Türkei nutzt Wasser als Waffe in Syrien

Im Nordwesten Syriens regiert die Dürre, seitdem die türkische Regierung und die von ihnen unterstützten islamistischen Kräfte im Land den Wasserhahn abgedreht haben und damit einem großen Teil der Bevölkerung die Wasserversorgung verwehrt. Mitten im Hochsommer ist gerade jene Region schwer getroffen, die als die Kornkammer Syriens gilt: Die Provinz al-Hasakah, welche größtenteils unter der Kontrolle des arabisch-kurdischen Milizenbündnisses der „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) steht, welche von der Türkei oftmals als Terroristen bezeichnet werden. Inmitten einer Wirtschaftskrise und Corona-Pandemie zerstört die Türkei mit politischen Kalkül die Lebensgrundlage von Millionen Menschen.

Seit über einer Woche besteht diese Problematik in Syrien, welche sich bereits nahe der syrisch-türkischen Grenze bemerken lässt. 50 Kilometer von der Türkei entfernt steht der Tishreen-Staudamm, welcher Bestandteil der vor Jahrzehnten durchgeführten Elektrifizierungskampagne der Baath-Regierung war und normalerweise bis zu 800 Megawatt Strom produziert. Laut internationalen Verträgen müssten durch den Staudamm pro Sekunde 500 Kubikmeter Wasser fließen, in Wirklichkeit sind es mit 200 Kubikmeter weniger als die Hälfte. Flussabwärts sieht die Lage sogar noch kritischer aus, obwohl der Euphrat eigentlich als die Lebensader des östlichen Syriens gilt.

Der Fluss Euphrat ist der wohl wichtigste Fluss in der ganzen Region und teilt Ostsyrien in zwei Teile. Gerade der Nordwesten des Landes, welcher stark vom Euphrat abhängig ist, gilt als das landwirtschaftlich wichtigste Gebiet in Syrien. Der Ursprung des Euphrats liegt jedoch im türkischen Gebirge, eigentlich nicht unweit der syrischen Grenze. Dort hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan im Rahmen des problematischen Südostanatolien-Projekts viele neue Staudämme bauen lassen, um die wachsende Energienachfrage im eigenem Land zu stillen.

Davon profitieren auch jene syrischen Gruppierungen im Norden des Landes, die eine Allianz mit der Türkei eingegangen sind und dadurch ebenfalls eine stabile Energieversorgung gewährleistet haben. Die größten Verlierer sind die syrische Regierung und die SDF, höchst wahrscheinlich ist dass das Kalkül der Türkei. So kontrollieren die türkischen Truppen seit Oktober 2019 die Trinkwasserpumpstation Alouk, die normalerweise auch die Provinz Hasakah versorgt, die unter syrisch-kurdischer Kontrolle steht. In Wirklichkeit ist sie aber seit Wochen deaktiviert. Die Kurden selber sind kaum in einer Position, in der sie dagegen protestieren oder gar vorgehen können und damit weiter an Einfluss und Legitimität verlieren.

Insgesamt ergibt sich ein tristes Bild für die Millionen Syrer, darunter unzählige Binnenflüchtlinge, die vom Wasser des Euphrats abhängig sind: Die Stromversorgung ist durch den Wassermangel bei den Staudämmen kaum gewährleistet, die landwirtschaftliche Produktion, in der ein großer Teil der Bevölkerung tätig ist, ist genauso wie der Fischfang zusammengebrochen. Damit einher gehen auch Umweltkatastrophen, die das fehlende Wasser mit verantwortet. Denn im Osten liegen die unzähligen Ölfelder, Seit Beginn des Bürgerkrieges wurden die Raffinerien und Pipelines kaum gewartet, in einem entsprechenden Zustand befinden sie sich. Hinzu kommen noch provisorisch gebaute Pumpen und Bohrtürme. Dadurch sollen tausende Barrels im Boden versickert sein. Kürzlich aufgenommene Videoaufnahmen zeigen Ölfilme auf Flüssen, Feldern und sogar im Fell von Schafen.

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