Israelische Luftschläge auf Damaskus

Nur wenige Tage nach den amerikanischen Luftschlägen auf eine irakisch-schiitische Gruppierung in Ostsyrien unternahm Israel ebenfalls den Versuch, vermeintlich „iranische Ziele“ im syrischen Territorium anzugreifen. In der Umgebung der Hauptstadt Damaskus setzte die israelische Luftwaffe mehreren Meldungen zufolge mehrere Raketen ein, dessen Ziel ein Lagerhaus auf dem Gelände des Internationalen Flughafens der Millionenstadt gewesen sein soll. Sowohl die verursachten Schäden als auch der Erfolg der syrischen Luftabwehrsysteme sind bisher unklar, es soll sich aber nur um einen stark limitierten Angriff für israelische Verhältnisse gehandelt haben. Es könnte eine Reaktion auf einen Vorfall von vor vier Tagen darstellen, bei dem ein israelisches Schiff im Golf von Oman angegriffen und schwer beschädigt wurde. Israel sieht dahinter iranische Saboteure, welche dies wiederum als Vergeltung auf die US-Luftschläge in Syrien durchgeführt haben.

Einzig ein Lagerhaus auf dem Flughafen von Damaskus wurde dabei getroffen und womöglich auch zerstört, weitere Berichte von Toten oder Verletzten existieren nicht. Bei dem Warenhaus soll es sich um Besitztum des iranischen Militärs gehandelt haben, welche unter anderem darüber Waffenexporte an ihre Stellvertreter in z.B. Syrien oder dem Libanon in Form der Hisbollah abwickelten. Auf Videos ist zu sehen, wie die syrische Luftabwehr mehrere Raketen über dem Himmel von Damaskus eliminierte, jedoch wurde entgegen den üblichen Erfolgsmeldungen der Staatsmedien nur ein kleiner Teil der angreifenden Projektile zerstört. Dabei sollen israelische Kampfjets in erster Linie den Luftraum über den Libanon und den Golanhöhen genutzt haben, welche seit Jahrzehnten von Israel kontrolliert, de jure aber unter syrischer Kontrolle fallen.

Ungewöhnlich ist hierbei der vermutete Hintergrund dieser Aktion. Womöglich handelt es sich um einen „Vergeltungsschlag“ gegen den Iran, welche vor kurzem angeblich ein Frachtschiff unter israelischen Privatbesitz vor den Toren des Persischen Golfes attackierten. Demnach entstanden durch zwei Explosionen große Löcher im Rumpf des Schiffes, die laut dem israelischen Militär durch zwei Raketen der iranischen Marine verursacht wurden. Der Frachter musste danach einen Zwischenstopp in Dubai einlegen, die Besatzung blieb unverletzt. Beweise für die Behauptungen von Seiten Israelis existieren jedoch nicht, es wäre aber nicht verwunderlich angesichts der letzten Entwicklungen in der Region, nachdem die USA unter dem neuen Präsident Joe Biden wieder aktiver und aggressiver in den Konfliktherden involviert sein will, wie man zuletzt in Ostsyrien beobachten konnte.

Es handelt sich mindestens um den sechsten israelischen Angriff auf Syrien in diesem Jahr, ein steiler Anstieg im Vergleich zu den vorherigen Jahren. Die Angriffe erfolgten in der Vergangenheit stets vom libanesischen Luftraum oder von den israelisch besetzten Golanhöhen aus, wodurch die syrische Luftabwehr erst verspätet aktiviert wird. Seit einem Jahr jedoch benutzt Israel immer mehr den jordanischen Luftraum, um von dort aus sicher den Osten Syriens attackieren zu können, wo inzwischen das Gros der schiitisch-irakischen Milizen mit iranischer Unterstützung zu finden ist. Auch Zentralsyrien mit der Provinz Hama entwickelt sich zu einem populären Ziel, welches wiederum über den Libanon aus angeflogen wird.

Eigentlich einigten sich Russland und Syrien auf die Lieferung moderner S-300-Luftabwehrsysteme, nachdem ein russisches Aufklärungsflugzeug über Latakia abgeschossen wurde. Derzeit ist aber noch unklar, ob die S-300 mitsamt weiterer Radarsysteme und anderer Logistik überhaupt einsatzfähig ist, zumindest wird das zukünftige syrische Personal noch von Russland vor Ort ausgebildet. Die S-300-Abwehrbatterie soll in der Nähe von Masayaf in Nord-Hama stationiert sein, bisher kam sie noch nicht ein einziges Mal zum Einsatz und befindet sich höchstwahrscheinlich unter russischer Kontrolle.

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