Türkei startet Militäroffensive im Irak gegen PKK

Zum erneuten Male startet die türkische Armee eine neue Militäroperation auf das irakische Staatsgebiet, um dort eigenen Angaben zufolge Anhänger und Zellen der kurdischen Arbeiterpartei (PKK) zu eliminieren. Ungeachtet der territorialen Verhältnisse und den Protesten der Zentralregierung in Bagdad kommt es inzwischen jährlich zu türkischen Offensiven, die das türkisch-irakische Grenzgebiet betreffen und in erster Linie mehrere Kilometer im Irak stattfinden. Während die türkische Regierung auf die Unterstützung des kurdischen Autonomiegebiets im Nordirak setzen kann, beteiligt sich nun eine neue Fraktion auf Seiten der PKK an dem Konflikt: Schiitisch-irakische Milizen mit iranischer Unterstützung drohen der Türkei aufgrund der Verletzung der irakischen Souveränität und verlegen tausende Kämpfer in die Grenzregion. Bisher scheint die türkische Mission von Misserfolg geprägt zu sein.

Seit vier Tagen soll es in der gebirgigen Region von Haftanin und Duhok zu schweren Kämpfen zwischen türkischen Truppen und der PKK gekommen sein, auf beiden Seiten kam es dabei zu Verlusten. Begleitet werden die Gefechte von schweren Luftangriffen, die mitunter Zivilisten getötet haben. Während sich die Kurden mit den eigenen Todeszahlen bedeckt halten, berichtet das türkische Militär von dutzenden getöteten PKK-Anhängern und einem gefangen genommenen Kommandanten, wobei diese Angaben eher inflationärer Natur sind. Die Türkei selber bestätigte den Tod von drei türkischen Soldaten, während die PKK von fast 50 ermordeten Soldaten spricht. Die als „Operation Adlerklaue 2“ getaufte Militäroffensive, als Anspielung an die vor einem Jahr stattfindende ähnliche Operation im Nordirak, soll bisherigen Berichten zufolge für die Türkei sehr erfolglos verlaufen, da das primäre Ziel verfehlt wurde. Demnach ist die Hauptmission gescheitert, 15 gefangen genommene türkische Polizisten bzw. Militärpolizisten zu befreien, stattdessen soll die PKK diese Geiseln getötet haben. Die Arbeiterpartei behauptet hingegen, dass diese Personen durch türkische Bombardements umgebracht wurden.

Trotz der Parallelen zu den vorangegangenen türkischen Operationen gibt es auch eine brandneue Entwicklung. Die „Volksmobilisierungseinheiten“ (PMU oder PMF), eine Dachorganisation mehrerer irakischer Milizen, die hauptsächlich aus schiitischen, aber auch sunnitischen oder christlichen Gruppierungen besteht, kündigen ihre Bereitschaft zur Verteidigung der irakischen Grenzen an. Als erster Garant wurden deswegen drei Brigaden, Kata’ib Sayyid al-Shuhada (schiitisch), eine Einheit der Badr-Organisation (schiitisch) und Quwat Wa’ad Allah (sunnitisch) in die Region von Sinjar gebracht, welche sich unweit der Kampfeszone befindet und seit sechs Jahren ein wichtiges PKK-Gebiet darstellt. Die PMF stellt zwar eine Teileinheit der irakischen Streitkräfte dar, jedoch agieren sie meistens relativ eigenständig. Dementsprechend groß ist die Frage der Regierungsbeteiligung, einigen Meldungen zufolge soll der neu gewählte Premierminister Mustafa al-Kadhimi diesen Schritt verordnet haben.

Damit stellt er sich auch gegen die Regierung der kurdischen Autonomieregion, welche den Abzug von PMF-Kampfverbänden aus ihrem Gebiet fordern. Das Haftanin-Gebirge, welches von der türkischen Operation derzeit betroffen ist, befinden sich am nördlichsten Zipfel des Landes und untersteht eigentlich der Kontrolle des kurdischen Autonomiegebiets, welche aber aufgrund weitreichender Probleme wie Korruption und Misswirtschaft nur einen Teil ihrer Macht projizieren kann, obwohl sie in Feindschaft mit der PKK steht und gute Beziehungen zur Türkei pflegt. Bereits seit einem Jahr hält die Türkei, unter dem Vorwand den Terrorismus zu bekämpfen, einige Landstriche in Haftanin besetzt und versucht stetig, diese Gebiete an die Türkei mithilfe von Straßen anzuschließen.

Die Region um Sinjar und Haftanin gehört zur Provinz Nirnaweh und wird vor allem von Jesiden bevölkert. Als der Islamische Staat an die Grenzgebiete von Sinjar näher rückte, zogen sich die eigentlich für die Gebiete zuständigen Truppen der irakischen Armee und kurdischen Peschmerga zurück, Letztere entwaffneten sogar die wenigen jesidischen Bürgermilizen. Erst die Intervention der PKK und ihre Errichtung und Unterstützung verschiedener Milizen (darunter die jesidische YBS) konnte das durch den Genozid verursachte Leid weiter verhindern. Nach den Gefechten zwischen Peschmerga und irakischer Armee 2017 gelangte die Zentralregierung wieder über die Kontrolle von Sinjar, wobei sie weiterhin die Region mithilfe der PKK verwaltet bzw. ihre Präsenz duldet. Die irakische Armee und USA selber haben einen Observierungsposten auf dem höchsten Berg errichtet.

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