Israel bombardiert Syrien an Heiligabend

Fast zehn Jahre lang herrscht in Syrien ein brutaler Konflikt zwischen verschiedensten Interessen und Stellvertretern, welcher selbst an Heiligabend weitergeführt wird: In der Nacht des 24. Dezembers starteten israelische Kampfjets mehrere Luftschläge auf Ziele in der zentralsyrischen Provinz Homs, welche seit jeher unter der Kontrolle der syrischen Regierung steht. Die vom Libanon aus gestarteten Raketen trafen vermutlich ein Militärgelände nahe dem Dorf al-Masyaf, welches oft als Waffenfabrik mit Kontakten zum Iran und der Hisbollah dargestellt wird. Syrischen Staatsmedien zufolge konnte der Angriff erfolgreich durch die syrische Luftabwehr verheiltet werden, jedoch werden derartige Erfolgsmeldungen jedes Mal unabhängig der wirklichen Situation veröffentlicht, weswegen ein tatsächlicher „Sieg“ eher unwahrscheinlich ist. Bereits im letzten Jahr flog Israel Angriffe zu Weihnachten, die libanesische Regierung protestierte aufgrund der Verletzung des libanesischen Luftraumes während der Luftangriffe.

Bisher existieren keine genaueren Angaben zum Erfolg bzw. Misserfolg der israelischen Operation, genauso wenig wie ein öffentliches Statement von allen involvierten Seiten. Die israelische Aktion kann auch vom Hintergrund der bevorstehenden Neuwahlen gekennzeichnet sein, erst gestern drohte Ministerpräsident Netanjahu mit Vergeltungsaktionen gegenüber dem Iran. Die Region um Masayaf befindet sich immer wieder unter dem Beschuss Israels, auch da sich dort eine angebliche Waffenfabrik für iranische Raketen oder ein Forschungszentrum für Chemiewaffen handelt, welches für die Hisbollah produzieren soll. Zuletzt wurde der Direktor der Anlage im August 2018 ermordet, zu der Tat bekannte sich die ansonsten unscheinbare „Abu-Amara-Spezialeinheit“, eine Guerillamiliz welche seitdem auch nicht wieder aufgetreten ist und wahrscheinlich Beziehungen zu Israel unterhält. Bereits 2017 flog Israel mehrere Angriffe auf den Gebäudekomplex, nach dem angeblichen Giftgasangriff in Khan Sheikhoun wurden Hunderte Mitarbeiter in Masyaf von der USA sanktioniert.

Es handelt sich mindestens um den zwölften israelischen Angriff auf Syrien in diesem Jahr. Die Angriffe erfolgten in der Vergangenheit stets vom libanesischen Luftraum oder von den israelisch besetzten Golanhöhen aus, wodurch die syrische Luftabwehr erst verspätet aktiviert wird. Seit einem Jahr jedoch benutzt Israel immer mehr den jordanischen Luftraum, um von dort aus sicher den Osten Syriens attackieren zu können, wo inzwischen das Gros der schiitisch-irakischen Milizen mit iranischer Unterstützung zu finden ist.

Eigentlich einigten sich Russland und Syrien auf die Lieferung moderner S-300-Luftabwehrsysteme, nachdem ein russisches Aufklärungsflugzeug über Latakia abgeschossen wurde. Derzeit ist aber noch unklar, ob die S-300 mitsamt weiterer Radarsysteme und anderer Logistik überhaupt einsatzfähig ist, zumindest wird das zukünftige syrische Personal noch von Russland vor Ort ausgebildet. Die S-300-Abwehrbatterie soll in der Nähe von Masayaf in Nord-Hama stationiert sein, bisher kam sie noch nicht ein einziges Mal zum Einsatz und befindet sich höchstwahrscheinlich unter russischer Kontrolle.

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