Gefechte zwischen Kurden und syrischer Regierung

In den letzten zwei Nächten ist die Situation im Nordosten Syriens wesentlich eskaliert, nachdem es zwischen lokalen Polizeistreitkräften des arabisch-kurdischen Milizenbündnisses der „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) und Milizionären der syrischen Regierung zu kleineren Plänkeleien gekommen ist, die dennoch der größte Ausbruch von Gewalt zwischen den beiden Fraktionen seit Jahren darstellt. Sollte sich die Situation nicht beruhigen hätte das große geopolitische Konsequenzen, da die Kontrolle der syrischen Regierung über mehrere Viertel und den Flughafen in der größten Stadt im Nordosten des Landes, al-Qamishli, die SDF vor weitere Offensiven und Eroberungszüge der türkischen Armee schützt, welche bereits über andere Abschnitte entlang der syrisch-türkischen Grenze herrschen. Hinzu kommt, dass die USA nun mit dem Präsidentschaftswechsel auch wahrscheinlich ihre Präsenz in Syrien als SDF-Verbündeter ausbauen will und deswegen um den gleichen Einflussbereich im Nordosten mit Russland, der Türkei und der syrischen Regierung kämpft.

Die Scharmützel fanden in den Vierteln von Bashiriyah und Arabiyeh zwischen lokalen Sicherheitsdiensten der kurdischen „Asayish“ und dem regierungstreuen Gegenpendant der „National Defense Force“ (NDF) statt, nachdem ersten Berichten zufolge ein Schuss auf einen Kontrollpunkt der Asayish geschossen wurde, unabhängige Bestätigung gibt es dafür jedoch nicht. Wenig später kam es zum Einsatz schwerer Maschinengewehre und mehrere Fahrzeuge, die zum bisherigen Stand zum Tod von bis zu zwei Kämpfern geführt hat. Strategisch befindet sich die syrische Regierung hier im Nachteil, da die wenigen Exklaven in Qamishli nur über den örtlichen Flughafen erreichbar sind, während sich die Stadt selber im Kernterritorium der SDF befindet. Dennoch ist die Gefahr einer türkischen Invasion wohl Grund genug, die einen völligen Ausschluss der Regierung aus der Großstadt verhindern würde. Höchst wahrscheinlich wird die Situation in den kommenden Tagen deeskalieren, nachdem sich russische oder syrische Soldaten vor Ort stationiert werden und weiteres Blutvergießen auf beiden Seiten verhindert wird.

Es kam in den vergangenen Jahren immer wieder zu derartigen Situationen, welche oftmals in noch größerem Blutvergießen endeten. Vor fast drei Jahren kam es zu einem ähnlichen Ereignis, in dessen Folge 18 Kämpfer von beiden Seiten ihr Leben nahmen. Als Anlass werden immer Unstimmigkeiten bei den Checkpoints genannt, so werden entweder Sicherheitsmaßnahmen der anderen Seite ignoriert oder man versucht Rekrutierungskampagnen im anderen Territorium durchzuführen. Einigen Berichten nach werden diese Konflikte aktiv von den USA unterstützt, da sie die derzeit andauernden Friedensverhandlungen zwischen SDF und syrischer Regierung behindern und dies ein Einflussverlust für die USA in Syrien bedeuten würde.

Die Stadt al-Qamishli ist seit jeher in zwei Teile geteilt: Während die Kurden den Großteil der Großstadt beherrscht, kontrolliert die syrische Regierung weiterhin das Zentrum mitsamt syrisch-türkischen Grenzübergang, viele christliche Viertel und den großen Flughafen vor Ort. Im Gegensatz zur weiter südlich gelegenen Stadt al-Hasakah kam es hier aber nur zu vereinzelten, isolierten Vorfällen von Gefechten. Dort intervenierte vor zwei Jahren sogar die syrische Luftwaffe, letzten Endes wurden die Regierungseinheiten jedoch aus dem Großteil der Stadt al-Hasakah verbannt und darf nach langwierigen Verhandlungen nur noch eine administrative Präsenz vor Ort besitzen.

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