Türkisch-griechischer Machtkampf im Mittelmeer

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Der Libyenkrieg verstärkte und offenbarte zugleich einen zweiten Konflikt, welcher mit ihm eng im Zusammenhang steht: Der Kampf zwischen Griechenland und der Türkei um Teile des östlichen Mittelmeeres, welche von beiden Nationen gleichermaßen beansprucht werden. In den vergangenen Tagen konnte man eine Zuspitzung des Konfliktes beobachten, nachdem beide Fraktionen aggressiver ihre Ansprüche durchsetzen wollen und dabei auch nicht vor potentieller Waffengewalt zurückschrecken, indem sie ihre Kriegsschiffe in Position bringen. Insbesondere die Türkei versucht sich, durch die Interventionen im Nahen Osten neue Weltgeltung zu verschaffen. Wie bei vielen Kriegen befindet sich vor allem eine Interesse im Vordergrund: Der Zugang zu Rohstoffen.

Schauort des derzeitigen Geschehens sind die Gebiete südlich der Inselgruppe rundum Kastelorizo, welche zwar nur zwei Kilometer vom anatolischen Festland entfernt sind, sich aber trotzdem unter der Kontrolle Griechenlands befindet. Damit einher gehen die Ansprüche auf die umliegenden Seegebiete, unter denen sich wie im gesamten östlichen Mittelmeer große Mengen an Erdgas und -öl befinden sollen. Diese Gebietsansprüche werden von der türkischen Regierung jedoch nicht akzeptiert, vor allem nachdem sich Griechenland und Ägypten auf eine gemeinsame „Seegrenze“ im östlichen Mittelmeer einigten und dabei die türkischen Ansprüche vollkommen ignorierten. Dieses Abkommen steht im Kontrast zu jenem Vertrag, den die Türkei und die westlibysche „Einheitsregierung“ unterschrieben, welche damit das exakt gleiche Territorium wie Ägypten und Griechenland untereinander aufteilt, ohne Rücksicht auf Anrainer und dem Fakt, dass die Hälfte der libyschen Küste unter der Kontrolle der ostlibyschen und von Griechenland und Ägypten unterstützten Tobruk-Regierung steht.

Vor wenigen Tagen begann die Türkei deswegen mit Bohrungsoperationen mitten auf dem Meer, welches von mehreren Seiten beansprucht wird. Das Erkundungsschiff „Oruc Reis“, begleitet von fünf Kriegsschiffen, untersucht derzeit die Region nach Rohstoffen, ungeachtet anderer Länder. Griechenland protestierte dagegen und reagierte mit der Einberufung eines Krisenstabs, einem Anruf bei dem Nato-Generalskeretär Stoltenberg und beim EU-Ratspräsidenten Charles Michel. Die griechische Marine hat eigene Schiffe in die umstrittene Region gebracht, Frankreich will mit einer eigenen Fregatte ebenfalls Präsenz zeigen. Unbestätigten Berichten zufolge kam es sogar zu einer Kollision zwischen einem griechischen und türkischen Kampfschiff, was aber kaum Schäden hinterließ.

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Derzeitiges Bohrungsgebiet der Türkei. Die Region wird von mehreren Ländern beansprucht

Damit verstärkt die EU auch weiterhin ihre Präsenz, nachdem einige europäische Länder (darunter auch Deutschland) eine gemeinsame maritime Mission in den Mittelmeer entsandt haben, um das vor mehreren Monaten beschlossene Embargo für den Waffentransport nach Libyen durchzusetzen und damit die Türkei stark einzuschränken. Die sogenannte Operation „Irini“ hat das Ziel, das bereits erwähnte Embargo vollständig umzusetzen. Während Irini von der EU selber koordiniert und durchgeführt wird, nehmen überwiegend nur zwei Länder mit mehreren Kampfschiffen an der Operation teil: Griechenland und Frankreich. Jene Staaten, die ohnehin die ostlibysche Parallelregierung unterstützen und dessen natürliches Interesse darin liegt, die enorme Unterstützung der Türkei für die Einheitsregierung zu unterbinden. Dennoch kann Irini bisher nur wenige Erfolge vorweisen und kein einziges Schiff auf dem Weg nach Libyen stoppen.

Anfang Juni versuchte eine griechische Fregatte, ein Transportschiff unter der Flagge Tansanias zu stoppen, welches gerade die libysche Küste ansteuern wollte. Bevor es diese Aktion ausführen konnte, wurde die griechische Flotte von türkischen Begleitschiffen bedroht, wodurch man sich zurückzog. Nur eine Woche später gab es einen ähnlichen Vorfall, diesmal durchsuchte ein französisches Kriegsschiff einen türkischen Frachter und konnte erst durch gefährliche Manöver türkischer Fregatten daran gehindert werden. Sie sollen sogar davor gewarnt haben, ihre Waffensysteme gegen Frankreich einzusetzen. Während bisherige Erfolge ausblieben, sieht die Zukunft der Operation Irini ebenso düster aus: Malta kündigte den Austritt dem Operationsraum aus und drohte mit einem Veto gegen eine zukünftige EU-Unterstützung von Irini, was als Annäherung zur Einheitsregierung gesehen wird.

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