Huthi-Rebellen attackieren Öl-Produktion Saudi-Arabiens

Am Samstag attackierten die jemenitischen Houthi-Rebellen mit Drohnen und Raketen zwei vitale Städte Saudi-Arabiens, welche auf Seiten der jemenitischen Exilregierung seit sechs Jahren gegen die Houthis, offiziell unter dem Organisationsnamen „Ansar Allah“ bekannt, kämpfen. Neben militärischen Anlagen sollen dabei auch kritische Infrastruktur zur Öl-Produktion und Verarbeitung beschädigt worden sein, darunter Raffinerien an der Ostküste Saudi-Arabiens, welche über 1200 Kilometer vom Jemen entfernt liegen. Während das genaue Ausmaß der Schäden bisher nicht bekannt ist, musste der Flugverkehr über dem Land für mehrere Stunden unterbrochen werden. Zudem wurden von der saudischen Bevölkerung mehrere Videos veröffentlicht, die Einschlagkrater zeigen, vermutlich verursacht durch die Projektile der zaidisch-schiitischen Houthi-Rebellen. Es könnte der größte Angriff seit 2019 sein, als Kamikazedrohnen der Jemeniten die weltweit größte Erdölraffinerie schwer beschädigte und Saudi-Arabien Milliarden an Dollar kostete.

Houthi-Pressesprecher Yahya Sare’e sprach am Sonntag von einer erfolgreichen Operation, die der Abschreckung gegenüber weiteren Interventionen Saudi-Arabiens in den jemenitischen Konflikt dienen soll. Dabei wurden vier Anlagen gezielt attackiert: Die Raffinerien des saudischen Ölproduzenten Aramco in Ras al-Tanura unweit der Hafenstadt Damman und weitere Ziele von Aramco in den Städten Jizan, Najran und Jeddah, welche aber nicht näher spezifiziert wurden. Ersteres Ziel befindet sich über 1200 Kilometer von Jemen entfernt und liegt zudem unweit von Abqaiq, wo im September 2019 die größte Erdölraffinerie der Welt von mehreren Drohnen der Houthis bombardiert und schwer beschädigt wurde. Saudi-Arabien und die USA sehen jedoch den Iran damals als Täter, auch ein Angriff vom näher gelegenen Irak wurde nicht ausgeschlossen, jedoch existieren dafür keine Beweise.

Daraufhin wurde in den späten Stunden der Flugverkehr im Land unterbrochen, Starts und Landungen mussten abgebrochen werden. Den Houthis zufolge wurden zehn Kamikazedrohnen des Typs „Sammad-3“ und sechs ballistische „Zulfiqar“-Raketen bei der Operation insgesamt eingesetzt, das saudische Militär berichtet von der erfolgreichen Abwehr dieser Gefahr. Zumindest in Damman ist jedoch klar, dass einige Projektile ihr Ziel erreichten und am Boden Schaden anrichteten, wie Videos aus den sozialen Medien vor Ort zeigen. Der tatsächliche Schaden wird jedoch erst in ein paar Tagen bewertbar sein, wenn neue Sattelitenbilder veröffentlicht werden.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Houthis den Großteil der Technologie für diese Waffen aus dem Iran und teilweise auch aus regulären erhältlichen chinesischen Drohnen beziehen, jedoch gestaltet sich der Import von Waffen oder Bauteilen aufgrund der vollständigen Blockade des Jemens durch die Arabische Koalition schwierig. Es gilt dabei zu berücksichtigen, dass die Houthis nicht nur eine simple Miliz darstellen, sondern dass auch ein größerer Teil der Staatsapparates seit 2011 sich den Aufständischen anschloss, insbesondere im Nordjemen. Aber auch Saudi-Arabien scheint mit amerikanischer Unterstützung aufzurüsten und effektiver gegen feindliche Projektile im eigenem Luftraum vorzugehen. Inzwischen veröffentlicht das Verteidigungsministerium des Landes vermehrt Videos, in denen der Abschuss von Houthi-Waffensystemen gezeigt wird, beispielsweise durch die Luftabwehrsysteme aber auch durch Kampfjets.

Seit mehreren Jahren ist Saudi-Arabien Raketen und Drohnenangriffen der jemenitischen Houthi-Rebellen ausgesetzt. Die quantitativ und qualitativ immer weiter zunehmenden Operationen beschränkten sich anfänglich auf die Grenzprovinzen und die Hauptstadt Riad, jedoch rücken mit der neuesten Technologie auch weiter entfernte Ziele in den Vordergrund, unter anderem die wichtigen Aramco-Produktionsanlagen in Dammam oder Yanbu, welche relevant für die Verarbeitung von Rohöl und deren Export in die Welt sind. Doch auch fernab von Produktionsanlagen gibt es für die Houthis lukrative Orte, die regelmäßig das Ziel von Angriffen waren.

Zu den Höhepunkten zählt beispielsweise der Angriff auf den 1400 Kilometer vom Jemen entfernten Internationalen Khalid-Flughafen der Vereinigten Arabischen Emirate, ein Jahr später wurden Kameraaufnahmen veröffentlicht, welche die Zerstörung mehrerer LKWs auf dem Flughafengelände zeigen. Weitere nennenswerte Drohnenoperationen war ein Angriff auf das noch in Bau befindliche Atomkraftwerk in den VAE und auf Aramco-Anlagen in Abqaiq 2019, die die Produktion von Rohstoffen unterbrach und zu erhöhten Ölpreisen auf den globalen Handelsmarkt führte. Die „Drohnenflotte“ der jemenitischen Aufständische entwickelt sich zunehmend zur gefährlichsten Waffe im Kampf gegen die Mitglieder der Arabischen Koalition im jemenitischen Konflikt, welche vor allem auf die Technologie des Irans und Chinas aufbauen kann, die Houthis als quasi-funktionierender Staat auch auf eigene Waffenprogramme zurückgreifen kann.

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