Türkischer Luftangriff auf irakisches Flüchtlingslager

Seit Monaten und Jahren hält das türkische Militär unter der Legitimation der „Terrorismusbekämpfung“ Gebiete im Norden Iraks besetzt und versucht diese an die Türkei anzubinden. Vor einem Monat startete die türkische Regierung eine neue Bodenoffensive unter dem Operationsnamen „Adlerklaue“, um weitere Territorien zu sichern und im Irak zu expandieren, während diese Entwicklung fernab der pro-türkischen kurdischen Administration auf erheblichen Widerstand stößt, beide Seiten sollen einigen Berichten zufolge massiv mobilisieren. Nun kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen verschiedenen kurdischen Organisationen und einem türkischen Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in Zentralirak.

Schauplatz der türkischen Operation ist die gebirgige Region im Norden, die Bezirke Duhok und Haftanin, welches ein wichtiges Rückzugs- und Kontrollgebiet der kurdischen Arbeiterpartei (PKK) darstellt. Inzwischen konnte die Türkei 41 Grenzdörfer erobern und deren Bevölkerung vertreiben, aktuelle Karten zeigen womöglich den Versuch, eine Pufferzone unter türkische Kontrolle zwischen den beiden Ländern zu errichten, ähnlich dem Vorhaben in Nordsyrien, wenn auch in kleinerer Dimension. Der türkische Innenminister kündigte bereits den Bau einer neuen Militärbasis in den kürzlich eroberten Territorien an, um sich „besser gegen PKK-Angriffe verteidigen zu können“. Während das türkische Militär wie üblich von dutzenden getöteten PKK-Kämpfern spricht, bestätigt es auch den Tod von mindestens drei türkischen Soldaten, kurdische Angaben berichten sogar von einer zweistelligen Anzahl an getöteten Gegnern. Dabei setzten sie auch nach langer Zeit improvisierte Drohnen/Quadrocopter als Waffe ein, die mit Mörsergranaten und anderen Explosivstoffen bestückt wurden und diese dann über türkischen Basen fallen lassen.

Es kam in den letzten Tagen zu zwei erwähnenswerten Vorfällen. In der Duhok-Provinz starben fünf Kämpfer der kurdischen Perschmerga, als ihr Fahrzeug aus bisher nicht näher geklärten Gründen explodierte. Die miteinander verfeindete kurdische Regierung beschuldigte die PKK der Tat, welche diesen Vorwurf jedoch dementierten. Demnach haben sie zwar Warnschüsse abgegeben, das Fahrzeuge selber aber durch eine alte Mine oder einen türkischen Luftschlag zerstört. Es kommt zwischen den zwei Seiten immer wieder zu Scharmützeln. Der zweite Vorfall war ein Luftangriff eines türkischen Kampfjets auf ein Flüchtlingslager nahe der Stadt Makhmour, hunderte Kilometer vom Nordirak entfernt. Dabei starben drei Personen, laut der Türkei soll es sich um PKK-Kommandanten gehandelt haben. Für diese Darstellung fehlt es aber an Beweisen.

Die „Volksmobilisierungseinheiten“ (PMU oder PMF), eine Dachorganisation mehrerer irakischer Milizen, die hauptsächlich aus schiitischen, aber auch sunnitischen oder christlichen Gruppierungen besteht, kündigen ihre Bereitschaft zur Verteidigung der irakischen Grenzen an. Als erster Garant wurden deswegen drei Brigaden, Kata’ib Sayyid al-Shuhada (schiitisch), eine Einheit der Badr-Organisation (schiitisch) und Quwat Wa’ad Allah (sunnitisch) in die Region von Sinjar gebracht, welche sich unweit der Kampfeszone befindet und seit sechs Jahren ein wichtiges PKK-Gebiet darstellt. Die PMF stellt zwar eine Teileinheit der irakischen Streitkräfte dar, jedoch agieren sie meistens relativ eigenständig. In den letzten Monaten kam es immer wieder zu Raketenangriffen auf türkische Militärbasen im Irak, die Täter sollen dabei der PMF nahe stehen.

Damit stellt er sich auch gegen die Regierung der kurdischen Autonomieregion, welche den Abzug von PMF-Kampfverbänden aus ihrem Gebiet fordern. Das Haftanin-Gebirge, welches von der türkischen Operation derzeit betroffen ist, befinden sich am nördlichsten Zipfel des Landes und untersteht eigentlich der Kontrolle des kurdischen Autonomiegebiets, welche aber aufgrund weitreichender Probleme wie Korruption und Misswirtschaft nur einen Teil ihrer Macht projizieren kann, obwohl sie in Feindschaft mit der PKK steht und gute Beziehungen zur Türkei pflegt. Bereits seit einem Jahr hält die Türkei, unter dem Vorwand den Terrorismus zu bekämpfen, einige Landstriche in Haftanin besetzt und versucht stetig, diese Gebiete an die Türkei mithilfe von Straßen anzuschließen.

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