Türkei droht mit neuen Militäroperationen in Syrien

Anti-französische Proteste in Azaz, Nordsyrien

Gefährlich neue Töne sind aus Ankara zu hören: Nachdem es für viele Monate vergleichsweise ruhig um die Situation in Syrien und der damit verbundenen türkischen Intervention im südlichen Nachbarn stand, intensiviert sich die aggressive Rhetorik des türkischen Präsidenten Erdogan wieder und droht mit möglichen neuen Militäroperationen, um die syrisch-türkische Grenze von „Terroristen“ (sprich: Dem kurdisch-arabischen Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF)) zu befreien. Auch in den von ihnen bereits kontrollierten Gebieten in Nordsyrien gibt es neue Spannungen, nachdem die Region als Testgelände für anti-französische Ressentiments und Maßnahmen umfunktioniert wird.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Mittwoch damit gedroht, eine neue Militäroperation in Nordsyrien zu starten, falls die kurdischen Milizen nicht aus den Gebieten entlang der Grenze zu Syrien geräumt werden. Kurz zuvor gab es einen versuchten Terroranschlag in der türkisch-syrischen Grenzregion Hatay, welche von den örtlichen türkischen Polizisten vereitelt werden konnte und die Angreifer nur sich selber töteten. Nach offiziell türkischer Darstellung handelt es sich bei den Tätern um kurdische PKK-Kämpfer, die die über 100 Kilometer entfernte Grenze zu Syrien überqueren konnten. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich bei den Attentätern um Islamisten handelt, welche das französische Konsulat vor Ort attackieren wollten, aber auf dem Weg dahin gestoppt wurden. Nichtsdestotrotz wird dieser versuchte Anschlag instrumentalisiert und als Legitimation für weitere Aktionen in Syrien genutzt.

Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang zu den überraschend wieder aufgenommenen Angriffen der Türkei und ihrer islamistischen Verbündeten auf das arabisch-kurdische Milizenbündnis der „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) im Nordosten des Landes. Die Türkei bombardierte mehrmals die Grenzstadt Ain Issa und tötete dabei mehrere Personen, das Ziel und die Absicht dieser Bombardements sind unbekannt. Wo sich die SDF und Opposition eine gemeinsame Grenze teilen, kam es dabei auch zu schweren Gefechten. Mehrere Kampfverbände der pro-türkischen „Syrischen Nationalen Armee“ versuchten, das Dorf Khaldiyah von lokalen SDF-Sicherheitskräften zu erobern. Dieser Angriffsversuch konnte von der SDF mit der Unterstützung der dort ebenfalls präsenten syrischen Armee abgewehrt und sogar umgekehrt werden, sodass man einige Gebiete sichern konnte. Russland tritt dabei zuweilen als Schutzmacht für die SDF auf, nachdem die USA sich nach Ostsyrien zurückgezogen hat.

Parallel dazu dient Nordsyrien der Türkei als „Experimentierfläche“, hier konnte die türkische Regierung ihren ersten Aufstand gegen die neuesten Entwicklungen und Maßnahmen gegen Frankreich erproben, nachdem das europäische Land Karikaturen des Propheten Mohammeds verteidigte und inzwischen zunehmend gegen die türkische Geopolitik wettert, zuletzt gab es ein Verbot der türkisch-faschistischen Organisation der „Grauen Wölfe“, welche in den letzten Tagen aktiv Jagd auf Armenier in den Straßen von Lyon und Paris machten. Nordsyrien war das erste Gebiet, welches die Einfuhr französischer Produkte verbot, gefolgt von schweren anti-französischen Protesten in der Region.

In vielen Städten waren Shahada-Flaggen zu sehen, ein Symbol des extremistischen Islamismus. Darunter waren auch Fahnen, die traditionell mit dem Islamischen Staat assoziiert werden, aber auch von anderen dschihadistischen Organisationen wie al-Qaida genutzt wird. Gerade für jene Gebiete im Nordosten des Landes, welche vorübergehend unter der Kontrolle des IS und erst durch die SDF wiedererobert werden konnte, nur um dann später wieder unter die Herrschaft der Türkei bzw. von Islamisten zu fallen, verbirgt sich für die Bevölkerung eine gewisse Ironie in dieser Entwicklung.

Dazu kamen Plakate und Porträts der Person, welche den Lehrer köpften, welcher im Unterricht die Karikatur von Mohammed als Ausdruck der Meinungsfreiheit zeigte. Recherchen haben ergeben, dass der Attentäter Kontakte nach Syrien besitzt, genauer genommen zur Miliz Ahrar al-Sham, welche wiederum in der letzten, noch von islamistischen Kräften kontrollierten Provinz Idlib mitregiert und ein integraler Bestandteil der pro-türkischen Allianz in Nordsyrien ist.

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