Türkische Militärbasis in Syrien von Selbstmordattentäter angegriffen

Am Freitag kam es zur ersten gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen türkischen Truppen und radikalislamistischen Gruppierungen in der Provinz Idlib, welche seit jeher fest unter der Kontrolle der Opposition steht. Ein Selbstmordattentäter versuchte, in eine türkische Militärbasis zu fahren und dort möglichst viele Soldaten zu töten, wurde jedoch kurz davor aufgehalten. Eigentlich besitzt die Türkei sehr gute Beziehungen zu den islamistischen Aufständischen und verfügt über dutzende Militärstützpunkte in der Region, welche die Dschihadisten vor weiteren Offensiven Russlands und der syrischen Regierung schützen soll. Jedoch existieren auch radikalere Milizen, welche einen neuen Konflikt provozieren wollen und dabei die Türkei als Feind erachten.

Der Angriff ereignete sich bei einem türkischen Stützpunkt nahe al-Furayka, welches südöstlich der Großstadt Jisr al-Shoughur liegt. Eine Autobombe, gefahren von einem Selbstmordattentäter (SVBIED) machte sich auf dem Weg zur Militärbasis, wurde jedoch kurz davor von syrischen Aufständischen und türkischen Soldaten aufgehalten und zur Detonation gebracht, bevor er sein Ziel erreichen konnte. Dennoch konnte er zwei Milizionäre töten und mehrere Türken verletzen, welche kurz darauf mit Helikoptern in die Türkei evakuiert wurden. Der Täter ist bisher ungeklärt, mögliche Täter sind Schläferzellen des Islamischen Staates oder Anhänger von „Kataib Khattab al-Shishani“, die bereits in der Vergangenheit türkisch-russische Militärpatrouillen angegriffen haben.

Der Ort des Angriffes ist auf zwei Arten von Bedeutung. Einerseits befindet sich der Stützpunkt nahe der M4-Autobahn, welche die Städte Aleppo und Latakia miteinander verbindet und dazwischen quer durch die Provinz Idlib verläuft, welche nach der letzten erfolgreichen Militäroffensive der syrischen Armee und den Verhandlungen zwischen Russland und der Türkei zur Demarkationslinie erklärt wurde. Seitdem verkehren dort wöchentlich Militärpatrouillen der zwei Schutzmächte entlang, um diese Waffenruhe zu überwachen. Jedoch werden dieser in letzter Zeit immer öfters angegriffen, gerade Kataib al-Shishani soll in diesen Operationen involviert sein. Außerdem ist die Region um Jisr al-Shughour Rückzugsraum für viele internationale und dschihadistische Organisationen, z.B. vielen tschetschenischen oder usbekischen Islamisten oder der chinesisch-uiguruschen „Islamischen Turkestan-Partei“, die Jisr al-Shughour zu ihrer neuen Heimat ausgebaut haben.

Die zunehmenden Angriffe sind Ausdruck einer immer schwächer werdenden Waffenruhe. Es gibt ohnehin wenig Hoffnung auf einen langfristigen Frieden, das hat Vergangenheit immer wieder gezeigt. Stattdessen werden Waffenruhen als Pausen von beiden Seiten genutzt, um sich neu zu gruppieren, Verstärkungen an die Frontlinien zu schaffen und neue Stellungen auszuheben. Gerade die Gruppierungen um Latakia und Jisr al-Shughour sind nicht dafür bekannt, sich an zwischenstaatliche Vereinbarungen zu halten und werden alles unternehmen, um weiterhin ihren Dschihad in Syrien ausführen zu können. Dadurch erhält die syrische Regierung wiederum eine neue Legitimation, gegen die Opposition militärisch vorgehen zu können.

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