Westliche Aufrüstung der Ukraine in vollem Gange

Seit zwei Monaten dominiert ein ununterbrochener Krieg die Ukraine, der sich inzwischen in die östliche Hälfte des Landes verlagerte Konflikt ist seit der Ankündigung einer „2. Phase der Spezialoperation“ durch Russland in vollem Gange, auch wenn die Erfolge zumindest bisher ausbleiben und beide Seiten dabei blutige Verluste erleiden müssen. Im Gegensatz zu Russland kann das ukrainische Militär dabei aber auch auf die immense internationale Unterstützung setzen, die Waffen- und Fahrzeuglieferungen in einer immer größeren Menge bereitstellen. Nun beginnen sogar Ausbildungsmissionen für modernstes Equipment aus z.B. Frankreich oder den Niederlanden, welche in wenigen Monaten ihre volle Wirkung entfalten würden: Eine ukrainische Armee, welche zunehmend auf NATO-Equipment setzt und dabei einen unendlichen Zugang an Nachschub besitzt, während Russland international zunehmend isoliert ist. Langfristig ergibt sich dadurch einen klaren Gewinner.

Waffen- und Fahrzeuglieferungen aus Europa, den USA, Japan und Südkorea an die Ukraine nehmen kontinuierlich zu, nicht nur quantitativ, auch qualitativ. Nachdem es in den ersten Tagen und Wochen erhebliche Vorbehalte gegenüber solchen Maßnahmen gab, immerhin ging man von einem schnellen Sieg Russlands aus, hat sich das Blatt inzwischen erheblich gewendet. Inzwischen spricht man von monatelangen Ausbildungsmissionen, um ukrainischen Kräften die Verwendung modernen NATO-Equipments beizubringen und sie somit von ihrer Abhängigkeit von alter sowjetischer Technik zu befreien bzw. darauf aufbauend noch größere Waffenlieferungen zu ermöglichen. Die NATO geht inzwischen davon aus, dass der Ukrainekrieg bis zu einem Jahr andauern könnte. Das öffnet dementsprechend neue Optionen für die massive Unterstützung, die bereits heute auf Luft- und Landweg über Polen und die Slowakei abläuft.

Während zum Anfang gerade leichtere Waffen wie Panzerabwehr-, Luftabwehrraketen oder reguläre Handfeuerwaffen und die entsprechende Munition ihren Eingang auf das ukrainische Schlachtfeld erfolgreich fanden, sind derzeit schwerere Waffen in Gespräch und bereits auf dem Weg nach Kiew. Die milliardenschweren Pakete der USA nehmen dabei eine Vorreiterrolle ein, beispielsweise waren in der letzten Woche darunter etwa 100 Artilleriegeschütze mit etwa 200.000 Artilleriegeschossen, 421 Angriffs- und Aufklärungsdrohnen, 500 Panzerabwehrraketen und elf Militärhelikopter, die ursprünglich nach Afghanistan gehen sollten. Darunter fallen auch die sogenannten „Phoenix Ghost“-Drohnen, welche von der amerikanischen Luftwaffe innerhalb von zwei Monaten eigens für den Ukrainekrieg hergestellt und konzipiert wurden.

In Europa wächst ebenfalls die Bereitschaft für schweres Equipment. Zuletzt stellte die Slowakei Flugabwehrsysteme des Typs S-300 in der Ukraine bereit, im Austausch erhielten sie dafür deutsche Luftabwehrbatterien. Dieses Prinzip des Ringtausches scheint sind in weiteren Ländern Osteuropas durchgesetzt zu haben, für altes sowjetisches Equipment wie die für Ukraine modernen T-72-Kampfpanzer aus Slowenien, Polen und Kroatien werden die involvierten Länder westliche Panzer erhalten. Frankreich kündigte zuletzt die Lieferung von 40 CAESAR-Artilleriesystemen an, die zu den Modernsten auf dem Markt gehören. Ähnlich will die Niederlande ebenfalls mehrere deutsche Panzerhaubitzen 2000 bereitstellen, die Ausbildungsmission dafür ist bereits in vollem Gange. Dieser Prozess und die allgemeine Umstellung des ukrainischen Militärs von 151mm-Artilleriegeschossen auf die westlichen 155mm-Geschosse wird mehrere Monate andauern, dafür verfügt die Ukraine danach über einen endlosen Zugang an Waffen aus dem Westen. Das scheint zumindest das Ziel zu sein.

Von der selbst deklarierten „2. Phase“ der russischen Streitkräfte ist bisher vergleichsweise wenig zu merken. Zwar haben Gefechte und der gegenseitige Raketen- und Artilleriebeschuss zugenommen, ernsthafte Erfolge oder Durchbrüche bleiben aber aus. Vielerorts ist weiterhin der Status Quo der Ist-Zustand, teilweise haben sich die Frontabschnitte seit acht Jahren nicht mehr bewegt. Unklar ist ob die bisherigen Nadelstiche Russlands, die durchaus zu Eroberungen einiger Dörfer unter immensen Verlusten geführt haben, bereits die angedrohten Offensiven darstellen oder ob es sich nur um Erkundungsangriffe handelt, um Schwachstellen in der feindlichen Verteidigung zu finden. Diese bedeuten aber den Einsatz eigener Kräfte, ergo auch dem potentieller Verlust ebendieser. Langfristig könnte dabei also die Ukraine profitieren, die auf internationale Unterstützung und Finanzierung setzen kann.

