Türkische Soldaten kämpfen für Aserbaidschan

Seit einer Wochen dauern die Auseinandersetzungen zwischen Armenien bzw. der autonomen Region Bergkarabach und Aserbaidschan an, nachdem Letztere eine groß angelegte, mit türkischer Unterstützung geplante und von syrischen Söldnern verstärkte Offensive gestartet haben. Bisher gibt es keine Zeichen für ein Abklingen der Kämpfe, auch weiterhin sind die Frontlinien von brutalen Gefechten geprägt, während Aserbaidschan von den ersten territorialen Gewinnen berichtet. Baku attackiert die Hauptstadt der autonomen Region inzwischen tagtäglich mit Artillerie, Raketen und international geächteter Streumunition, die bereits zu mehreren getöteten Zivilisten geführt hat, während Tausende Menschen fliehen. Während die Präsenz syrischer Söldner inzwischen sicher belegt ist, tauchen nun neue Beweise auf: Sind türkische Soldaten aktiv am Kampf gegen Armenien beteiligt?

Die aserbaidschanische Regierung vermeldet offiziell den ersten Erfolg in ihrer Kampagne in Bergkarabach. Demnach konnten sie das Dorf Mataghis im Nordosten der Region von den Truppen Armeniens und Artsakhs sichern und damit sechs Kilometer tief in Bergkarabach vordringen. Damit einher geht auch die Eroberung des Dorfes Tarish etwas weiter nördlich. Es gibt auch unbestätigte Berichte davon, dass armenische Streitkräfte im Folgetag Mataghis wiedererobern konnten, nachdem sie Vergeltungsangriffe auf den Ganja-Militärflughafen in Aserbaidschan gestartet hatten. Anderorts gleicht der Konflikt hingegen eher einem Stellungskrieg, wo man Stellung um Stellung unter hohen Verlusten erobern bzw. verteidigen muss. Am Samstag verkündete das armenische Verteidigungsministerium, einen Angriff abgewehrt und eine Gegenoffensive gestartet zu haben, ohne nähere Details zu veröffentlichen.

Durch die relativ wenigen Informationen bezüglich der Frontverläufe ist auch schwer abzusehen, wer siegreich hervorgehen könnte. Offiziellen Zahlen zufolge verlor Armenien bisher 202 Soldaten, was eine glaubwürdige Zahl darstellt. Im Gegensatz dazu veröffentlichte Aserbaidschan bisher keine Statistiken zu den eigenen Verlusten, jedoch konnte Armenien bis zu 243 aserbaidschanische Soldaten verifizieren, zuzüglich etwa 30 syrischen Söldnern. Während Aserbaidschan durch ihre Drohnenaufnahmen auf armenischer Seite für erhebliche materielle Verluste sorgt, zeigen armenische Medien in erster Linie das Resultat gescheiterter Operationen, die in dutzenden Leichen jeweils resultieren. Dadurch konnten sie auch mindestens zwei T-90-Panzer und zwei weitere Transportpanzer Aserbaidschans erbeuten, während Aserbaidschan zwei armenische T-72-Panzer und ein kleineres Munitionsdepot sichern konnte.

Aserbaidschanische Bombardements treffen zunehmend die bewohnten Viertel von Stepanakert, der Hauptstadt Bergkarabachs. Am Freitag wurde eine Militärbasis nördlich der Stadt beschossen, jedoch verfehlten mehrere Artilleriegeschosse ihr Ziel um mehr als 400 Meter und trafen stattdessen mehrere Wohnhäuser und Institutionen. Dabei kam es zum exzessiven Einsatz von Streumunition, welche vor allem im Kontext auf einen Einsatz auf urbane Zentren international geächtet wird. Jedoch gibt es auch absichtliche Angriffe auf zivile Infrastruktur. So wurde wohl zum ersten Mal eine Brücke durch eine israelische ballistische Rakete des Typs „LORA“ getroffen und in Folge dadurch zerstört. Viele Einwohner Stepanakarts fliehen inzwischen nach Armenien, nachdem die Stadt immer wieder attackiert. Aber auch andere Siedlungen wurden von Artillerie getroffen, darunter das Dorf Kus im armenischen Kerngebiet. Dabei wird Munition aus türkischer Produktion eingesetzt.

Journalisten vor Ort müssen sich tagtäglich mehrmals in den sicheren Kellers ihres Hotels begeben, da Aserbaidschan immer aggressiver wird und inzwischen mehrere Zivilisten getötet hat. Ohnehin haben es Reporter schwer in Bergkarabach, bereits in den ersten Tagen ihrer Ankunft wurden zwei französische Journalisten von „Le Monde“ durch aserbaidschanische Artillerie verletzt und mussten nach Jerewan transferiert werden. Aserbaidschans Diktator Ilcham Alijew kommentierte das Vorgehen nur damit, dass sie sich nicht nach Bergkarabach hätten begeben müssen. Zudem hätten sie eine Lizenz aus Baku benötigt, da Bergkarabach als aserbaidschanisches Territorium angesehen wird. In Aserbaidschan selber haben ausländische Journalisten seit Wochen keinen Zutritt.

In den vergangenen Tagen tauchten erneut mehrere Videos auf, die syrische Söldner in Aserbaidschan zeigen und damit deren Präsenz 100% beweisen. Ein Video zeigt einen syrischer Söldner an den Frontlinien, während aserbaidschanische Stellungen von armenischer Artillerie beschossen werden, während er in Deckung geht und die Armenier verflucht. Bei dem Kämpfer soll es sich um den 23-jährigen Mustafa Qanti handeln, welcher Mitglied der pro-türkischen al-Jabha al-Shamiya, welcher aber über die Hamza-Division für den Einsatz in Libyen und Aserbaidschan rekrutiert wurde.

Am selben Tag veröffentlichte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium ein Video, welches exakt den gleichen „Bunker“ wie im obigen Film zeigt. Passend dazu gibt eine andere Aufnahme, die syrische Islamisten in diesem Munitionsdepot zeigen. Nur wenige Stunden später wurde ein zweites Video veröffentlicht, welches mehrere Söldner inmitten eines Dorfes zeigt. Sie sollen wiederum zu Sultan Murad gehören. Deren Aufenthaltsort wurde wenig später lokalisiert, es handelt sich um das Dorf Horandiz, welches nahe der iranischen Grenze und nur sechs Kilometer von der Frontlinie zu Bergkarabach entfernt liegt.

Doch nicht nur syrische Söldner, auch türkische Soldaten sollen im aserbaidschanischen Territorium, unweit der Frontlinien entfernt sein und womöglich militärische Unterstützung bieten. Ein Sprecher des aserbaidschanischen Präsidenten veröffentlichte mehrere Bilder, die die Zerstörung von Häusern, verursacht durch armenische Artillerie auf die Stadt Ganja, verursacht wurden. Auf einem der Bilder ist ein türkischer Soldat zu sehen, der die Schäden inspiziert. Inzwischen wurde der Originaltweet des Pressesprechers gelöscht und eine ähnliche Nachricht ohne dieses Bild nochmal veröffentlicht. Die Präsenz türkischer Truppen in Aserbaidschan ist wenig überraschend, bereits in den ersten Tagen gab es Gerüchte darüber, dass türkische Streitkräfte die Drohnenflotte Aserbaidschans operieren, da Aserbaidschan nur wenige Monate zuvor ihre ersten Drohnen erhalten hat. Unklar bleibt jedoch das genaue Ausmaß der türkischen Beteiligung.

4 Kommentare zu „Türkische Soldaten kämpfen für Aserbaidschan“

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