Deutsche Drohnen im Äthiopienkrieg?

Obwohl die deutsche Bundeswehr kein eigenes Drohnenprogramm besitzt bzw. über geplante Bewaffnungen immer wieder politische Debatten anfallen hat es die Regierung geschafft, ohne der ursprünglichen Intention sich am brutalen Konflikt in Äthiopien zwischen der Zentralregierung und autonom-separatistischen Gruppierungen auf ethnischer Basis zu beteiligen: Indem sie vor zwei Jahren dem äthiopischen Landwirtschaftsministerium mehrere Aufklärungsdrohnen zur Überwachung und Untersuchung von geologischen und agrarischen Bedingungen schenkten. Diese wurden nun mit eigens dafür hergestellten Abwurfgranaten und -bomben aufgerüstet, um damit die Tigray-Volksbefreiungsfront (TPLF) und Zivilbevölkerung anzugreifen. Damit begibt sich Deutschland in eine Tradition mit anderen Partnern der Regierung, die derzeit mit Angriffsdrohnen überschwemmt werden: Gerade die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei, China und der Iran erweisen sich als wichtige Verbündete im Drohnenkrieg.

Niemand hatte wohl damit gerechnet, als die deutsche Bundesregierung im Oktober 2020 dem äthiopischen Landwirtschaftsministerium eine Aufklärungsdrohne des Typs „Trinity F9 eVTOL“ spendete, dass sie sich ein Jahr später zu einer wichtigen Waffe im Bürgerkrieg erweisen würde. Dabei handelt es sich auch um die letzte Drohne vor dem Ausbruch des Konfliktes, ursprünglich sollten noch zwei weitere Trinity-F9-Drohnen als Schenkungen überbracht werden, was aber durch den Ausbruch des Tigraykonfliktes ein jähes Ende fand. Während eine Trinity-F9 eigentlich eine Flugreichweite von fünf Kilometern besitzt, wurden die von Deutschland geschenkten Flugsysteme extra auf einen Kilometer begrenzt, damit sie nicht militärisch eingesetzt werden könnten. Jedoch wurden diese Beschränkungen von Äthiopien eigenhändig rückgängig gemacht und funktioniert seitdem als Aufklärungsdrohnen, die zudem über kleinere Abwurfgranaten verfügen.

Damit ist Deutschland nicht das einzige Land, wo zivile Drohnen für die moderne Kriegsführung missbraucht werden. Chinesische Systeme wie die T-3V, HW-V230 und DJI Mavic 2 in Äthiopien teilen ein ähnliches Schicksal, während im Nahen Osten auch Milizen wie der Islamische Staat oder die libanesische Hisbollah Quadrocopter nutzten, um damit eine provisorische Luftwaffe aufzubauen. Die parallele Nutzung von militärischen und zivilen Drohnen ist auf der Seite der Regierung hinlänglich belegt, während die Kontrahenten über keinerlei Drohnen zu verfügen scheinen. Ein starker Kontrast gegenüber den Behauptungen des äthiopischen Präsidenten Abiy Ahmed, der von einer international unterstützten und vom Ausland geführten Rebellion spricht.

Denn die Regierung hat inzwischen eine regelrechte „Drohnenmanie“ entwickelt, einige der wichtigsten Exporteure und Produzenten von Drohnensystemen sind inzwischen wichtige Handelspartner von Abiy. Bereits früh kündigte sich eine Kooperation mit der Türkei, welches mit ihren Bayraktar-TB2 und weiteren Eigenproduktionen erhebliche Erfolge in Libyen, Syrien und Aserbaidschan vorweisen konnte, und den Vereinigten Arabischen Emirate an, welcher derzeit eine Führungsrolle in der Militärintervention in Jemen inne haben. Die regelmäßigen Transportflüge zwischen den drei Ländern belegen die aktive und kontinuierliche Zusammenarbeit, auch bei „regulären“ Waffenlieferungen.

Neuerdings wurden die Partner auch auf China und den Iran erweitert. Chinas Wing Loong I-Drohne hat bereits eine langjährige Kriegserfahrung, insbesondere im Jemen werden sie von den VAE und Saudi-Arabien genutzt, wo sie auch in inzwischen zweistelliger Ziffer von den jemenitisch-schiitischen Houthi-Rebellen abgeschossen wurden. Dabei ist noch nicht ganz klar, ob die chinesischen Drohnen direkt von China geliefert werden, oder über Mittelsmänner durch die Golfstaaten an Äthiopien exportiert werden. Wesentlich besser belegt sind die direkten Transportflüge zwischen Teheran und Addis Abeba, die zum Einsatz mehrerer iranischer Aufklärungsdrohnen des Typs „Mohajer-6“ führten. Parallel dazu besitzt Äthiopien auch seit Jahren enge Beziehungen zu Israel, die ihnen ebenfalls mehrere UAVs bereitgestellt haben.

Obwohl sich die Situation nach der Wiederherstellung des Status Quo und eingefrorenen Frontlinien langsam im Norden Äthiopiens beruhigt, entwickelt sich das von Krieg und Zerstörung betroffene Land immer weiter zum zentralen Handelskreuz von internationalen Drohnensystemen, darunter auch auf unfreiwillige Weise sogar Deutschland. Damit reiht sich das ostafrikanische Land in die Reihe von Konfliktgebieten und Ländern ein, die Drohnen als „Luftwaffe des kleinen Mannes“ nutzen, was durch die schnelle Produktion, einfache Lieferung und niedrige Instandhaltung ermöglicht wird. Insbesondere die enge Kooperation mit den VAE, Türkei oder Israel führt bei einigen Regierungsgegnern dazu, von einem „Anschluss“ Äthiopiens zum Nahen Osten zu suchen, womit auch eine klare Abkehr zu Afrika verbunden ist.

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