Iranische Raketen treffen irakisches Kurdistan

In der vergangenen Nacht kam es zu einer überraschend und vor allem eskalativen Entwicklung im Nahen Osten: Iranische Raketen trafen amerikanische Militär- und Zivilinstitutionen im Norden des Iraks, genauer genommen in der Hauptstadt der kurdischen Autonomieregion, Erbil. Ziel dieser iranischen Operation ist wohl der amerikanische Stützpunkt beim Flughafen und das Konsulat in der Stadt, auch umliegende Gebäude sollen beschädigt worden sein. Während Angriffe auf amerikanische und türkische Militärbasen im Nordirak nicht ungewöhnlich sind und dabei in erster Linie durch pro-iranische, irakische Organisationen durchgeführt werden, handelt es sich bei dieser Aktion um ein Novum: Bisher hat der Iran seit dem Vergeltungsschlag für die Ermordung von Qassem al-Soleimani keine direkten Angriffe außerhalb ihres Territoriums durchgeführt, auch nicht zielgerichtet gegen die USA.

Die ersten Meldungen gab es kurz vor Mitternacht, als mehrere helle Lichtpunkte am Himmel über der kurdisch-irakischen Provinzhauptstadt Erbil gesichtet wurden, die kurz daraufhin in riesige Explosionen im Bereich des Internationalen Flughafens und dem Konsulat der USA übergingen. Der Flughafen besitzt neben einem zivilen Bereich auch eine Sektion, die vom kurdischen und amerikanischen Militär gemeinsam verwaltet und dementsprechend auch mehrmals in der Vergangenheit das Ziel solcher anti-amerikanischer Angriffe gewesen ist. Jedoch waren diese Militärschläge in der Vergangenheit von nur beschränkter Intensität, da sie durch lokale irakische Gruppierungen durchgeführt wurden. Einzelne Raketen und Drohnen wurden dabei stets eingesetzt, die nur selten Personen verletzten. Eine entsprechende Eskalation bedeutet nun diese neueste Entwicklung, bei dem wohl ballistische Raketen vom Iran aus direkt abgefeuert wurden.

Weshalb gerade zu diesem Zeitpunkt der Iran derartige Attacken durchführt, ist unklar. Zwar befindet sich das internationale Interesse derzeit auf die Ukraine beschränkt, jedoch hat die USA selber kaum bis gar nicht Ressourcen vom Nahen und Mittleren Osten in Richtung Osteuropa verschoben, also haben die Staaten keine schwächere Position inne. Mögliche Zusammenhänge sind die kürzlichen Luftangriffe Israels auf die iranische Präsenz in Syrien, wodurch zwei iranische Soldaten getötet wurden. Auch wurden vor kurzem die Atomgespräche zwischen dem Iran und Verhandlungspartnern für beendet erklärt, wobei die Intention dafür wenig erklärbar ist. Sollten sich bisherige Meldungen bewahrheiten, wird die USA sicherlich darauf auf ähnlicher Weise reagieren.

Offiziell wurden die letzten anti-amerikanischen Angriffe im Irak durch diverse kleinere Splittergruppen durchgeführt, z.B. bekannte sich zum Drohnenangriff auf den Flughafen in der kurdischen Hauptstadt Erbil die Organisation „Saraya Awliya al-Dam“, welche ebenfalls für mehrere Sabotageaktionen gegen die amerikanische Botschaft in Bagdad verantwortlich sind. Die nun angegriffenen Milizen wie Kataib Hisbollah distanzierten sich zuletzt von derartigen Aggressionen, sind aber dennoch regelmäßig die Zielscheibe Israels und der USA. Al-Dam nimmt dabei eine zentrale Rolle ein, da sie angeblich als „Frontorganisation“ anderer schiitischer pro-iranischer Milizen dient, beispielsweise der Kataib Hisbollah oder Asaib Ahl al-Haq, um relativ ungestört Operationen auf das US-Militär durchführen zu können, ohne selber mit den Folgen konfrontiert zu werden.

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