Russisches Militär in Syrien angegriffen

Bombenanschlag auf russisch-türkischen Konvoi vom 14. Juli

In der Provinz Idlib kam es zum wiederholten Male zu einem Anschlag auf die russisch-türkische Militärpatrouillen, die in der letzten, noch von Oppositionellen gehaltenen Region die fragile Waffenruhe zwischen islamistischen Kräften und der syrischen Arme aufrecht erhalten sollen. Diesmal wurde durch einen Sprengsatz ein russischer Schützenpanzerwagen beschädigt, jedoch kam es zu keinen Verletzten oder Toten. Diese Angriffe auf russische und auch türkische Fahrzeuge konnten über den Verlauf der letzten Wochen erheblich zunehmen und stellen den Versuch extremistischer Gruppierungen da, den Frieden gewaltsam zu beenden.

Der Angriff ereignete sich auf der M4 Autobahn, welche die Städte Aleppo und Latakia miteinander verbindet und dazwischen quer durch die Provinz Idlib verläuft, welche nach der letzten erfolgreichen Militäroffensive der syrischen Armee und den Verhandlungen zwischen Russland und der Türkei zur Demarkationslinie erklärt wurde. Bei dem Ort Urum al-Jawz detonierte ein Sprengsatz, welcher in Folge einen russischen BTR-82 von der Straße drängte und dabei beschädigte. Die Insassen wurden dabei nicht verletzt. Dennoch ist es eine Erinnerung daran, dass diese gemeinsamen Patrouillen Russlands und der Türkei jederzeit von Islamisten angegriffen werden könnten, immerhin bewegen sich diese (entgegen den ursprünglichen Vereinbarungen) durch deren Kernterritorium.

Es handelt sich insgesamt um den sechsten Angriff auf die Militärkonvois der M4, zuletzt wurde ein türkischer Truppentransporter am 17. August beschädigt, auch hier kam es zu keinen ernsthafteren Konsequenzen. Zu den meisten und aktuellen Fällen hat sich die Gruppierung „Kataib Khattab al-Shishani“ bekannt, welche relativ neu gegründet wurde und in erster Linie aus dschihadistischen Tschetschenen besteht und enge Beziehungen zu al-Qaida pflegt. Diese haben in der Vergangenheit auch immer wieder versucht, durch Artillerieangriffe und Infiltrationsmissionen auf Positionen des syrischen Militärs ein Ende der Waffenruhe einzuleiten, bisher relativ erfolglos.

Die gemeinsamen Patrouillen der beiden Länder stoßen immer wieder auf Kritik, insbesondere in Idlib auch auf Widerstand. Diese russisch-türkischen Konvois an ihrer Weiterfahrt zu behindern war bereits seit der ersten Patrouille der Fall, damals versuchte noch die Bevölkerung mit Hilfe verschiedener Milizen wie Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham oder al-Nusra) die Straße zu blockieren. Zunehmend aber entwickelt sich der Widerstand militanter, bereits am Montag entschärften türkische Truppen eine Sprengstoffvorrichtung (IED) auf der M4, welche wahrscheinlich einen Tag später detonieren sollte. Davor kam es zudem zu einzelnen gewaltsamen Auseinandersetzungen, in denen türkische Soldaten verletzt wurden oder Proteste gewalttätig aufgelöst wurden.

Es gibt ohnehin wenig Hoffnung auf einen langfristigen Frieden, das hat Vergangenheit immer wieder gezeigt. Stattdessen werden Waffenruhen als Pausen von beiden Seiten genutzt, um sich neu zu gruppieren, Verstärkungen an die Frontlinien zu schaffen und neue Stellungen auszuheben. Teil der neuen demilitarisierten Zone ist ebenfalls die Region rundum Latakia und der Stadt Jisr al-Shughour, die inzwischen mehrheitlich von dschihadistischen Gruppierungen aus Tschetschenien, Degestan, Usbekistan oder der chinesischen Xianjiang-Provinz (Uiguren) beherrscht wird. Diese Gruppierungen sind nicht dafür bekannt, sich an zwischenstaatliche Vereinbarungen zu halten und werden alles unternehmen, um weiterhin ihren Dschihad in Syrien ausführen zu können. Dadurch erhält die syrische Regierung wiederum eine neue Legitimation, gegen die Opposition militärisch vorgehen zu können.

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