Neue Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien

Nicht nur im Grenzgebiet, auch im tiefen Hinterland Saudi-Arabiens sind die Auswirkungen der militärischen Intervention in den jemenitischen Bürgerkrieg derzeit wieder erkennbar: Nach einer Bodenoffensive der Houthi-Rebellen in Saudi-Arabien starteten die Aufständischen in der vergangenen Nacht einen groß angelegten Raketen- und Drohnenangriff auf mehrere Städte des nördlichen Nachbarlandes, die teilweise ihr Ziel erreichen konnten. Noch kurz zuvor kündigte die USA einen weitgehenden Truppen- und Materialabzug aus der Region an, worunter auch vitale Luftabwehrsysteme für Saudi-Arabien fallen. Diese neue Situation öffnet den Houthis die Gelegenheit, wieder vermehrt Ziele in ganz Saudi-Arabien mit iranischer Unterstützung zu attackieren und den jemenitischen Konflikt für sich entscheiden zu können.

Saudi-arabischen Staatsmedien zufolge konnten sämtliche Angriffe erfolgreich abgewehrt werden, insgesamt 17 Drohnen auf verschiedene Orte. Videos von Anwohnern sprechen hingegen eine andere Sprache, unter anderem ist die Detonation einer Rakete oder Drohne auf den Militärflughafen König-Fahad nahe der Stadt Taif zu sehen. Dem Houthi-Pressesprecher Yahya Saree zufolge wurden neben dem bereits erwähnten Ort auch der König-Kalid-Luftwaffenstützpunkt bei Khamis Mushait und der Internationale Flughafen von Abha mit „hoher Präzision“ angegriffen. Dabei kamen in erster Linie die vielfach bereits eingesetzten „Qasef-2K“-Kamikazedrohnen zum Einsatz, welche in der Vergangenheit bereits ihre Effektivität vorweisen konnten. Da es sich nicht um den ersten Drohnen- und Raketenangriff der Houthis handelt, ist basierend auf der bisherigen Erfahrung davon auszugehen, dass zwar einige Drohnen von Saudi-Arabien eliminiert wurden, ein anderer Teil ihr Ziel aber erfolgreich erreichten und dabei größeren Materialschaden verursachen können.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Houthis den Großteil der Technologie für diese Waffen aus dem Iran und teilweise auch aus regulären erhältlichen chinesischen Drohnen beziehen, jedoch gestaltet sich der Import von Waffen oder Bauteilen aufgrund der vollständigen Blockade des Jemens durch die Arabische Koalition schwierig. Es gilt dabei zu berücksichtigen, dass die Houthis nicht nur eine simple Miliz darstellen, sondern dass auch ein größerer Teil der Staatsapparates seit 2011 sich den Aufständischen anschloss, insbesondere im Nordjemen. Aber auch Saudi-Arabien scheint mit amerikanischer Unterstützung aufzurüsten und effektiver gegen feindliche Projektile im eigenem Luftraum vorzugehen. Inzwischen veröffentlicht das Verteidigungsministerium des Landes vermehrt Videos, in denen der Abschuss von Houthi-Waffensystemen gezeigt wird, beispielsweise durch die Luftabwehrsysteme aber auch durch Kampfjets.

Seit mehreren Jahren ist Saudi-Arabien Raketen und Drohnenangriffen der jemenitischen Houthi-Rebellen ausgesetzt. Die quantitativ und qualitativ immer weiter zunehmenden Operationen beschränkten sich anfänglich auf die Grenzprovinzen und die Hauptstadt Riad, jedoch rücken mit der neuesten Technologie auch weiter entfernte Ziele in den Vordergrund, unter anderem die wichtigen Aramco-Produktionsanlagen in Dammam oder Yanbu, welche relevant für die Verarbeitung von Rohöl und deren Export in die Welt sind. Doch auch fernab von Produktionsanlagen gibt es für die Houthis lukrative Orte, die regelmäßig das Ziel von Angriffen waren. Zu den Höhepunkten zählt beispielsweise der Angriff auf den 1400 Kilometer vom Jemen entfernten Internationalen Khalid-Flughafen der Vereinigten Arabischen Emirate, ein Jahr später wurden Kameraaufnahmen veröffentlicht, welche die Zerstörung mehrerer LKWs auf dem Flughafengelände zeigen. Weitere nennenswerte Drohnenoperationen war ein Angriff auf das noch in Bau befindliche Atomkraftwerk in den VAE und auf Aramco-Anlagen in Khurais 2019, die die Produktion von Rohstoffen unterbrach und zu erhöhten Ölpreisen auf den globalen Handelsmarkt führte. Die „Drohnenflotte“ der jemenitischen Aufständische entwickelt sich zunehmend zur gefährlichsten Waffe im Kampf gegen die Mitglieder der Arabischen Koalition im jemenitischen Konflikt, welche vor allem auf die Technologie des Irans und Chinas aufbauen kann, die Houthis als quasi-funktionierender Staat auch auf eigene Waffenprogramme zurückgreifen kann.

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