Russland bombardiert syrischen Ölschmuggel zur Türkei

In der nordsyrischen Provinz Aleppo kam es in der vergangenen Nacht zum Einsatz mehrerer Raketen durch das russische Militär. Ziel des inzwischen wöchentlich vorkommenden Ereignisses war ein Handels- und Umschlagsplatz für Rohstoffschmuggel in einem von der Türkei beherrschtem Gebiet, welches von ihren syrischen Stellvertretern, der sogenannten „Syrischen Nationalarmee“, kontrolliert wird. Dies führte zugleich zu gegenseitigen Vergeltungsschlägen der verschiedenen Fraktionen in der Region, die türkische Armee attackierte kurdische Verteidigungsstellungen. Über die letzten Monate hinweg hat die syrische Armee den Ölschmuggel als lukratives Ziel ihrer Bemühungen entdeckt, den verfeindeten Islamisten großen ökonomischen Schaden anzurichten. Bereits im Oktober und Februar gab es ähnliche Vorfälle, als russische Kampfjets mehrere Schmuggelnester vor Ort bombardierte und einen Großteil davon zerstörte. Die direkten Angriffe auf eine wichtige Einkommensquelle der Opposition sind auch eine Botschaft an den türkischen Schirmherr, welcher von diesem Handel ebenso profitiert.

Mehrere russische Tochka-Raketen trafen die improvisierten Ölraffinerien in dem Dorf Tarhin, welches bereits vor einer Woche durch gleiche Weise attackiert wurde. Über mehrere Stunden hinweg wurden die Ölinfrastruktur angegriffen, dabei soll es auch zum Einsatz von international geächteter Streumunition gekommen sein, wie Videos vor Ort zeigen. Erneut enstandenen mehrere riesige Brandherde, die jedoch weniger stark als beim letzten Angriff waren und innerhalb von etwa fünf Stunden gelöscht werden konnten. Bei der Operation wurden zwei Personen getötet, während ein Großteil der Tankwagen und Raffinerien zerstört wurden.

In der selben Nacht brachen in verschiedenen Teilen Nordsyriens Gefechte zwischen den verfeindeten Gruppierungen aus. So setzte die syrische Armee Artillerie gegen mehrere Orte in der Umgebung der Stadt al-Bab ein, welches wiederum unweit von Tarhin liegt. Die Türkei reagierte wie üblich mit Angriffen auf das kurdisch-arabische Milizenbündnis der „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF), die zusammen mit der syrischen Regierung das Gebiet um Tel Rifaat kontrollieren, auch wenn die Kurden in keinster Weise in den Ölangriffen involviert waren. Als Reaktion soll die SDF Mörserangriffe auf dem Grenzübergang zwischen ihrem Territorium und dem der pro-türkischen Söldner durchgeführt haben, welcher die wichtigste Route für den Ölschmuggel zwischen den beiden Seiten ist. Auch türkische und russische Kampfjets sollen zu dem Zeitpunkt aktiv gewesen sein, jedoch wurden diese zur Aufklärung und nicht zur Angriffsunterstützung eingesetzt.

Das Gebiet befindet sich tief im von der Türkei kontrollierten Territorium Nordsyriens und wird fast nie von russischen, syrischen oder amerikanischen Luftschlägen heimgesucht. Der Ort dient wohl als zentrale Schmuggelroute für Rohöl oder Treibstoffe aus dem Osten Syriens in die Türkei, damit ist es eine wichtige Einnahmequelle für die Opposition und dem arabisch-kurdischen Militärbündnis der SDF, welche auf Druck der USA Rohstoffe nur in geringen Mengen an die syrische Regierung weiterverkaufen können, weshalb an vielen Orten ebenfalls Schmuggelrouten entstanden sind. Der letzte große Angriff auf den nordsyrischen Öl-Schmuggelring liegt vier Monate zurück, als russische Luftschläge einen ähnlichen Effekt wie die letzten Raketenangriffe der syrischen Streitkräfte verursachten. Seit einem Monat gibt es aber auch Berichte darüber, dass es in der Region zu immer mehr Drohnenangriffen auf die improvisierten Raffinerien und Pipelines kommt. Höchst wahrscheinlich steckt auch hier die syrische Armee dahinter, welche über den Zeitraum eines Jahres mehr Aufklärungs- und Kampfdrohnen in ihr Arsenal aufgenommen hat.

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