Huthi-Rebellen rücken auf Jemens wichtigste Stadt vor

Vor mehreren Monaten starteten die zaidisch-schiitischen Houthi-Rebellen (auch bekannt unter ihrem offiziellen Namen „Ansar Allah“) einen Großangriff auf die von der Exilregierung gehaltene Stadt Marib, welche sich im Verlaufe des jemenitischen Konfliktes zu einem Stabilitätsanker und Zufluchtsort von Millionen Flüchtlinge entwickelt hat und nun das zukünftige Schicksal des Jemens entscheiden könnte. Denn die gleichnamige Provinz würde für die Houthis das Tor zum wüstenreichen Osten des Landes öffnen, in jenes Gebiet, welches den einzigen geöffneten Grenzübergang zu Saudi-Arabien und die Ölfelder des Landes besitzt. In den letzten Tagen konnten sie neue Erfolge vorweisen und eine wichtige Militärbasis erobern, wodurch der Weg zum Westeingang von Marib offen steht.

Im letzten Zeitraum hat sich die Situation rundum verhältnismäßig verfahren, Angriffe der Houthi-Kämpfer konnten erfolgreich abgewehrt werden. Der Befreiungsschlag kam dann am Donnerstag, als die Schiiten die Maas-Militärbasis, etwa 50 Kilometer nordwestlich von Marib entfernt, erobern und damit das letzte Hindernis auf der Straße zwischen Sanaa und Marib beseitigen konnten. Angehörige der Hadi-Regierung widersprechen diesen Angaben und behaupten hingegen, dass sich der Stützpunkt weiterhin unter der Kontrolle der Regierungskoalition befindet. Auf jeden Fall steht fest, dass die Umgebung seit Wochen schwer umkämpft ist. Parallel dazu können sie ihre Situation südlich von Marib konsolidieren, wodurch zunehmend ein Zangenangriff auf die Stadt ermöglicht wird und die Verteidiger früher oder später dazu gezwungen, sich entweder zurückzuziehen oder umkreist zu werden.

Militärische Situation rundum Marib: Houthi-Rebellen (rot) können erfolgreich aus drei Stoßrichtungen (Süden, Westen und Nordwesten) auf Marib vorrücken und es somit langsam umkreisen.

Der Ort kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, besonders im jemenitischen Konflikt nahm er eine besondere Rolle ein. Denn eigentlich besitzt die Stadt Marib lediglich 20.000 Einwohner. Diese Bevölkerungszahl konnte sich aber in Folge des Krieges vervielfachen, einigen Schätzungen zufolge halten sich zwei Millionen Flüchtlinge in der Provinz auf. Grund hierfür ist die Herrschaft der Islah-Partei, dem inoffiziellen jemenitischen Ableger der Muslimbruderschaft. Diese konnte bisher relativ erfolgreich ihre Territorien aus den Gefechten heraushalten, auch wenn sie offiziell die Exilregierung unter Präsident Mansour Hadi unterstützen und von Saudi-Arabien und Katar finanziert werden. Die Islah-Partei musste jedoch enorm an Einfluss einbüßen, insbesondere seit Anbeginn der Houthi-Offensive und wird allgemein als Buhmann innerhalb der Regierungskoalition gesehen, viele Jemeniten sehen die Muslimbruderschaft als heimliche Unterstützer der Houthis, obwohl es hierfür keine Beweise gibt.

Die Eroberung von Marib würde viele neue Fronten eröffnen, darunter ein Angriff auf den letzten jemenitischen Grenzübergang zu Saudi-Arabien, al-Wadiah. Zudem liegen dort viele Bohrtürme und Raffinerien, welches eine der letzten Einnahmequellen für die jementische Regierung darstellt. Gerade in der Wüste im Osten des Jemens wäre es aufgrund der schieren Größe nahezu unmöglich, dauerhafte Verteidigungen und Patrouillen einzusetzen und somit wichtige Ressourcen von den aktiven Frontlinien im Südwesten des Landes abzuziehen. Bereits heute soll es in der Wüste feste Schmugglerringe geben, die beispielsweise Waren und Waffen von der omanischen Grenze zu den Houthi-Gebieten schaffen. Stattdessen würden kleinere Verbände an Houthi-Kämpfern die Grenzstädte zur Wüste attackieren, ähnlich den asymmetrischen Taktiken des Islamischen Staates in Syrien und dem Irak.

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