Drei Bombenanschläge innerhalb eines Tages treffen pro-türkische Rebellenregion

Das von pro-türkischen Islamisten kontrollierte Territorium im Norden der Provinz Aleppo sieht sich in den letzten 24 Stunden einer neuen Terrorwelle ausgesetzt, nachdem in diesem kurzen Zeitraum drei Autobomben an verschiedenen Orten detonierten. Das Gebiet, welches teils unter der Kontrolle des Islamischen Staates und zum anderen Teil unter kurdischer Herrschaft stand, hat sich seit der Eroberung durch die Türkei zu einer der instabilsten und gefährlichsten Region Syriens entwickelt, nachdem die lokalen Behörden und Institutionen erhebliche Probleme damit haben, für Ordnung zu sorgen und sich stattdessen gegenseitig bekämpfen und um Macht buhlen, während andere Organisationen wie kurdische Schläferzellen und dschihadistische Milizen Terroranschläge verüben. Die Türkei wirft der kurdischen „PKK/YPG“ die drei Angriffe zu, die mehrere Zivilisten und Kämpfer tötete, ohne jedoch Beweise dafür vorlegen zu können.

Die erste Autobombe detonierte am Samstag in der Stadt Afrin in der gleichnamigen Region, welches bisherigen Berichten zufolge sechs Menschen töten und Dutzende Weitere verletzen konnte. Nur wenig später explodierte die zweite Autobombe weiter östlich in dem Ort Azaz, welche eine ähnliche Anzahl an Toten und Verletzten verursacht haben soll. Zuletzt zerstörte die dritte Autobombe einen militärischen Checkpoint nahe dem Dorf Bzaah, die sechs Kämpfer der „Syrischen Nationalarmee“ (SNA), einem von der Türkei organisierten und finanzierten Dachverband verschiedener pro-türkischer Milizen, ermordete. Unklar ist, ob zumindest einer der Anschläge von einem Selbstmordattentäter durchgeführt wurde, welches zumindest im letzten Falle nicht unwahrscheinlich wäre, da die Autobombe am Checkpoint aufgehalten wurde.

Die zweite Ungewissheit stellen die Täter dar. Die Türkei beschuldigte kurz darauf die PKK der Anschläge, ohne nähere Details oder Beweise zu nennen. Auszuschließen ist es jedoch nicht, dass PKK-nahe Organisationen die Angriffe zumindest teilweise durchgeführt haben, da im Falle des einst kurdischen Afrins eine wichtige Unterstützungsbasis besteht und bereits in der Vergangenheit die sogenannte „Wrath of Olives“-Gruppierung Anschläge begangen hat, die sich unter anderem auch gegen zivile Ziele richtete. Es ist jedoch nicht die einzige Fraktion, die in Frage kommen würde. Denn der Islamische Staat, welcher ebenfalls mehrere Jahre über Teile der Region in Nord-Aleppo herrschen konnte, dringt in den von Korruption und Anomie geprägten Territorien der SNA immer weiter vor und kann dabei auf lokale Sympathien setzen, viele ranghohe Mitglieder flohen nach der Niederlage in Ostsyrien/Westirak hierher, wo sie sich relativ frei umherbewegen können. Der IS verübte auch hier in der Provinz Aleppo vermehrt Anschläge und Attentate und gerade der Einsatz von Autobomben und Selbstmordattentätern würde den regulären Modus Operandi der Terrormiliz entsprechen.

In der Region Afrin dauert seit über zwei Jahren ein Widerstandskampf mehrerer kurdischen Guerillagruppen an, welcher auf Seiten der Türkei und Nationalarmee zu dreistelligen Verlusten geführt hat und in seiner Schlagkraft bis heute nicht abgenommen, sich sogar weiter professionalisiert hat. Waren es am Anfang noch einfache Überfälle von vereinzelten Fahrzeugen über Nacht, werden inzwischen mithilfe von Panzerabwehrwaffen, Infrarotvisieren oder Drohnen ganze Militärbasen attackiert, sogar auf das ursprünglich nicht von der YPG kontrollierte Gebiet von Nord-Aleppo haben sich die Operationen ausgeweitet. Dabei können sie neben den Sympathien der kurdischen Bevölkerung auch auf die Unterstützung der syrischen Regierung setzen, welche ihnen ein Rückzugsgebiet in Form von der Region Tel Rifaat gibt und es außerdem zu Waffenlieferungen kommen soll, teilweise gibt es sogar gemeinsame Artillerieangriffe.

Dass gerade so viele Anschläge diese Region treffen, ist wenig verwunderlich. Ohnehin gilt das von der Türkei verwaltete Gebiete von Afrin im Westen bis nach al-Jarablus im Osten als ein Hort der Korruption und Plänkeleien zwischen den verschiedenen Gruppierungen. Ahrar al-Sharqiyah gehört zu den dschihadistischen Organisationen innerhalb des türkischen Machtgebietes und sind innerhalb Afrins durch die Zerstörung eines Spirituosengeschäfts oder dem Singen von islamistischen Liedern ins Rampenlicht getreten. Dieser Vorfall ist nur eines der vielen Beispiele in Nordsyrien, wie die Herrschaft der ineinander verfeindeten und verschiedene Ziele verfolgenden Opposition aussieht, besonders islamistische Kräfte verursachen derartige Eskalationen. Besonders die Einwohner in Afrin und Nord-Syrien leiden darunter, zuvor konnten sie in relativer Stabilität und Freiheit unter der Kontrolle der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bzw. Syrischen Demokratischen Kräfte leben.

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