Israelischer Luftschlag auf Latakia

Zum ersten Mal seit zwei Jahren trafen israelische Raketen die syrische Küstenprovinz Latakia, die Heimat der Alawiten und eine Hochburg der syrischen Regierung, welche durch den syrischen Konflikt weitgehend unberührt gehen konnte. Ziele sollen eine bereits mehrfach angegriffene Forschungslabor und eine Fabrikanlage gewesen sein, bei denen es sich offiziell um rein zivile Unternehmungen handelt. Dabei starb auch mindestens ein Zivilist, viele Weitere wurden verletzt. Außerdem handelt es sich bei Latakia auch um die wichtigste Provinz für Russland, welche dort neben dem russisch-syrischen Militärflughafen al-Hmeimin auch andere Institutionen besitzen, der israelische Angriff also wohl nicht ohne den Segen von Russland stattfinden hätte können.

Erstes Ziel war ein Fabrikgelände unweit der gleichnamigen Provinzhauptstadt Latakia, nur 20 Kilometer von dem Luftwaffenstützpunkt al-Hmeimin entfernt, der von der syrischen und russischen Armee gleichermaßen verwaltet wird und seit der russischen Intervention ständigen neuen Ausbauprojekten ausgesetzt ist. Offiziell wird in der Fabrik Plastikprodukte hergestellt, inoffiziell hingegen kleinere Waffen und Sprengstoffe. Der andere Raketenangriff galt al-Masyaf, einem Dorf welches für ihre Forschungsanlage bekannt ist. Auch hier soll es sich um ein ziviles Forschungslabor handeln, jedoch gibt es immer wieder Berichte darüber dass hier entweder iranische Raketen oder Chemiewaffen hergestellt werden. Vor vier Jahren wurde der Direktor des Instituts von einer mutmaßlich von Israel unterstützten Guerillagruppe getötet, welche ansonsten nur vereinzelt in Aleppo aufgetreten ist. Israel scheint also ein enormes Interesse an diesem Gebäudekomplex zu haben, welches nun bereits mehrfach bombardiert wurde.

Es handelt sich mindestens um den elften israelischen Angriff auf Syrien in diesem Jahr, ein steiler Anstieg im Vergleich zu den vorherigen Jahren. Die Angriffe erfolgten in der Vergangenheit stets vom libanesischen Luftraum oder von den israelisch besetzten Golanhöhen aus, wodurch die syrische Luftabwehr erst verspätet aktiviert wird. Seit einem Jahr jedoch benutzt Israel immer mehr den jordanischen Luftraum, um von dort aus sicher den Osten Syriens attackieren zu können, wo inzwischen das Gros der schiitisch-irakischen Milizen mit iranischer Unterstützung zu finden ist. Auch Zentralsyrien mit der Provinz Hama entwickelt sich zu einem populären Ziel, welches wiederum über den Libanon aus angeflogen wird. Insgesamt jedoch werden am meisten Ziele im Raum von Damaskus angegriffen, da es dort angeblich zu den wichtigsten Verhandlungen, Tauschgeschäften etc. zwischen den iranischen Revolutionsgarden, der syrischen Regierung, der Hisbollah und kleineren Gruppierungen kommen soll, so wurden mehrfach Waffenlieferungen oder ranghohe Mitglieder eliminiert.

Eigentlich einigten sich Russland und Syrien auf die Lieferung moderner S-300-Luftabwehrsysteme, nachdem ein russisches Aufklärungsflugzeug über Latakia abgeschossen wurde. Derzeit ist aber noch unklar, ob die S-300 mitsamt weiterer Radarsysteme und anderer Logistik überhaupt einsatzfähig ist, zumindest wird das zukünftige syrische Personal noch von Russland vor Ort ausgebildet. Die S-300-Abwehrbatterie soll in der Nähe von Masyaf in Nord-Hama stationiert sein, bisher kam sie noch nicht ein einziges Mal zum Einsatz und befindet sich höchstwahrscheinlich unter russischer Kontrolle, die gute Beziehungen mit Israel aufrecht erhalten wollen. Die sonstige Luftabwehr Syriens ist vor allem auf dem Raum von Damaskus konzentriert, wo sie durchaus vereinzelte Erfolge vorzeigen können, die Angriffe aber nicht vollständig abgewehrt werden können.

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