlusten für die Gegnerseite. In pro-russischen Zirkeln sind seit kurzem Beschwerden über die Verfügbarkeit von Artilleriegeschossen an der Bachmut-Front zu hören, die von Kämpfern vor Ort vermeldet werden. Demnach hat der Einsatz und die Intensität russischer Artillerie erheblich abgenommen, etwas, was vor Monaten ebenfalls von ukrainischen Soldaten vermeldet wurde. Unklar ist jedoch, ob dass das Resultat allgemein fehlender Ressourcen, schlechter Logistik oder lediglich Sparmaßnahmen in Vorbereitung auf russische Offensiven anderswo ist.

Eine Verknappung weist aber noch lange nicht auf ein jähes Ende der Schlacht um Bachmut hin, welches ebenfalls im kommenden Jahr weitergeführt werden wird und womöglich die Welt viele weitere Monate begleiten wird, insofern die Ukraine in einem unwahrscheinlichen Falle keine regionalen Gegenoffensiven plant, um die östlich von Bachmut liegenden Gebiete wiederzuerobern. In einer entfernten Zukunft droht Russland jedoch eine neue Gefahr im Norden: Die ukrainische Armee in ihrem Vorstoß im Oblast Luhansk.

Dort dauern die Gefechte an der administrativen Grenze zwischen den Oblasten Charkiw und Luhansk weiter an, seitdem die ukrainische Armee durch die erfolgreichen Operationen im Herbst ihre Präsenz dort retablieren konnten. Aktuell finden westlich der Stadt Kreminna die wohl schwersten Gefechte seit Monaten in der Region statt, nachdem ukrainische Einheiten derzeit versuchen, den Ort erstmals zu betreten. In den letzten Tagen und Wochen konnte Kiew ihre Präsenz in den südlichen und nordwestlichen Wäldern der Stadt ausbauen und soll nun nur noch wenige Kilometer von den Stadttoren Kreminnas entfernt stehen. Auch weiter nördlich steht Kiew noch etwa zehn Kilometer von der Stadt Swatowe entfernt, ein wichtiges Verkehrskreuz im Norden der Provinz.

Kreminna ist dahingehend bedeutsam, da sie das Tor zum Städtedreieck Rubischne, Sievierodonetsk und Lyssychansk vom Norden aus öffnet, dessen Eroberung im Juni der letzte größere Sieg für Russland darstellt. Zusammen mit der seit jeher bestehenden Truppenpräsenz weiter südlich könnten die Ortschaften in einem Zangenangriff eingenommen und somit ein Großteil der nennenswerten russischen Erfolge im Ukrainekrieg revidiert werden. Bis dahin könnten jedoch etliche Monate verstrichen, zumindest aber wäre es eine attraktive Option einer ukrainischen Militäroffensive, welche auch Bachmut und damit weite Teile des Donbass außer Gefahr bringen würde.

Zum wiederholten Male setzten die ukrainischen Streitkräfte Drohnen in einem Angriff auf das strategisch wichtige Flugfeld unweit der russischen Stadt Engels ein, etwa 400 Kilometer von der Ukraine entfernt. Dort ist ein Großteil der russischen Langstreckenbomber stationiert, die in einem monatlichen Rhythmus ukrainische Infrastruktur im ganzen Land attackiert. Bereits Anfang Dezember kam es zu Explosionen auf dem Militärgelände, die einen solchen Langstreckenbomber beschädigte und vier Soldaten tötete. Russland räumte den Angriff auf Engels ein, sprach jedoch von der Detonation der ukrainischen Drohnen, bevor sie ihr Ziel erreichten. Das abgestürzte Wrack hätte jedoch eine Baracke getroffen und dabei drei Piloten getötet.

Bisher gibt es noch keine Satellitenbilder, die die verursachten Schäden auf dem Flugfeld zeigen. Im Gegensatz zum vorherigen Angriff aber ereigneten sich innerhalb der darauffolgenden 24 Stunden keine russischen Vergeltungsschläge, im Gegenteil kam es erst mit einer zweiwöchigen Verspätung zu den bisher quantitativ größten Militärschlägen von Russland auf die Ukraine. Für Russland zumindest ist es bereits die zweite Schmach innerhalb des Dezembers, nachdem bereits zum Anfang des Monats die bereits erwähnte Luftwaffenstützpunkt Engels und den insgesamt 600 Kilometer entfernte Flughafen bei Rjasan unweit von Moskau mit alten modifizierten sowjetischen Aufklärungsdrohnen angriff.

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