Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien nehmen erheblich zu

Vor einer Woche nahmen die jemenitischen Houthi-Rebellen, offiziell unter dem Namen „Ansar Allah“ bekannt, ihre Raketen- und Drohnenangriffe auf Ziele innerhalb Saudi-Arabiens wieder auf, das nördliche Nachbarland des Jemens gilt weiterhin als der größte internationale Unterstützer der jemenitischen Regierung, auf deren Seite sie vor inzwischen sechs Jahren intervenierten und seit jeher einen großen Teil der Kriegsbeteiligung stemmen müssen. Während Houthi-Angriffe auf die Infrastruktur von Saudi-Arabien nicht ungewöhnlich sind, nimmt die Intensität und Quantität der versuchten Anschläge erheblich zu: Der Rekord liegt bisher am Freitag, als Saudi-Arabien die erfolgreiche Abwehr von fünf voneinander unabhängigen Drohnenangriffen vermeldet, während Houthi-Rebellen von erfolgreichen Operationen gegen die Öl- und Gasinfrastruktur Saudi-Arabiens berichtet. Die vom Iran mitentwickelte und unterstützte Drohnenflotte der jemenitischen Aufständischen entwickelt sich zunehmend zur stärksten Waffe in ihrem Kampf gegen die Golfstaaten.

Die neueste Welle an Drohnenoperationen wurde am Donnerstag gestartet, als der Houthi-Pressesprecher Yahya al-Sari einen Angriff auf die Hafenstadt Jeddah nahe Mekka verkündet, 650 Kilometer von der jemenitischen Grenze entfernt. Ziel sei eine Anlage von Aramco gewesen, der staatlich weltweit größten Erdölfördergesellschaft, deren Infrastruktur regelmäßig von den Houthis attackiert wird, was mitunter auch zur Lahmlegung der Ölproduktion führte. Das Verteidigungsministerium widerspricht den Angaben und sagt hingegen, dass es zu keinen Angriffen auf Saudi-Arabien gekommen ist. Dennoch mussten Flüge, dessen Ziel der nur wenige Kilometer entfernte Abdulaziz-Flughafen war, abdrehen oder auf andere Flughäfen verlegt werden. Bereits im November kam es zu einem Anschlag durch Angriffsdrohnen auf die Aramco-Anlagen in Jeddah, die einen großen Brand in dem Komplex verursacht haben.

Nur einen Tag später vermeldet das Militär Saudi-Arabiens hingegen die erfolgreiche Abwehr mehrerer Drohnen über der Stadt Khamis Mushait, die nur 100 Kilometer vom Jemen entfernt liegt. Ziel war dabei der wohl örtliche König-Khalid-Flughafen, welcher zivil und militärisch genutzt wird. Die Houthis sprachen ebenfalls davon, den nahe gelegenen Abha-Flughafen ebenso attackiert zu haben, eingesetzt wurden dabei in erster Linie „Kamikazedrohnen“ des Typs Sammad-3 und Qasef-2K, welche sich seit Jahren erfolgreich im Jemen und gegen Saudi-Arabien bewährt haben. Der Erfolg dieser Mission ist bisher unbekannt, die Vergangenheit beweist jedoch die Effektivität dahingehend, dass zumindest der Flugverkehr für mehrere Stunden unterbrochen werden musste.

Raketen- und Drohnenangriffe der Houthis auf die Infrastruktur Saudi-Arabiens sind nichts ungewöhnliches. Bereits in der Vergangenheit setzten die Houthis immer wieder Kampfdrohnen gegen feindliche Ziele ein, darunter befanden sich auch eine Aramco-Erdölraffinerie in der saudi-arabischen Provinz Jizan oder bei Riad. Die meisten Angriffe beschränken sich aber auf die Grenzregion, Bombardierungen von einer Entfernung sind bisher sehr selten gewesen, dort wurden bevorzugt Raketen genutzt. Auch wurde der Internationale Khalid-Flughafen der Vereinigten Arabischen Emirate im vergangenen Jahr mithilfe einer Drohne attackiert, ein Jahr später wurden Kameraaufnahmen veröffentlicht, welche die Zerstörung mehrerer LKWs auf dem Flughafengelände zeigt. Weitere nennenswerte Drohnenoperationen war ein Angriff auf das noch in Bau befindliche Atomkraftwerk in den VAE und auf Aramco-Anlagen in Khurais 2019, die die Produktion von Rohstoffen unterbrach und zu erhöhten Ölpreisen auf den globalen Handelsmarkt führte. Die „Drohnenflotte“ der jemenitischen Aufständische entwickelt sich zunehmend zur gefährlichsten Waffe im Kampf gegen die Mitglieder der Arabischen Koalition im jemenitischen Konflikt, welche vor allem auf die Technologie des Irans und Chinas aufbauen kann, die Houthis als quasi-funktionierender Staat auch auf eigene Waffenprogramme zurückgreifen kann.

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