Geheimer Seekrieg zwischen Iran und Israel geht weiter

Der geheime Seekrieg zwischen Iran und Israel geht nach dem Ende des palästinensisch-israelischen Konfliktes ungehindert weiter. Vor wenigen Tagen ging das größte Schiff der iranischen Marine in Flammen auf, welches nicht nur als Ausbildungsschiff dient sondern auch als wichtige Versorgungsplattform für Überseemissionen fernab der iranischen Küste und damit eine einzigartige Stellung innerhalb der Marine einnimmt. Ohne einer Aussicht auf Ersatz handelt es sich um einen wertvollen Verlust für den Iran, dessen Machtprojektion dadurch wesentlich verschmälert wird. Als wahrscheinlichster Täter gilt Israel, welches in den vergangenen Monaten und Jahren bereits mehrfach iranische Schiffe in der Region attackiert und zerstört hat, ebenso wie die iranische Regierung Vergeltungsschläge auf israelische Schiffe durchführt.

Das Schiff „Kharg“ dient offiziellen Angaben aus Ausbildungsschiff, faktisch jedoch als Versorgungsboot und Hubschrauberplattform und ist damit das Einziger seiner Art in der iranischen Marine. Vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate ging der Frachter in Flammen auf und brannte mehrere Stunden lang, die Besatzung kam dabei nicht zu schaden. Mögliche Szenarien für den Grund existieren: Einerseits könnte es ein rein technischer Defekt gewesen sein, da das Schiff selber fast 40 Jahre alt ist und dementsprechend oft gewartet und repariert werden muss. Andererseits können israelische Kräfte hinter dem Angriff stecken, welche inzwischen monatlich Schiffe attackieren und versenken und dieser geheime Konflikt zunehmend eskaliert und auch vor zivilen Schiffen keinen Halt macht. Zuletzt wurde ein iranischer Frachter vor der syrischen Küste mit Drohnen angegriffen, was den Öltanker schwer beschädigte.

US-internen Berichten zufolge soll das israelische Militär seit 2019 Maßnahmen gestartet haben, die sich explizit gegen die iranischen Frachter und Schiffe im Mittelmeer und Roten Meer richten, unter anderem durch den Einsatz von Raketen oder Seeminen. Insgesamt wurden über den Zeitraum von über zwei Jahren zwölf Schiffe unter iranischer Flagge attackiert. Angeblich soll es sich dabei um eine Maßnahme gegen den „vom Iran finanzierten Terrorismus“ handeln, die über den Seeweg nicht nur Rohstoffe an ihren Verbündeten liefern, sondern auch Waffen an die Hisbollah oder andere Verbündete. Faktisch jedoch bedeutet es vor allem die Sanktionierung der syrischen Regierung und der Millionen Syrer, die unter ihr leben. Die unter anderem bereits durch US-Sanktionen hervorgebrachte Wirtschaftskrise und Inflation wird weiter befeuert, indem der Zugang zu Öl als Treibstoff oder Heizmaterial erschwert wird.

Rückwirkend können dadurch viele Ereignisse erklärt werden, die den Konflikt zwischen Iran und Israel auf hoher See als Hintergrund haben. Beispielsweise kam es im Februar zu einer schweren Ölpest an der israelischen Mittelmeerküste, die einen 160 Kilometer langen Küstenabschnitt verschmutzte und hunderte Tiere tötete. Das israelische Verteidigungsministerium beschuldigte einen iranischen Frachter, welcher sich nach Syrien begab, diese Umweltkatastrophe absichtlich als Form eines „Öko-Terrorismus“ verursacht zu haben. Im Juli 2019 gab es einen mysteriösen Vorfall vor der syrischen Küste, als mehrere Öl-Pipelines explodierten und auch dort schwere wirtschaftliche und ökologische Schäden verursachten. Bereits früh berichtete die Regierung von einem gezielten Sabotageakt, welcher durch Haftminen und Taucher durchgeführt wurde. Eine Liste von ähnlichen Fällen ließe sich weiterführen, so gab es beispielsweise im Oktober 2019 einen zweifachen Raketenangriff auf einen iranischen Öltanker vor der jemenitischen Küste oder Mitte 2020 einen unbekannten Angriff auf ein iranisches Frachtschiff im Mittelmeer.

Offiziell bekennt sich Israel nicht zu derartigen Aktionen gegen den Iran, jedoch attackiert die israelische Luftwaffe in Syrien regelmäßig verschiedenste Ziele im Zusammenhang mit dem iranischen oder syrischen Militär, wozu sie aber nur selten wiederum Stellung beziehen. Die neuesten Offenbarungen enthüllen eine neue Dimension israelischer Bemühungen, den Iran langfristig zu schwächen und den Einfluss der Islamischen Republik in der Region zu mindern. Rückendeckung erhält Israel dabei von der amerikanischen Administration unter dem neuen Präsident Joe Biden, welcher wieder aktiver und aggressiver in den Konfliktherden des Nahen Ostens agiert, wie man zuletzt nach den US-Luftschlägen in Ostsyrien beobachten konnte.

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