USA bombardiert irakische Milizen an syrisch-irakischer Grenze

Zum zweiten Mal in diesem Jahr flog die USA mehrere Militärschläge im syrisch-irakischen Grenzgebiet gegen zwei schiitisch-irakische Milizen, die in der Vergangenheit immer wieder an Angriffen auf die amerikanische Militärpräsenz im Irak beteiligt gewesen sein sollen. Immer öfters kommt es zu Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Militärbasen im Land, die eine ernsthafte Gefahr für die weiterhin bestehende Armee-Präsenz darstellt, obwohl die irakische Regierung seit Jahren einen Abzug der Truppen fordert. Wie bereits im Februar wurden nun mehrere Gebäude am einzigen Grenzübergang zwischen Irak und Syrien zerstört, der US-Angaben zufolge zum Waffen- und Warenschmuggel unter iranischer Obhut dient. Ursprünglich wurde angenommen, dass die neue Regierung unter Joe Biden wesentlich zurückhaltender im Nahen Osten auftreten würde, was sich als falsch herausstellte und in der Zukunft für größere Eskalationen in der Region sorgen könnte.

In der vergangenen Nacht trafen mehrere US-Luftschläge insgesamt drei Ziele, zwei davon auf syrischer Seite und eines auf Irakischer. Das Pentagon behauptet, dass hierbei mehrere Waffenlager und Munitionsdepots zerstört wurden, von denen auch Angriffe auf amerikanische Stützpunkte aus gestartet wurden, obwohl die tatsächlichen Angriffe in erster Linie in Nord- und Zentralirak stattfinden. Die US-Regierung legitimiert diese Aktion dementsprechend auch mit einer „notwendigen Selbstverteidigung“. Laut bisherigem Stand kamen dabei vier irakische Kämpfer um. Involviert in dem Vorfall waren die Milizen Kataib Hisbollah und Sayyid al-Shuhada, welche zu den größten Unterstützern des Irans zählen und zugleich innerhalb des Landes auf eine breite Unterstützungsbasis setzen können. Eine rhetorische Reaktion darauf folgte prompt: Man werde demnach in einen offenen Krieg gegen die USA treten und ihre Flugzeuge von der Luft holen. Wie viel davon lediglich Drohgebärden sind oder tatsächlich neue Taktiken und Pläne bedeuten, bleibt abzuwarten.

Insgesamt wird sich nur wenig an der Gesamtsituation ändern. Die amerikanischen Luftschläge sind zu vereinzelt und zu schwach, um eine Auswirkung auf die anti-amerikanischen Angriffe zu erwirken. Zugleich profitieren die schiitischen Milizen medial und politisch durch jede neue US-Operation, in der sie sich als Verteidiger des Landes und Anti-Imperialisten inszenieren können.

Die erwähnten Milizen Kataib Hisbollah und Sayyid al-Shuhada sind im Irak ein integraler Bestandteil der „Volksmobilisierungseinheiten“ (PMF/PMU), eine Teileinheit der irakischen Streitkräfte und genießen dementsprechend weitgehend Immunität gegenüber anti-amerikanischen Aktionen. Jedoch agieren sie auch teilweise in Syrien, welches im Kontrast zum Irak einen eher „rechtsfreien Raum“ darstellt, in dem die USA bedenkenlos agieren können, weshalb der Angriff auch im westlichen Nachbarland und nicht im Ursprungsland Irak durchgeführt wurde. Dort konnten sie mit anderen Milizen und Organisationen ein großes Netzwerk und eine wichtige Basis etablieren, welches primär der Unterstützung der syrischen Regierung und der Bekämpfung des Islamischen Staates gilt. Jedoch nutzt der Iran diese Gebiete auch, um seinen Einfluss weiter auszubauen und relativ problemlos Waffen bis an die Hisbollah im Libanon zu transportieren, so konnten sie beispielsweise einen eigenen Grenzübergang wenige Kilometer südlich vom Offiziellen errichten und nur für militärische Güter etc. nutzbar machen.

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