Um der Millionenstadt Charkiw konnten ukrainische Kräfte die Pufferzone um die Stadt zuletzt erweitern und Russland etwa 20 Kilometer von der Stadt vertreiben, weitere 20 Kilometer trennen die Ukrainer von der russisch-ukrainischen Grenze in der Region. Im Asowstal-Industriekomplex in Mariupol harren weiterhin ukrainische Verteidiger und Zivilisten aus, welches nun doch nicht gestürmt, sondern belagert werden soll. Damit befindet sich die wichtige Hafenstadt weiterhin nicht vollständig unter russischer Kontrolle, womöglich musste Russland die eigentlich für die Erstürmung von Asowstal angesetzten Einheiten zur Donbassfront verschieben, da sie dort dringender gebraucht werden. Bereits in den letzten Tagen hat man in Mariupol vermehrt Militärausrüstung mit dem „V-Symbol“ gesichtet, welche von russischen Truppen als Erkennungszeichen an der Front von Nord-Kiew genutzt wurde.

Für ein gewisses Interesse sorgen auch Brände in militärischen Einrichtungen im Großraum von Moskau, innerhalb von 24 Stunden gab es drei solcher Meldungen. Zuerst in einer Forschungsanlage für Raketentechnik in Twer, gefolgt von weiteren Bränden in einer Chemieanlage in Kineschema und ein weitere Anlage für Luft- und Raumfahrttechnik in der Stadt Koroljow. Dabei handelt es sich nicht direkt um militärische Ziele in erster Linie, auch wenn sie die russischen Kriegsbemühungen direkt unterstützen. Es ist noch zu verfrüht, dahinter ukrainische oder sogar andere Akteure zu sehen, vor allem da solche Sabotageakte natürlich Wellen schlagen würde, derart tief im russischen Territorium und dann auch noch im Umkreis des Regierungssitzes des Landes. Ungewöhnlich ist die Frequenz und Intensität solcher Aktionen dennoch, die an die gegenseitigen Sabotagemissionen zwischen Iran und Israel erinnern. In der Zukunft könnten weitere solcher Ereignisse folgen.

Dass die Situation in der Ukraine im Monat Februar erneut eskalieren würde, war bereits früh abzusehen. In den Monaten zuvor verlegte Russland einen Großteil seiner mobilen Streitkräfte an die ukrainisch-russische Grenze. Dies wurde mit den alljährlichen Trainingsmanövern begründet, jedoch war diese Entwicklung äußerst ungewöhnlich: Übungen werden normalerweise mit den vorhandenen Truppen innerhalb der insgesamt fünf Militärbezirke durchgeführt, in diesem Falle wurden jedoch russische Soldaten aus dem ganzen Land zusammengezogen, vor allem auch aus Sibirien. Mindestens 200.000 Soldaten sind daran laut dem OSZE beteiligt, darunter auch einige Einheiten der Nationalgarde wie tschetschenische Gruppierungen rund um den Verbündeten Ramsan Kadyrow. Zudem wurden die Truppenverlegungen auf Belarus und die Krim erweitert, wo sie in behelfsmäßig errichteten Militärquartiere unweit der Ukraine stationiert wurden, wie Satellitenbilder beweisen.

Das russische Verteidigungsministerium berichtete zwar, das nach dem Ende der Truppenübungen die involvierten Streitkräfte wieder abgezogen und zu ihren Heimatbasen zurückkehren sollte. In Wirklichkeit geschah jedoch das Gegenteil: Ununterbrochen wurden weitere Truppenverbände in die Nähe der Ukraine gebracht, zudem wurden zwar die für die „Übungen“ errichteten Militärbasen teilweise verlassen, Militärverbände stattdessen aber nur näher an die Grenze transportiert. Insbesondere in der Region um Belgorod und Kursk gab es erhebliche Truppenbewegungen zu verzeichnen. Dieses Szenario ähnelt dem Georgienkrieg im Jahre 2008, wo fünf Tage vor Anbeginn des Konfliktes Russland ebenfalls verkündete, in Folge eines abgeschlossenen Trainings ihre Soldaten abziehen zu wollen.

Im Donbass folgten daraufhin eine Reihe von False-Flag-Aktionen durch die Volksrepubliken, die bei der russischen und lokalen Bevölkerung die Motivation für weitere Eskalationen und den Krieg heben sollten. Diese wurden auch entsprechend dankbar von medialen Narrativen übernommen, obwohl darunter sehr offensichtliche Inszenierungen waren: Über die polnischen Spezialeinheiten die ein Ammoniaklager sprengen wollten, über Videobeweise die bereits zehn Tage vor der Tat aufgenommen wurden, ukrainische Selbstmordattentäter im Zentrum von Donezk oder ukrainische Einheiten, die problemlos separatistische Gebiete durchqueren konnten, nur um dann russisches Territorium zu betreten und dort getötet zu werden geht die Liste lang. Auch hier gilt wie in jedem Krieg: Die Wahrheit stirbt zuerst.

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