Der ewig unruhige Süden

Obwohl die „Revolution“ in ihrem Geburtsort vor mehreren Jahren ein jähes Ende fand, scheint die Idee dahinter unsterblich. Im Süden Syriens kam es zum wiederholten Male zu Aufständen gegen die syrische Regierung, angeführt von ehemaligen Oppositionellen und verschiedenen Organisationen versuchen sie ihre durch Russland gewonnene Autonomie weiter aufrecht zu erhalten, auch gewaltsam mit dem Einsatz gezielter Attentate und Anschläge gegen Repräsentanten des Staates. Diese Vorfälle eskalierten in letzter Zeit und führen derzeit dazu, dass die syrische Armee eine groß angelegte Militäroffensive auf die Stadt Dara’a und umliegende Ortschaften ausführt, um die widerspenstigen Elemente endgültig zu besiegen. Nun stehen sich verschiedene Einheiten der syrischen Streitkräfte gegenüber, Loyalisten gegen ehemalige und rehabilitierte Rebellen, während Russland versucht zu verhandeln.

Die neueste Runde an Gefechten in Südsyrien fanden letzte Woche statt, als aufständische Sympathisanten mehrere Kontrollpunkte der örtlichen Sicherheitskräfte in Ashari überfielen und zwei Soldaten dabei töteten. Daraufhin startete die Regierung eine große Säuberungs- und Festnahmekampagne, die die Situation nur noch weiter eskalieren ließ. Lokale Aufständische zerstörten Regierungsgebäude und Verteidigungspositionen, nahmen mehrere Polizisten dabei fest. Derzeit kommt es zu Unruhen in mehreren Orten, unter anderem in den südlichen Vierteln von Daraa, Karak, al-Musayfrah oder al-Jezzah. Insbesondere in Karak kommt es derzeit zu heftigen Gefechten, nachdem die 4. Armeedivision den Ort belagerte und stürmen wollte, jedoch durch den Einsatz des 5. Armeekorps daran gehindert wurde.

Das 5. Korps besteht in erster Linie aus ehemaligen Oppositionellen, die im Zuge des „Rehabilitierungsprogramms“ die Waffen niederlegten, sich der Armee anschlossen und dadurch eine Generalamnestie erhielten. Unter ihnen befinden sich weiterhin Sympathisanten der syrischen Revolution, die teilweise momentan überliefen oder eben aufgrund ihres Hintergrundes als „neutrale Fraktion“ zu Verhandlungen geschickt werden. Das 5. Korps wurde dabei in erster Linie durch Russland aufgebaut und finanziert, einigen Gerüchten zufolge auch auf Druck Israels (welches nur wenige Kilometer von Daraa entfernt liegt), um den Einfluss syrischer Loyalisten oder schiitischer Kämpfer aus dem Ausland an der Grenze zu verhindern und stattdessen mit Ex-Rebellen zu ersetzen.

Dara’a gilt als  der Geburtsort der „Revolution“ und versteht sich damit auch als Hochburg des Widerstandes gegen die syrische Regierung, während andere Landesteile fest unter Regierungskontrolle stehen und es dort fast nie zum erwähnenswerten Widerstand kommt. Der wohl primäre Grund des Aufstandes ist neben der regulären Unzufriedenheit aber in den Friedensverhandlungen zu finden, die nach der erfolgreichen Offensive der syrischen Armee durchgeführt wurden um weiteres Blutvergießen aus dieser für die Opposition aussichtslosen Situation zu vermeiden. Diese Operation spaltete das Territorium der Aufständischen in zwei Teile: Einen völlig umkreisten Ostteil rund um Dara’a und weiter westlich die Provinz Quneitra, die bisher nahezu unberührt von den Gefechten war und zumindest teilweise von Israel unterstützt wurden.

Während der Osten eine „reguläre Kapitulation“ akzeptieren musste (sprich: Generalamnestie für alle Kämpfer, Freiwillige können nach Idlib transportiert werden und die Regierung kehrt als Administrator zurück), sah es in Quneitra wesentlich besser für die Opposition aus: Auf Intervention Russlands konnte man einen sehr großzügigen Frieden schließen. Die Regierung wird zunächst nur rudimentär in die Region zurückkehren, Ex-Rebellen werden weiterhin die Verwaltung der Gebiete übernehmen und können sogar weiterhin ihre Waffen behalten. Ebenso wird die syrische Armee nicht zurückkehren, lediglich die russische Militärpolizei wird sporadisch Patrouillen fahren. Wie man heute weiß, war diese zugesprochene Autonomie verheerend für die gesamte Region.

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