Armee attackiert Ölschmuggel in Nordsyrien

Vor zwei Nächten gelang den syrischen Streitkräften ein folgenschwerer Schlag gegen den seit Jahren andauernden Handel von Erdgas und Öl zwischen den von verschiedenen Fraktionen gehaltenen Territorien Syriens und der Türkei: Ein Handels- und Umschlagsplatz für Rohstoffschmuggel wurde im von der Türkei besetzten Gebiet durch mehrere Raketen zerstört, die dadurch entstandenen Explosionen entfachten ein Feuer, welches 24 Stunden lang nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Über die letzten Monate hinweg hat die syrische Armee den Ölschmuggel als lukratives Ziel ihrer Bemühungen entdeckt, den verfeindeten Islamisten großen ökonomischen Schaden anzurichten. Bereits im Oktober und Februar gab es ähnliche Vorfälle, als russische Kampfjets mehrere Schmuggelnester vor Ort bombardierte und einen Großteil davon zerstörte. Die direkten Angriffe auf eine wichtige Einkommensquelle der Opposition sind auch eine Botschaft an den türkischen Schirmherr, welcher von diesem Handel ebenso profitiert.

Mehrere Tochka-Raketen schlugen in der Umgebung des Dorfes Tarhin ein, welches nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt liegt. Die Projektile wurden mutmaßlich in der Nähe des Kuweihrs-Militärflugplatzes in West-Aleppo gestartet, weshalb die syrische Armee als wahrscheinlichster Akteur gilt. Jedoch ist eine russische Rolle dabei nicht gänzlich auszuschließen, da gerade das russische Militär in der Vergangenheit immer wieder den Ölschmuggel in Nord-Aleppo attackiert hatte, mehrmals auch mit eigenen Raketen. Getroffen wurde ein Parkplatz unzähliger Transport-LKWs und improvisierte Raffinerien, die daraufhin explodierten und einen großen Flächenbrand auslösten, in dessen Folge der Ort Tarhin evakuiert werden musste. Einen Tag lang hatten lokale Rettungskräfte das Feuer nicht unter Kontrolle, bis sich die Situation in der Nacht darauf entspannte. Insgesamt starben oppositionellen Berichten zufolge bei dem Vorfall vier Menschen, darunter ein Weißhelm, welcher als Feuerwehrmann aktiv war.

Angeblich gab es wenige Stunden zuvor noch einen weiteren, von Russland mit einer Iskandr-Rakete durchgeführten Angriff auf einen Grenzübergang zwischen Aufständischen und den „Syrischen Demokratischen Kräften“ (SDF) in al-Humran, welcher in erster Linie ebenfalls dem Handel von Ressourcen gilt. Auch da soll es zu Explosionen gekommen sein, jedoch scheint der Schaden wesentlich geringer gewesen zu sein. Als kurzfristige Reaktion feuerte die Türkei und ihre syrischen Stellvertreter mehrere Mörser- und Artilleriesalven auf die kurdische Exklave in Tel Rifaat, welche von der syrischen Regierung gemeinsam mit kurdischen Kräften verwaltet und kontrolliert wird.

Das Gebiet befindet sich tief im von der Türkei kontrollierten Territorium Nordsyriens und wird fast nie von russischen, syrischen oder amerikanischen Luftschlägen heimgesucht. Der Ort dient wohl als zentrale Schmuggelroute für Rohöl oder Treibstoffe aus dem Osten Syriens in die Türkei, damit ist es eine wichtige Einnahmequelle für die Opposition und dem arabisch-kurdischen Militärbündnis der SDF, welche auf Druck der USA Rohstoffe nur in geringen Mengen an die syrische Regierung weiterverkaufen können, weshalb an vielen Orten ebenfalls Schmuggelrouten entstanden sind. Der letzte große Angriff auf den nordsyrischen Öl-Schmuggelring liegt vier Monate zurück, als russische Luftschläge einen ähnlichen Effekt wie die letzten Raketenangriffe der syrischen Streitkräfte verursachten. Seit einem Monat gibt es aber auch Berichte darüber, dass es in der Region zu immer mehr Drohnenangriffen auf die improvisierten Raffinerien und Pipelines kommt. Höchst wahrscheinlich steckt auch hier die syrische Armee dahinter, welche über den Zeitraum eines Jahres mehr Aufklärungs- und Kampfdrohnen in ihr Arsenal aufgenommen hat.

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