Islamischer Staat startet Überraschungsoffensive in syrischer Wüste

Am vergangenem Donnerstag starteten Verbände des Islamischen Staates eine breit angelegte Offensive in den zentralsyrischen Provinzen Homs und Hama, ein erstes größeres Lebenszeichen nach jahrelanger Abwesenheit in der Region. IS-Kämpfer attackierten auf einer breiten Front mehrere Dörfer, die sich unter der Kontrolle der syrischen Regierung befinden und zugleich das Randgebiet zur syrischen Wüste darstellen, welches das Rückzugsgebiet der Terrormiliz ist. Trotz der Intensität des Angriffes konnten ersten Berichten zufolge sämtliche Attacken abgewehrt werden, wobei die syrische Armee einige Verluste erlitt und der Islamische Staat mehrere Siedlungen überfallen konnte. Der IS konnte über die vergangenen Jahre hinweg neue Kraft sammeln und könnte zu einer neuen, alten Gefahr für die Anrainerstaaten werden.

Die Gefechte fanden in erster Linie in mehreren Provinzen statt, ein besonderer Schwerpunkt galt der Provinz Hama, welche am Osten an der syrischen Wüste („Badia al-Sham“) grenzt und jahrelang unter der Kontrolle des Islamischen Staates stand. Dörfer in der Umgebung von Resafa, Ithriya, und Khanaser waren stundenlang schwer umkämpft, einigen Berichten zufolge standen zwölf Orte zeitweise unter der Kontrolle der dschihadistischen Organisation, zudem wurden mehrere Soldaten getötet oder gefangen genommen. Neben der Verlegung neuer Truppen reagierten die syrischen Streitkräfte auch mit dem Einsatz ihrer Kampfjets, welche eng mit Russland kooperierten und Luftangriffe auf Positionen des IS flogen.

Parallel dazu bombardierten mehrere russische Kampfjets auch geheime Stellungen des Islamischen Staates am anderen Ende der Wüste, im Osten Syriens, welches von den verbliebenen IS-Kämpfern als Rückzugsgebiet genutzt wird. Wenig später wurden Verbände der Terrormiliz auch in den Provinzen Aleppo und Homs aktiv, überfielen Wüstenstädte wie al-Sukhnah oder Abu Dali. Insgesamt konnte der Islamische Staat nur kurzzeitig mehrere Orte halten, welche kurz darauf wieder aufgegeben werden mussten und sich die IS-Kämpfer in die Wüste wieder zurückzogen. Beide Seiten erlitten dabei größere Verluste. Unklar ist, ob das Ziel dieser Überraschungsoffensive die tatsächliche Eroberung neuer Gebiete, oder lediglich das Erbeuten neuer Waffen, Munition, Lebensmittel etc. war, damit man den Guerillakampf in der Wüste fortführen kann.

Der IS besitzt im Norden und Osten des Landes weiterhin eine große Präsenz, obwohl der offiziell aus dem Land vertrieben wurde. Schläferzellen erstrecken sich quasi über das gesamte Gebiet, welches von ihnen einst kontrolliert wurde und nährt sich teilweise aus der Unterstützung der lokalen, arabischen Bevölkerung. Inzwischen wird der Islamische Staat mutiger und dringt immer tiefer in Syrien hinein, zuletzt verübten sie Angriffe im Osten der Provinz Hama oder im Süden von Raqqah, wo sich der IS seit Jahren nicht mehr zeigte. Die UN schätzt die Anzahl der verbliebenen IS-Kämpfer in Syrien und Irak auf 10.000, wobei eine Mehrheit davon im Irak aktiv ist.

Die Wüste zwischen Syrien und Irak (Badia al-Sham) ist Operationsbasis und Rückzugsgebiet der versprengten IS-Kräfte in Syrien. Aufgrund des ungünstigen Terrains und kaum existenter Infrastruktur können sich die mobilen IS-Kämpfer ungehindert bewegen und damit den ständigen Säuberungskampagnen der kurdisch-arabischen „Syrischen Demokratischen Kräfte“, der syrischen Armee oder irakischer Streitkräfte entfliehen. Zwar starten alle Fraktionen immer wieder Säuberungskampagnen in der Wüste, jedoch gibt es stets ernsthafte Zweifel am Erfolg derartiger Operationen, da bereits in der Vergangenheit die erhoffte Wirkung ausblieb und man stattdessen nach kurzer Zeit wieder mit den üblichen Überfällen zu kämpfen hatte. Aufgrund der Präsenz islamistischer Aufständische in anderen Teilen Syriens ist es der syrischen Regierung auch nicht möglich, einen Großteil ihrer Kräfte und Kapazitäten auf die Bekämpfung des Islamischen Staates zu konzentrieren.

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