Islamisten bekämpfen sich in den syrischen Bergen gegenseitig

Heute brachen zum wiederholten Male schwere Gefechte innerhalb der syrischen Opposition aus, diesmal aber erstmals in dem gebirgigen Westen der Provinz Idlib, die letzte noch von islamistischen Kräften gehaltene Region in Syrien. Die größte und zugleich stärkste Gruppierung in Idlib, Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und Jabhat al-Nusra, syrischer al-Qaida-Ableger) versucht seit Jahren ihre Dominanz innerhalb der Opposition auszubauen und schafft mit türkischer Unterstützung Tatsachen im Nordwesten des Landes, wo sie in erster Linie gegen andere islamistische Gruppierungen vorgeht. Diesmal soll es gegen einen ehemaligen Verbündeten gehen, welcher vor kurzem noch innerhalb der dschihadistischen Szene an hoher Beliebtheit genoss: Der Tschetschene Muslim al-Shishani. Umringt ist er von ebenso fanatischen und treuen Kämpfern, die vor allem aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion stammen.

Die geplante Offensive von Tahrir al-Sham (HTS) war wenig überraschend, denn neben den seit Jahren andauernden Versuchen, unabhängige oder oppositionelle Milizen aufzuschlucken oder zu zerschlagen, war ein Angriff bereits Tage früher bekannt. Dementsprechend erfolgreich konnten sich die Anhänger von al-Shishani bisher in den Gebirgsketten von Jabal al-Akrad und der Stadt Jisr al-Shughour wehren: Rund ein Dutzend HTS-Kämpfer konnten gefangen genommen werden, woanders gibt es Berichte von Verlusten auf beiden Seiten und der erfolgreichen Abwehr mehrerer Vorstöße. Involviert sollen auf Seiten al-Shishanis mehrere Brigaden und seine eigene Gruppierung Junud al-Islam sein, darunter das turanische Jabdullah-Battalion unter der Führung des aserbaidschanischen Abu Hanifa al-Azeri. Andere Extremisten haben bisher erfolglos versucht, zu verhandeln.

Bei dem Pseudonym Muslim al-Shishani handelt es sich um einen in Georgien geborenen Tschetschenen, der auf eine jahrelange Kriegserfahrung zurückblicken kann und bereits in den syrischen Konflikt als ausländischer Gotteskämpfer als Veteran aufgetreten ist, nachdem er bereits im 2. Tschetschenenkrieg gegen Russland gekämpft hatte. Seine Gruppierung Junud al-Islam (nicht zu verwechseln mit etlichen anderen Organisationen unter dem Namen Jund al-Islam) war seit Anbeginn ihrer Gründung im Jahre 2012 relativ klein, aber motiviert und fanatisch.

2014 spaltete sich ein nicht zu unterschätzender Teil der Miliz ab und schloss sich unter dem Tschetschenen Omar al-Shishani dem Islamischen Staat an. Muslim al-Shishani jedoch blieb mitsamt den Resten der Gruppierung weiterhin unabhängig und als offizieller Teil der Opposition, mit denen sie immer wieder gegen die syrische Regierung kooperierten. Dies ist auch der Grund, weshalb er bis vor kurzem ein hohes Ansehen vor Ort genoss, welches sich aber in den letzten Tagen stark änderte. Besonders relevant waren sie im Jahre 2015, als sie federführend bei der Idlib-Offensive agierten und dabei Orte wie die gleichnamige Provinzhauptstadt oder Jisr al-Shughour eroberten. Heutzutage soll die Gruppe noch rund 150 Mitglieder zählen, ein Großteil davon aus Aserbaidschan und den kaukasischen Provinzen Russlands.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: