Mehrere israelische Angriffe auf Syrien

Der vergangene Donnerstag war in zwei verschiedenen Regionen Syriens von ungewöhnlichen Explosionen geprägt, die sich wenig später als israelische Luft- und Raketenangriffe auf Stellungen der syrischen Streitkräfte und ihrer Verbündeten herausgestellt haben. Bisher nicht näher bekannte Angriffe soll es zunächst nahe der syrisch-irakischen Grenze gegeben haben, wo schiitische und vom Iran unterstützte Gruppierungen besonders präsent sind. Wenige Stunden später soll es ein ähnliches Ereignis nahe der Hauptstadt Damaskus gegeben haben, wo eine Verteidigungsposition der syrischen Armee bombardiert wurde. Sowohl die verursachten Schäden als auch der Erfolg der syrischen Luftabwehrsysteme sind bisher unklar, Staatsmedien sprechen wie üblich von erfolgreichen Abwehrmaßnahmen, obwohl dies nur selten der Fall ist. Insbesondere in Ostsyrien existieren kaum nennenswerte Flugabwehrsysteme oder sonstige Verteidigungsmaßnahmen. Während israelische Militäroperationen in Syrien keine Seltenheit sind und auch quantitativ zunehmen, sind zwei Angriffe innerhalb von 24 Stunden äußerst ungewöhnlich.

Die ersten Luftschläge sollen sich im Harabash-Areal nahe der Provinzhauptstadt Deir ez-Zor im Osten des Landes ereignet haben. Dort gibt es nicht nur einen Militärflughafen, sondern auch eine relevante Präsenz an verschiedenen Milizen, die größtenteils schiitisch sind und entsprechend von der iranischen Regierung unterstützt werden. Dort ermöglichen sie es der iranischen Regierung, einen Landkorridor zwischen dem Iran und dem Libanon aufrecht zu erhalten, vor allem da alle anderen Grenzübergänge zwischen Syrien und dem Irak von anderen verfeindeten Kriegsparteien kontrolliert werden. Zudem bekämpfen sie dort den Islamischen Staat, der in der Region immer wieder Überfälle und Guerillakämpfe durchführt. Aufgrund der Nähe zum Iran sind sie immer wieder das Ziel israelischer Angriffe, auch die USA flog in der Vergangenheit bereits Angriffe und war gestern selber mit einer Aufklärungsdrohne präsent.

Der zweite Vorfall ereignete sich nur wenige Stunden später in der Umgebung von Damaskus, welches das traditionelle Ziel israelischer Luftangriffe darstellt. Das syrische Verteidigungsministerium bestätigt seltenerweise vier verletzte Soldaten und geringe Schäden, ohne weitere Details zu veröffentlichen. Eine syrische Luftabwehrrakete landete auf libanesischen Territorium, von wo aus die israelischen Kampfjets ihre Mission ausführten, wo sie jedoch keine ernsthaften Schäden anrichtete. Das genaue Ziel Israels ist unklar, möglicherweise versuchten sie zum wiederholten Male Waffenlieferungen oder Depots der Hisbollah zu vereiteln bzw. zu eliminieren.

Es handelt sich mindestens um den neunten und zehnten israelischen Angriff auf Syrien in diesem Jahr, ein steiler Anstieg im Vergleich zu den vorherigen Jahren. Die Angriffe erfolgten in der Vergangenheit stets vom libanesischen Luftraum oder von den israelisch besetzten Golanhöhen aus, wodurch die syrische Luftabwehr erst verspätet aktiviert wird. Seit einem Jahr jedoch benutzt Israel immer mehr den jordanischen Luftraum, um von dort aus sicher den Osten Syriens attackieren zu können, wo inzwischen das Gros der schiitisch-irakischen Milizen mit iranischer Unterstützung zu finden ist. Auch Zentralsyrien mit der Provinz Hama entwickelt sich zu einem populären Ziel, welches wiederum über den Libanon aus angeflogen wird. Insgesamt jedoch werden am meisten Ziele im Raum von Damaskus angegriffen, da es dort angeblich zu den wichtigsten Verhandlungen, Tauschgeschäften etc. zwischen den iranischen Revolutionsgarden, der syrischen Regierung, der Hisbollah und kleineren Gruppierungen kommen soll, so wurden mehrfach Waffenlieferungen oder ranghohe Mitglieder eliminiert.

Eigentlich einigten sich Russland und Syrien auf die Lieferung moderner S-300-Luftabwehrsysteme, nachdem ein russisches Aufklärungsflugzeug über Latakia abgeschossen wurde. Derzeit ist aber noch unklar, ob die S-300 mitsamt weiterer Radarsysteme und anderer Logistik überhaupt einsatzfähig ist, zumindest wird das zukünftige syrische Personal noch von Russland vor Ort ausgebildet. Die S-300-Abwehrbatterie soll in der Nähe von Masayaf in Nord-Hama stationiert sein, bisher kam sie noch nicht ein einziges Mal zum Einsatz und befindet sich höchstwahrscheinlich unter russischer Kontrolle, die gute Beziehungen mit Israel aufrecht erhalten wollen. Die sonstige Luftabwehr Syriens ist vor allem auf dem Raum von Damaskus konzentriert, wo sie durchaus vereinzelte Erfolge vorzeigen können, die Angriffe aber nicht vollständig abgewehrt werden können.

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