Aserbaidschan bombardiert Krankenhaus

Auch weiterhin kommt es im Süden des Kaukasus zum tödlichsten Konflikt, den die Region seit Jahrzehnten erlebt hat. Auch weiterhin wird nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch zunehmend fernab der Frontlinien gekämpft und getötet. Städte und zivile Infrastruktur sind das Ziel beider Länder, die sich unnachgiebig bekämpfen und dabei auch nicht vor Kriegsverbrechen Halt machen, so wurden in der Vergangenheit bereits mehrere Kriegsgefangene auf der Stelle exekutiert, woanders gibt es Meldungen von Enthauptungen. Der neueste Höhepunkt wurde am vergangenem Mittwoch erreicht, als die aserbaidschanische Armee die größten Orte der umkämpften Region Bergkarabachs attackierte und dabei mehrere Zivilisten töte. Eines der Ziele hat sich als das örtliche Krankenhaus herausgestellt, dessen neuster Flügel und zukünftige Geburtsstation vorerst zerstört wurde.

Bezüglich der Kämpfe gibt es nur wenige Neuigkeiten. Weder Aserbaidschan noch Armenien berichten von neuen Fortschritten im Kampf gegeneinander, einigen unbestätigten Medienberichten zufolge konnten die armenischen Streitkräfte die Stadt Qubadli wiedererobern, welche nur wenige Kilometer von der armenischen Grenze im Süden von Bergkarabach entfernt liegt. Das würde bedeuten, dass man vorerst erfolgreich den aserbaidschanischen Vorstoß in Richtung Norden aufhalten konnte, was zu einer großen Gefahr hätte werden können. Nichtsdestotrotz scheint Aserbaidschan im Distrikt Fizuli einige Fortschritte vorzuweisen und mehrere Dörfer erobert zu haben. Zudem können sie immer wieder aufgegebene Fahrzeuge und Waffen erbeuten.

Zudem vermeldet das armenische Verteidigungsministerium, dass Aserbaidschan armenisches Kernterritorium angegriffen und dabei mehrere Soldaten verletzt hätte. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass Aserbaidschan mit Artillerie, Drohnen oder Raketen armenische Positionen im gleichnamigen Land attackierte und dabei für Verluste sorgte, diese Aktionen eskalieren den Konflikt weiter und könnten zu einer Involvierung der armenischen Schutzmacht Russland führen, die inzwischen mehrere Militärposten entlang der geteilten Grenze zwischen Armenien und Bergkarabach errichtet haben.

Am Mittwoch fanden die gegenseitigen Angriffe auf Städte und damit zivile Infrastruktur einen neuen Höhepunkt. Armenische Raketen trafen die Stadt Barda und töteten aserbaidschanischen Angaben zufolge dabei 21 Zivilisten. Die ballistischen Projektile zerstörten mehrere Autos auf Parkplätzen, nachdem sie dort auftrafen. Zeitgleich setzte Aserbaidschan mehrere Kampfjets und Drohnen gegen die zwei großen Städte Stepanarkert und Suschi in Bergkarabach ein, in dessen Folge ebenso mehrere Menschen getötet wurden. Viele davon zerstörten ganze Wohnhäuser, mehrere Bomben trafen das wichtigste Krankenhaus in der Hauptstadt Stepanakert und beschädigten es weitgehend. Getroffen wurde dabei aber nur ein neugebauter Flügel des Gebäudekomplexes, welcher noch nicht in Betrieb genommen wurde.

Doch nicht nur Verbrechen gegenüber ziviler Infrastruktur gibt es zu vermelden. In den sozialen Medien ist ein Video aufgetaucht, welches die Exekution eines verletzten armenischen Soldaten zeigt. Im Video ist zu sehen, wie ein verwundeter Armenier in einem Graben von zwei aserbaidschanischen Soldaten mit einer am Kopf gehaltenen Pistole erschossen wird und dadurch verstirbt. Damit reiht sich das Ereignis in solchen Taten wie der Exekution zwei armenischer Soldaten in ihrer Gefangenschaft ein. Im starken Kontrast dazu steht die Behandlung eines verletzten aserbaidschanischen Soldaten, welcher von Armenien gefangen genommen wurde. Zumindest in der öffentlichen Darstellung gibt es erhebliche Differenzen zu finden und ist zugleich Ausdruck der seit Jahrzehnten bestehenden Feindschaft zwischen den zwei Völkern.

Pro-armenische Karte von den aserbaidschanischen Bodengewinnen (rot)

Ein Katalysator dafür ist der Einsatz syrischer Islamisten als Söldner und Kanonenfutter an den Frontlinien, bezahlt, trainiert und ausgerüstet durch die Türkei. Einigen Schätzungen zufolge befinden sich inzwischen bis zu 2.300 Syrer in Aserbaidschan, wovon über 200 gestorben und 300 wieder die Heimreise angetreten haben, nachdem sie die Intensität und Gewalt der Kämpfe als ein zu großes Lebensrisiko eingeschätzt haben. Bereits in Syrien haben sie die Reputation, äußerst korrupt und islamistisch zu agieren und würden in Armenien das weiterführen, was sie in Nordsyrien in Form der Kurden und religiöser Minderheiten fortgeführt haben: Vertreibung, Verfolgung und Unterdrückung.

Diese werden in Nordsyrien aufgrund fehlender Perspektiven im türkisch kontrollierten Gebiet rekrutiert und dann über den direkten Luftweg von der Türkei nach Aserbaidschan gebracht. Ihre islamistische Gesinnung und ihr allgemein anomisches Verhalten sorgt gerade bei Anrainerstaaten wie Russland oder dem Iran auf Kritik, gerade letzteres Land könnte mit einer eigenen Intervention in den Konflikt reagieren, insofern diese Problematik nicht gelöst wird. Die USA hat eine Warnung für Staatsbürger und die Botschaft im Land ausgesprochen, da eine akute Gefahr „terroristischer Angriffe“ existiert. Zwar wird sich nicht direkt auf die Syrer dabei bezogen, jedoch sprechen einige Indizien dafür.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s