Israel bombardiert Ziele in Ostsyrien

Über den gestrigen Nachthimmel Ostsyriens gab es auffällig viele Aktivitäten zu vermelden, unter anderem von seit mehreren Monaten abwesenden Kampfjets der israelischen Luftwaffe. Unweit der syrisch-irakischen Grenze kam es in der vergangenen Nacht zu mehreren Explosionen, bei denen mehrere Fahrzeuge diverser, vom Iran unterstützten schiitisch-irakischen Gruppierungen zerstört und mehrere Kämpfer getötet wurden. Dabei soll es sich um eine Waffenlieferung gehandelt haben, die mithilfe amerikanischer Geheimdienstinformationen vor dem Erreichen des Empfängers abgefangen werden konnte. Israelische Aktivitäten in Ostsyrien sind nichts ungewöhnlich und im Vergleich zu vorherigen Vorfällen handelt es sich um nur einen verhältnismäßig „kleinen“ Luftschlag.

Südöstlich der syrischen Grenzstadt Abu Kamal kam es demzufolge zu den israelischen Angriffen, in dessen Folge drei Fahrzeuge zerstört wurden. Zunächst war unklar, auf welcher Seite der Grenze sich der Vorfall ereignete, immerhin wäre ein israelischer Luftschlag im Irak ein Novum, und wer die attackierte Partei war. Inzwischen ist ersteres geklärt, die Fahrzeuge selber sollen zur irakischen Gruppierung „Kataib Hisbollah“ gehören, einem engen Verbündeten des Irans im Nachbarland. Kurz darauf waren ebenfalls amerikanische Drohnen in der Nähe, was eine mögliche Beteiligung erklären würde, nachdem das Pentagon selber bestätigte, keinen Angriff geflogen zu haben. Die örtlichen Kräfte des arabisch-kurdischen Milizenbündnisses der „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) sagen, dass dabei vier Personen getötet und eine Waffenlieferung unterbunden werden konnte.

Die Grenzregion zwischen Irak und Syrien war in der Vergangenheit das Kernterritorium und letztes Rückzugsgebiet des Islamischen Staates, auch heute noch besitzt die Terrormiliz in der Region eine wichtige Präsenz, vor allem nördlich des Euphrats. Die beiden Grenzstädte al-Qaim und Abu Kamal konnten mit der Unterstützung schiitischer Milizen vor etwa zwei Jahren wiedererobert werden. Noch heute sind große Teile dieser Gruppierungen dort stationiert, der Grenzübergang ist immerhin der Größte zwischen den beiden Ländern und der Einzige, welcher von der syrischen Regierung kontrolliert wird. Inzwischen haben diese auch einen zweiten Grenzübergang weiter südlich errichtet, welcher aber wohl nur militärischen Nutzen hat.

Eigentlich sollte die Grenze in Abu Kamal schon lange auch für den zivilen Verkehr eröffnet werden, aufgrund der anhaltenden Sicherheitsbedenken und anderen unbekannten Gründen wird diese Eröffnung immer wieder verschoben. Durch Abu Kamal existiert ein durchgehender Landweg zwischen Iran und dem Libanon, vom Westen und seinen regionalen Verbündeten wird dieses Szenario als „schiitischer Halbmond“ gefürchtet. Um diesen Plan zu verhindern, besetzten die USA mit eigenen Truppen und der Ausbildung und dem Aufbau von oppositionellen Stellvertretern den syrisch-irakischen Grenzübergang al-Tanf im Süden Syriens. Der dritte und letzte Checkpoint wird von den kurdisch-arabischen SDF weit im Norden kontrolliert. Hinzu kommen nun die ständigen israelischen Angriffe, die Abu Kamal treffen. Israelische Kampfjets können sich über den jordanischen Luftraum relativ gefahrlos bis nach Ostsyrien annähern, weshalb die syrische Luftabwehr recht nutzlos erscheint.

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