Ukraine hält weiterhin wichtigsten Orte

Auch die letzten Tage zeigen wenig territoriale Veränderungen im Krieg zwischen der Ukraine und Russland. Der Stillstand der letzten Wochen markiert den neuen Status Quo, die ukrainischen Streitkräfte kontrollieren alle wichtigen Großstädte entlang der ukrainisch-russischen Grenze wie Tschernigow oder Charkiw, während russische Einheiten im belagerten Mariupol und der Donbass-Front auf Offensive gehen. Russland ist weiterhin mit den Problemen einer niedrigen Moral, hohen Verlusten, Versorgungsproblemen und dem Widerstand der Bevölkerung konfrontiert, während die Ukraine teilweise Gegenoffensiven starten kann und neue stetig neue Waffensysteme aus dem Westen erhält, allen voran von den USA. Die nächsten Tage könnten von einer besonderen Intensität der Gefechte geprägt sein.

Die USA haben der Ukraine ein neues und sehr großes Waffenpaket bereitgestellt, welches wohl wahrscheinlich schon auf dem Weg in das Kriegsgebiet ist. Dieses umfasst neben regulären Equipment wie Schutzwesten, Helme, Munition und Handfeuerwaffen auch einige Seltenheiten, unter anderem eine unbekannte Anzahl an neuen Flugabwehrsystemen und bewaffnete Drohnen aus US-Produktion. Dabei soll es sich vor allem um die sogenannten „Switchblade“-Drohnen handeln, die als moderne Kamikazedrohnen funktionieren und dabei in erster Linie nicht gegen Fahrzeuge, sondern Personengruppen eingesetzt werden. Zudem sollen neue und alte russische Luftabwehrsysteme aus Osteuropa an die Ukraine übergeben werden, unter anderem die S-300-Batterien der Slowakei und Griechenlands. Im Austausch dafür erhalten diese Länder neue Systeme, die unter anderem von Deutschland bereit gestellt werden. All das zeigt, dass die westlichen Staaten die Ukraine nicht aufgeben wollen und auch einen militärischen Sieg als mögliche Option erachten.

Denn Dieser hat sich in den letzten 72 Stunden erneut als nicht unwahrscheinlich herausgestellt. Im Norden gibt es regelmäßige Gefechte und Scharmützel zwischen den beiden Seiten, hier gelangen Russland seit Wochen keine nennenswerten Fortschritte, die Schlacht um Charkiw soll man inzwischen aufgegeben haben. Im Süden startete die Ukraine eine lokale Gegenoffensive, die in der Umgebung von Mikolajew zum Rückzug russischer Truppen und der Einnahme einiger Dörfer führte, z.B. der Ort Posad-Pokrovskoye, welcher auf halber Strecke zwischen Mikolajew und Kherson liegt. Etwa 30 Kilometer südlich liegt mit Kherson die größte Stadt, die Russland derzeit unter Kontrolle hat. Dessen Flughafen wurde von ukrainischen Luft- und Artillerieangriffen erheblich zerstört, sodass der strategische Ort nicht mehr nutzbar für Russland ist. Dabei verloren sie etwa 15 Kampfhubschrauber und unzählige Trucks etc. zur Versorgung.

Einzig im Osten der Ukraine, dort wo der Krieg am ehesten den typischen Bedingungen eines Konfliktes mit starren Frontlinien verläuft, konnten russische Einheiten mit Unterstützung der Separatisten einige Erfolge erzielen. Die Stadt Izium ist seit Tagen schwer umkämpft, aktuell befindet sie sich in russischer Hand. Sollte man von dort weiter nach Süden vorrücken, müsste sich Ukraine aus einem großen Teil der Donbass-Front zurückziehen, um nicht eingekreist zu werden. Dort halten die seit acht Jahren aufgebauten Verteidigungslinien größtenteils, auch wenn die Kämpfer der Volksrepubliken einige Dörfer sichern konnten.

Mariupol am Asow’schen Meer ist weiterhin am stärksten umkämpft. Unter hohen Verlusten können russische Truppenverbände, unterstützt von den pro-russischen Separatisten und der tschetschenischen Nationalgarde, Straße für Straße und Haus für Haus für sich erobern. Die unbekannte Anzahl der ukrainischen Verteidiger, ein nicht irrelevanter Teil davon sind Kämpfer des faschistischen Asow-Battalions, wird immer weiter in Richtung Zentrum und den südlichen Vierteln am Meer zurückgedrängt, genauere Details existieren nicht. Dementsprechend unklar ist auch, wie lange die Gefechte vor Ort andauern könnten.

Leidtragende sind wie üblich aber die verbliebenen Zivilisten, die in Folge der Kämpfe nicht fliehen konnten. Die Grundversorgung ist schon lange nicht mehr gewährleistet, Massengräber existieren überall vor Ort. Aufgrund der Brutalität des urbanen Häuserkampfes vermischen sich zivile und militärische Ziel in Mariupol, jedes Gebäude könnte als militärischer Posten fremdgenutzt werden. Deswegen sind russische Angriffe auf örtliche Krankenhäuser nicht unüblich, auch wenn bisher keinerlei Beweise für eine militärische Nutzung dieser Gebäude existiert. Zuletzt wurde das fernab der Frontlinien befindliche Nationaltheater zerstört, welches von Flüchtlingen als Schutzraum genutzt wurde. Die Überreste des Theaters blockieren nun die Zugänge zum Schutzkeller, in dem sich über 1.000 Personen aufhalten sollen.

Dass die Situation in der Ukraine im Monat Februar erneut eskalieren würde, war bereits früh abzusehen. In den Monaten zuvor verlegte Russland einen Großteil seiner mobilen Streitkräfte an die ukrainisch-russische Grenze. Dies wurde mit den alljährlichen Trainingsmanövern begründet, jedoch war diese Entwicklung äußerst ungewöhnlich: Übungen werden normalerweise mit den vorhandenen Truppen innerhalb der insgesamt fünf Militärbezirke durchgeführt, in diesem Falle wurden jedoch russische Soldaten aus dem ganzen Land zusammengezogen, vor allem auch aus Sibirien. Mindestens 200.000 Soldaten sind daran laut dem OSZE beteiligt, darunter auch einige Einheiten der Nationalgarde wie tschetschenische Gruppierungen rund um den Verbündeten Ramsan Kadyrow. Zudem wurden die Truppenverlegungen auf Belarus und die Krim erweitert, wo sie in behelfsmäßig errichteten Militärquartiere unweit der Ukraine stationiert wurden, wie Satellitenbilder beweisen.

Das russische Verteidigungsministerium berichtete zwar, das nach dem Ende der Truppenübungen die involvierten Streitkräfte wieder abgezogen und zu ihren Heimatbasen zurückkehren sollte. In Wirklichkeit geschah jedoch das Gegenteil: Ununterbrochen wurden weitere Truppenverbände in die Nähe der Ukraine gebracht, zudem wurden zwar die für die „Übungen“ errichteten Militärbasen teilweise verlassen, Militärverbände stattdessen aber nur näher an die Grenze transportiert. Insbesondere in der Region um Belgorod und Kursk gab es erhebliche Truppenbewegungen zu verzeichnen. Dieses Szenario ähnelt dem Georgienkrieg im Jahre 2008, wo fünf Tage vor Anbeginn des Konfliktes Russland ebenfalls verkündete, in Folge eines abgeschlossenen Trainings ihre Soldaten abziehen zu wollen.

Im Donbass folgten daraufhin eine Reihe von False-Flag-Aktionen durch die Volksrepubliken, die bei der russischen und lokalen Bevölkerung die Motivation für weitere Eskalationen und den Krieg heben sollten. Diese wurden auch entsprechend dankbar von medialen Narrativen übernommen, obwohl darunter sehr offensichtliche Inszenierungen waren: Über die polnischen Spezialeinheiten die ein Ammoniaklager sprengen wollten, über Videobeweise die bereits zehn Tage vor der Tat aufgenommen wurden, ukrainische Selbstmordattentäter im Zentrum von Donezk oder ukrainische Einheiten, die problemlos separatistische Gebiete durchqueren konnten, nur um dann russisches Territorium zu betreten und dort getötet zu werden geht die Liste lang. Auch hier gilt wie in jedem Krieg: Die Wahrheit stirbt zuerst.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: