Erstmals Tote bei Drohnenangriff auf ein israelisches Schiff

Erstmals gibt es im geheimen, inoffiziellen Seekrieg zwischen dem Iran und Israel Tote zu vermelden: Vor zwei Tagen wurde ein Schiff unter israelischem Privatbesitz von mehreren Drohnen attackiert, die zwei Besatzungsmitglieder töteten und das Öltanker selber in Brand steckten. Israel beschuldigt nun erstmals die iranische Regierung direkt als Akteure in diesem Angriff und behauptet, Beweise dafür zu besitzen. Damit reiht sich der neueste Vorfall in die zunehmend länger werdende Liste von Sabotageakten auf iranische und israelische Schiffe in den Gewässern des Nahen Ostens ein, welcher aber auch auf dem Land geführt wird. Zuletzt wurde Anfang Juli ein israelisches Frachtschiff im Indischen Ozean von unbekannten Tätern angegriffen, auch hier gilt der Iran als wahrscheinlichster Antagonist.

Der Öltanker mit dem Namen „Mercer Street“ wurde in der Nähe des Omans im Indischen Ozean von mehreren Explosionen heimgesucht, die ein rumänisches und britisches Besatzungsmitglied töteten. Bisher geht man von dem Einsatz einer oder mehrerer Drohnen aus, jedoch gibt es bisher kaum Zugang zu näheren Informationen. Die israelische Regierung behauptete am Sonntag erstmals, Beweise für einen iranischen Hintergrund des Angriffes zu besitzen, die wohl in den kommenden Tagen veröffentlicht werden. Ein Novum bei diesem Vorfall ist der Tod von Zivilisten, die bei den bisherigen Zusammenstößen zwischen den beiden Ländern auf hoher See nicht betroffen waren, weswegen möglicherweise internationale Konsequenzen gezogen werden könnten.

Der Tanker befindet sich im Besitz des israelischen Unternehmers Eyal Ofers, dessen Schiffe regelmäßig das Ziel von Angriffen sind. Das Frachtschiff „CSAV Tyndall“, welches vor ein Monat von mehreren Projektilen getroffen wurde, befand sich ebenfalls im Besitz Eyal Ofers. Der iranische Fernsehsender Al-Alam bezeichnete den Angriff auf das Schiff als Reaktion auf den jüngsten israelischen Angriff auf einen Militärflughafen in Syrien, der mehrere Kommandanten pro-iranischer Milizen wie der Hisbollah oder der Fatemiyun-Brigade tötete. Ohnehin kommt es in unregelmäßigen Abständen zu israelischen Luftoperationen in Syrien und dem Irak, die den iranischen Einfluss schwächen sollen. Parallel dazu kommt es immer wieder zu Sabotageakten auf das iranische Atomprogramm oder relevante Industrieanlagen im ganzen Land, die oftmals Israel zugeschrieben werden.

US-internen Berichten zufolge soll das israelische Militär seit 2019 Maßnahmen gestartet haben, die sich explizit gegen die iranischen Frachter und Schiffe im Mittelmeer und Roten Meer richten, unter anderem durch den Einsatz von Raketen oder Seeminen. Insgesamt wurden über den Zeitraum von über zwei Jahren zwölf Schiffe unter iranischer Flagge attackiert. Angeblich soll es sich dabei um eine Maßnahme gegen den „vom Iran finanzierten Terrorismus“ handeln, die über den Seeweg nicht nur Rohstoffe an ihren Verbündeten liefern, sondern auch Waffen an die Hisbollah oder andere Verbündete. Faktisch jedoch bedeutet es vor allem die Sanktionierung der syrischen Regierung und der Millionen Syrer, die unter ihr leben. Die unter anderem bereits durch US-Sanktionen hervorgebrachte Wirtschaftskrise und Inflation wird weiter befeuert, indem der Zugang zu Öl als Treibstoff oder Heizmaterial erschwert wird.

Rückwirkend können dadurch viele Ereignisse erklärt werden, die den Konflikt zwischen Iran und Israel auf hoher See als Hintergrund haben. Beispielsweise kam es im Februar zu einer schweren Ölpest an der israelischen Mittelmeerküste, die einen 160 Kilometer langen Küstenabschnitt verschmutzte und hunderte Tiere tötete. Das israelische Verteidigungsministerium beschuldigte einen iranischen Frachter, welcher sich nach Syrien begab, diese Umweltkatastrophe absichtlich als Form eines „Öko-Terrorismus“ verursacht zu haben. Im Juli 2019 gab es einen mysteriösen Vorfall vor der syrischen Küste, als mehrere Öl-Pipelines explodierten und auch dort schwere wirtschaftliche und ökologische Schäden verursachten. Bereits früh berichtete die Regierung von einem gezielten Sabotageakt, welcher durch Haftminen und Taucher durchgeführt wurde. Eine Liste von ähnlichen Fällen ließe sich weiterführen, so gab es beispielsweise im Oktober 2019 einen zweifachen Raketenangriff auf einen iranischen Öltanker vor der jemenitischen Küste oder Mitte 2020 einen unbekannten Angriff auf ein iranisches Frachtschiff im Mittelmeer.

Offiziell bekennt sich Israel nicht zu derartigen Aktionen gegen den Iran, jedoch attackiert die israelische Luftwaffe in Syrien regelmäßig verschiedenste Ziele im Zusammenhang mit dem iranischen oder syrischen Militär, wozu sie aber nur selten wiederum Stellung beziehen. Die neuesten Offenbarungen enthüllen eine neue Dimension israelischer Bemühungen, den Iran langfristig zu schwächen und den Einfluss der Islamischen Republik in der Region zu mindern. Rückendeckung erhält Israel dabei von der amerikanischen Administration unter dem neuen Präsident Joe Biden, welcher wieder aktiver und aggressiver in den Konfliktherden des Nahen Ostens agiert, wie man zuletzt nach den US-Luftschlägen in Ostsyrien beobachten konnte.

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