Türkei startet neue Militäroffensive im Irak

Nach einer dreimonatigen Pause nahmen die türkischen Streitkräfte ihre Militäroffensive im äußersten Norden des Iraks wieder auf, wo die Türkei unter der Argumentation der „Terrorismusbekämpfung“ einmarschiert ist. Primäres Ziel der Mission ist die Bekämpfung von Rückzugsgebieten und bestehenden Zellen der kurdischen Arbeiterpartei (PKK), welche in der gebirgigen Grenzregion zwischen den zwei Staaten eine wichtige Machtbasis besitzen. Ungeachtet der territorialen Verhältnisse und den Protesten der Zentralregierung in Bagdad kommt es inzwischen jährlich zu solchen türkischen Operationen, die das türkisch-irakische Grenzgebiet betreffen und die Türkei mehrere Kilometer weit in den südlichen Nachbarstaat eindringt. Die letzte Offensive im Februar war von Misserfolg geprägt, zudem konnten verschiedene irakische Fraktionen sich erfolgreich gegen weitere „Souverinitätsverletzungen“ erstmalig verbünden, ein Szenario, welches sich erneut wiederholen könnte.

Schauplatz der Operation ist die gebirgige Region im Norden, die Bezirke Duhok und Haftanin. Türkischen Medien zufolge konnte man innerhalb den ersten vier Tagen die Berge Zinnar, Balula und Keri erobern, welche etwa drei Kilometer von der Türkei entfernt liegen und die Offensive allgemein auf den bereits gesicherten Gebieten an der türkisch-irakischen Grenze aufbaut. Der türkische Innenminister kündigte bereits den Bau einer neuen Militärbasis in den kürzlich eroberten Territorien an, um sich „besser gegen PKK-Angriffe verteidigen zu können“. Während das türkische Militär wie üblich von dutzenden getöteten PKK-Kämpfern spricht, bestätigt es auch den Tod von mindestens drei türkischen Soldaten, kurdische Angaben berichten sogar von einer zweistelligen Anzahl an getöteten Gegnern. Dabei setzten sie auch nach langer Zeit improvisierte Drohnen/Quadrocopter als Waffe ein, die mit Mörsergranaten und anderen Explosivstoffen bestückt wurden und diese dann über türkischen Basen fallen lassen.

Bisher ist der Erfolg der Mission ungewiss, auch da keine offiziellen Ziele kommuniziert wurden. Vor drei Monaten war die letzte türkische Mission im Irak von Erfolglosigkeit geprägt, nachdem die Hauptmission gescheitert ist, 15 gefangen genommene türkische Polizisten bzw. Militärpolizisten zu befreien, stattdessen soll die PKK diese Geiseln getötet haben. Die Arbeiterpartei behauptet hingegen, dass diese Personen durch türkische Bombardements umgebracht wurden. Innerhalb der Türkei gab es dann Kritik an dem gesamten Vorhaben, welches sich in den gesunkenen Beliebtheitswerten von Erdogan ausdrückte. Ein weiterer Faktor waren neue Bündnisse im Irak, allen voran jene zwischen schiitischen und kurdischen Gruppierungen.

Die „Volksmobilisierungseinheiten“ (PMU oder PMF), eine Dachorganisation mehrerer irakischer Milizen, die hauptsächlich aus schiitischen, aber auch sunnitischen oder christlichen Gruppierungen besteht, kündigen ihre Bereitschaft zur Verteidigung der irakischen Grenzen an. Als erster Garant wurden deswegen drei Brigaden, Kata’ib Sayyid al-Shuhada (schiitisch), eine Einheit der Badr-Organisation (schiitisch) und Quwat Wa’ad Allah (sunnitisch) in die Region von Sinjar gebracht, welche sich unweit der Kampfeszone befindet und seit sechs Jahren ein wichtiges PKK-Gebiet darstellt. Die PMF stellt zwar eine Teileinheit der irakischen Streitkräfte dar, jedoch agieren sie meistens relativ eigenständig. In den letzten Monaten kam es immer wieder zu Raketenangriffen auf türkische Militärbasen im Irak, die Täter sollen dabei der PMF nahe stehen.

Damit stellt er sich auch gegen die Regierung der kurdischen Autonomieregion, welche den Abzug von PMF-Kampfverbänden aus ihrem Gebiet fordern. Das Haftanin-Gebirge, welches von der türkischen Operation derzeit betroffen ist, befinden sich am nördlichsten Zipfel des Landes und untersteht eigentlich der Kontrolle des kurdischen Autonomiegebiets, welche aber aufgrund weitreichender Probleme wie Korruption und Misswirtschaft nur einen Teil ihrer Macht projizieren kann, obwohl sie in Feindschaft mit der PKK steht und gute Beziehungen zur Türkei pflegt. Bereits seit einem Jahr hält die Türkei, unter dem Vorwand den Terrorismus zu bekämpfen, einige Landstriche in Haftanin besetzt und versucht stetig, diese Gebiete an die Türkei mithilfe von Straßen anzuschließen.

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