Syrische Regierung räumt Viertel nach Niederlage gegen Kurden

Der syrischen Regierung nahestehende Milizen müssen im Nordosten des Landes zwei Viertel an das kurdisch-arabische Bündnis der „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) räumen, nachdem es für über einer Woche zu intensiven Kämpfen in der Grenzstadt Qamishli zwischen den beiden Seiten gekommen ist. Der bis heute ungeklärte Anlass für den Ausbruch der Gefechte führte dazu, dass sich zwei Sicherheitskräfte gegenseitig attackierten, während die syrische Regierung und das SDF-Militär sich aus den Vorfall heraushielten. Nachdem mehrere russische Vermittlungsversuche gescheitert waren entschieden sich die kurdischen Kräfte auf einen Großangriff, der zu der gegenwärtigen Situation führte, in der sich die Regierungsmiliz geschlagen geben musste und nun ihr Gebiet aufgeben musste.

Vor zehn Tagen eskalierte die Situation erstmals zwischen den kurdischen „Asayish“ und der „National Defense Force“ (NDF), welche in ihren jeweiligen Territorien Polizei- und Sicherheitsaufgaben übernimmt. Schlecht ausgerüstet und isoliert waren die NDF-Kämpfer in den Vierteln al-Tayy und Halko unterlegen, auch da die syrische Regierung keine Unterstützung anbot und die Gefechte deswegen lokal begrenzt waren. Russland versuchte mindestens fünf Mal eine Waffenruhe zu vereinbaren, welche jedoch nach wenigen Stunden insbesondere von der NDF immer wieder gebrochen wurde. Insgesamt starben bei den Kämpfen etwa zwölf Soldaten, zudem kamen zwei Zivilisten ums Leben.

Die Asayish konnten mit der Unterstützung der HET-Spezialeinheiten der Polizei die Bezirke relativ schnell erobern und ihre Kontrolle bei den darauffolgenden Verhandlungen erfolgreich verteidigen. Die verbliebenen NDF-Verbände mussten sich in das verbliebene Regierungsterritorium in Qamishli zurückziehen, die Regierung selber wird in den Vierteln al-Tayy und Halko weiterhin administrative Aufgaben übernehmen. Ein Großteil der Bevölkerung ist nach dem Ende der Gewalt wieder zurückgekehrt. Da die SDF-Administration nicht unbedingt als „Befreiung“ angesehen wird, versuchen die kurdische Kräfte mithilfe finanzieller Unterstützung oder dem kostenlosen Bereitstellen von Gaskanistern das Vertrauen der Einwohner zu gewinnen.

Es kam in den vergangenen Jahren immer wieder zu derartigen Situationen, welche oftmals in noch größerem Blutvergießen endeten. Vor fast drei Jahren kam es zu einem ähnlichen Ereignis, in dessen Folge 18 Kämpfer von beiden Seiten ihr Leben nahmen. Als Anlass werden immer Unstimmigkeiten bei den Checkpoints genannt, so werden entweder Sicherheitsmaßnahmen der anderen Seite ignoriert oder man versucht Rekrutierungskampagnen im anderen Territorium durchzuführen. Einigen Berichten nach werden diese Konflikte aktiv von den USA unterstützt, da sie die derzeit andauernden Friedensverhandlungen zwischen SDF und syrischer Regierung behindern und dies ein Einflussverlust für die USA in Syrien bedeuten würde.

Die Stadt al-Qamishli ist seit jeher in zwei Teile geteilt: Während die Kurden den Großteil der Großstadt beherrscht, kontrolliert die syrische Regierung weiterhin das Zentrum mitsamt syrisch-türkischen Grenzübergang, viele christliche Viertel und den großen Flughafen vor Ort. Im Gegensatz zur weiter südlich gelegenen Stadt al-Hasakah kam es hier bisher aber nur zu vereinzelten, isolierten Vorfällen von Gefechten. Dort intervenierte vor zwei Jahren sogar die syrische Luftwaffe, letzten Endes wurden die Regierungseinheiten jedoch aus dem Großteil der Stadt al-Hasakah verbannt und darf nach langwierigen Verhandlungen nur noch eine administrative Präsenz vor Ort besitzen, während sie weiterhin eine Militärbasis außerhalb der Stadt kontrollieren. Die Präsenz der syrischen Armee in Qamishli ist aber vor allem ein Garant gegen türkische Angriffe, welche bereits andere syrisch-türkische Grenzgebiete kontrollieren.

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