Israel bombardiert Gebäude in Aleppo

Zum ersten Mal seit einem Jahr bombardierten israelische Kampfjets Ziele in der nordsyrischen Provinz Aleppo, eine wichtiges Territorium unter der Kontrolle der syrischen Regierung. Ziel war die wenige Kilometer südlich der gleichnamigen Provinzhauptstadt gelegene Ort al-Safirah, die seit dem Ausbruch des syrischen Konfliktes eine wichtige Waffenproduktionsanlage darstellt, oppositionellen Medien zufolge sogar für die Herstellung von Chemiewaffen. Wesentlich wahrscheinlicher jedoch sind die angegriffenen Anlagen eine Produktionsstätte für Raketen, die unter anderem an verbündete Gruppierungen wie der Hisbollah gehen, die in tiefer Rivalität mit Israel stehen und dementsprechend regelmäßig das Ziel israelischer Aggressionen sind. Während Schäden nur relativ gering sein sollen, führte der Angriff zu einem Stromausfall in der Millionenstadt Aleppo.

Eine unbekannte Anzahl an Luftschlägen trafen die riesigen Produktionsanlagen im Südwesten von al-Safirah, vor vielen Jahren noch Frontgebiet gegen die verbliebenen Aufständischen in Syrien. Ebenso unbekannt ist der Erfolg der syrischen Luftabwehr, welche zwar aktiviert wurde, aber wohl keine der nahenden Raketen abgeschossen haben soll. Zuletzt kam es im Mai 2020 zu einem israelischen Angriff auf die Anlagen von al-Safirah, während im September letzten Jahres andere Gebäudekomplexe weiter östlich getroffen wurden. Der neue Angriff verursachte mehrere Sekundärexplosionen, da wahrscheinlich Munition oder Raketen in die Luft gesprengt wurden. Die israelischen Kampfjets betraten Syrien dabei über den jordanischen Luftraum aus und konnten damit das Gros der syrischen Luftabwehr umgehen, welches in der Region um Damaskus steht.

Es handelt sich mindestens um den 14. israelischen Angriff auf Syrien in diesem Jahr, ein steiler Anstieg im Vergleich zu den vorherigen Jahren. Die Angriffe erfolgten in der Vergangenheit stets vom libanesischen Luftraum oder von den israelisch besetzten Golanhöhen aus, wodurch die syrische Luftabwehr erst verspätet aktiviert wird. Seit einem Jahr jedoch benutzt Israel immer mehr den jordanischen Luftraum, um von dort aus sicher den Osten Syriens attackieren zu können, wo inzwischen das Gros der schiitisch-irakischen Milizen mit iranischer Unterstützung zu finden ist. Auch Zentralsyrien mit der Provinz Hama entwickelt sich zu einem populären Ziel, welches wiederum über den Libanon aus angeflogen wird. Insgesamt jedoch werden am meisten Ziele im Raum von Damaskus angegriffen, da es dort angeblich zu den wichtigsten Verhandlungen, Tauschgeschäften etc. zwischen den iranischen Revolutionsgarden, der syrischen Regierung, der Hisbollah und kleineren Gruppierungen kommen soll, so wurden mehrfach Waffenlieferungen oder ranghohe Mitglieder eliminiert.

Eigentlich einigten sich Russland und Syrien auf die Lieferung moderner S-300-Luftabwehrsysteme, nachdem ein russisches Aufklärungsflugzeug über Latakia abgeschossen wurde. Derzeit ist aber noch unklar, ob die S-300 mitsamt weiterer Radarsysteme und anderer Logistik überhaupt einsatzfähig ist, zumindest wird das zukünftige syrische Personal noch von Russland vor Ort ausgebildet. Die S-300-Abwehrbatterie soll in der Nähe von Masyaf in Nord-Hama stationiert sein, bisher kam sie noch nicht ein einziges Mal zum Einsatz und befindet sich höchstwahrscheinlich unter russischer Kontrolle, die gute Beziehungen mit Israel aufrecht erhalten wollen. Die sonstige Luftabwehr Syriens ist vor allem auf dem Raum von Damaskus konzentriert, wo sie durchaus vereinzelte Erfolge vorzeigen, die Angriffe aber nicht vollständig abgewehrt werden können.

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