Israel attackiert syrischen Hafen

Kurz nach Mitternacht waren in der westsyrischen Küstenstadt Latakia Explosionen zu hören, kurz darauf folgten weitere Detonationen und riesige Rauchschwaden, die vom Zivilhafen des Ortes ihren Ursprung fanden. Binnen weniger Stunden war klar, dass es sich nicht um das Resultat eines technischen Defektes oder Ähnlichem handelt, sondern es die Aggression eines anderen Staates war: Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats bombardierte Israel den Hafen von Latakia, diesmal wohl in der Hoffnung Waffen- und Munitionslieferungen an für uns unbekannte Ziele zu verhindern und damit den Einfluss Syriens und dem wahrscheinlich ebenso involvierten Iran einzudämmen. Damit entpuppt sich der Ort als das neueste Ziel israelischer Angriffe, die im Gegensatz zum letzten Vorfall wohl tatsächlich Waffen zerstören konnten.

Latakia war seit den frühen Monaten des syrischen Bürgerkrieges vom Krieg und der Zerstörung verschont geblieben, der Wiedereinzug der Gewalt ist für Viele, insbesondere aus anderen Regionen des Landes Geflüchtete, eine schmerzhafte Wiederentdeckung. Bisher ist unklar, wie genau der Angriff vonstatten ging, also ob in üblicher Manier Kampfjets oder „lediglich“ Lenkraketen aus eingesetzt wurden, die wahrscheinlich über libanesischen Luftraum oder dem Mittelmeer aus gestartet wurden. Syrische Staatsmedien vermelden die erfolgreiche Zerstörung mehrerer Projektile, die veröffentlichten Videos zeigen hingegen kein Bild einer erfolgreichen Abwehr. Insbesondere Sekundärexplosionen deuten auf tatsächlich getroffene Munitionslager hin, ein starker Kontrast zum letzten Vorfall.

Anfang Dezember kam es dort nämlich früh zu Beschwichtigungen seitens der syrischen Regierung, der Hafen wurde kurz danach der Öffentlichkeit geöffnet und internationale Medien hatten freien Zugang zur unabhängigen Berichterstattung. Dort wurden wohl nur Container mit verschiedenen Produkten getroffen, vor allem von Sekundärexplosionen gab es keine Spur. Die Geheimdienstinformationen Israels scheinen in diesem Fall wesentlich wahrheitsgetreuer gewesen zu sein, auch wenn die genaue Absicht und das Ziel unbekannt sind. Aber auch beim letzten israelischen Angriff gab es die Ansicht, dass das syrische Nachbarland nicht grundlos einen isolierten Luftangriff starten würde, zumindest nicht ohne ausreichend Kenntnisse und Informationen.

Es handelt sich mindestens um den 22. israelischen Angriff auf Syrien in diesem Jahr, ein steiler Anstieg im Vergleich zu den vorherigen Jahren. Die Angriffe erfolgten in der Vergangenheit stets vom libanesischen Luftraum oder von den israelisch besetzten Golanhöhen aus, wodurch die syrische Luftabwehr erst verspätet aktiviert wird. Seit einem Jahr jedoch benutzt Israel immer mehr den jordanischen Luftraum, um von dort aus sicher den Osten Syriens attackieren zu können, wo inzwischen das Gros der schiitisch-irakischen Milizen mit iranischer Unterstützung zu finden ist. Auch Zentralsyrien mit der Provinz Hama entwickelt sich zu einem populären Ziel, welches wiederum über den Libanon aus angeflogen wird. Insgesamt jedoch werden am meisten Ziele im Raum von Damaskus angegriffen, da es dort angeblich zu den wichtigsten Verhandlungen, Tauschgeschäften etc. zwischen den iranischen Revolutionsgarden, der syrischen Regierung, der Hisbollah und kleineren Gruppierungen kommen soll, so wurden mehrfach Waffenlieferungen oder ranghohe Mitglieder eliminiert.

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